„Monday for Future“ im Unterricht

von Redaktion

Neunte Realschulklassen befassen sich in Projekten mit Themenkomplex Demokratie

Direktorin Andrea Dorsch

Prien – Ein weites Themenfeld hat die Realschule Prien ihren neunten Klassen heuer für die mehrwöchigen Projektarbeiten geöffnet, die im Lehrplan stehen: Demokratie, also die „Herrschaft des Staatsvolkes“. „Es reicht nicht, Kompetenzen und Wissen zu erwerben. Schüler müssen erfahren, wie es ist, selbst etwas zu erreichen und sich in die Gesellschaft einzubringen“, erklärt Direktorin Andrea Dorsch die Themenwahl.

Fächerübergreifend haben kleine Schülergruppen Themen von A wie Atomkraft bis V wie Verfassungskonvent Herrenchiemsee und Volksentscheid „Rettet die Bienen“ durchleuchtet, ihre Ergebnisse zum Teil sehr kreativ aufbereitet und auf mehrere Abende verteilt öffentlich vor Lehrern, Eltern und geladenen Gästen präsentiert.

Aufsehen erregend war am Auftaktabend, montags, die Demonstrations-Einlage eines Quartetts, das sich mit der „Fridays for Future“-Bewegung auseinandergesetzt hat. Die Schülerdemonstrationen, die auf eine Initiative der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg zurückgehen, sorgen seit Wochen für kontroverse Diskussionen. Hauptsächlich geht es um die Frage, ob Schüler während des Unterrichts demonstrieren dürfen. In Prien ist bisher nur eine Demo bekannt geworden. Etwa zwei Dutzend Unter- und Mittelstufenschüler des Ludwig-Thoma-Gymnasiums hatten unmittelbar nach Schulschluss an einem Freitag auf dem Marktplatz demonstriert, bestätigten auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung übereinstimmend Polizei und Schulleitung, die vorab informiert worden waren.

Das Realschüler-Quartett näherte sich dem Thema unter anderem mit einem Interview mit der Direktorin Andrea Dorsch (siehe Kasten).

Ein anderes eindrucksvolles Projekt war „Junior meets senior“. Unter diesem Motto des Rotary Clubs Prien, der die Initiative unterstützt hat, fahren fünf junge Damen schon seit längerem einmal in der Woche in die Kursana Residenz, um mit Bewohnern des Altenheims Übungen für die körperliche und geistige Fitness zu machen – von Dehn-Übungen mit dem elastischen Thera-Band bis zur Mensch-ärgere-dich-nicht-Partie.

Fast nebenbei ergab sich da eine Art Geschichts-Unterricht durch den Dialog der Generationen. Dass manches Schicksal den fünf Realschülerinnen nahegeht, war deutlich zu spüren, als Magdalena die Lebensgeschichte von Hanna Lersch erzählte. Mit 16 war Lersch in der damaligen DDR zunächst in eine russische Kaserne gebracht worden, weil sie angeblich unbequeme Fragen gestellt hatte. Über mehrere Stationen kam sie schließlich nach Buchenwald. Krankheiten, Mangelernährung, Wochen ohne Wasser wegen zugefrorener Leitungen und Vergewaltigungen durch Soldaten kamen in den Erinnerungen Lerschs vor.

Es war sehr still im Klassenzimmer, als Magdalena davon erzählte. 1950 kam Lersch aus der Gefangenschaft und durfte nach Hause. Mit dem Moment der Heimkehr endete die Geschichte: „Es war ein Traum, wir fielen uns weinend in die Arme.“

„Stimmung müsste man nun auf der nächsten Instanz nutzen“

Hanna Moosbauer, Florian Scholz, Emma Wirth und Alexander Doleschal haben im Rahmen ihrer Projektarbeit über die „Fridays for Future“-Bewegung Direktorin Andrea Dorsch interviewt:

Was halten Sie davon, dass sich Schüler für ihre Zukunft einsetzen?

Im Sinne unseres Projektes Demokratie bin ich der Ansicht, dass sich jeder Mensch in der Gesellschaft im Rahmen seiner legitimen Möglichkeiten einbringen sollte. Insbesondere gilt das für junge Menschen, also auch Schüler.

Die Tatsache, dass wir Gesellschaft sind, dass wir unsere Gegenwart und Zukunft selbst in der Hand haben und dass jeder von uns in die Politik gehen und vieles anders oder besser machen darf, ist ja auch die Botschaft dieses Projektes hier.

Was würden Sie tun, wenn Schüler anstatt in die Schule zu gehen auf eine „Friday for future“-Demo gehen ?

Wenn sie einfach unentschuldigt fehlen würden, müsste ich sie wegen der Schulpflicht sehr streng ermahnen, ja vielleicht einen Verweis geben.

Wenn aber Schüler an einem Projekt arbeiten, das eben den Klimawandel zum Thema hat, dann würde ich es Ihnen erlauben, einmal dorthin zu gehen.

Gab es schon mal den Verweis?

Nein, bisher hat noch niemand unentschuldigt gefehlt.

Denken Sie, dass dieser Kampf der Schüler etwas bewirkt?

Ich kann nicht sagen, ob die Demonstrationen etwas bewirken werden, ob sie der Grund dafür sein werden, dass eines Tages das Klima gerettet wird.

Man kann aber sehen, dass die Demonstrationen schon etwas bewirkt haben. Diese Stimmung müsste man nun auf der nächsten Instanz nutzen.

Ich möchte es mal so formulieren: Viele Eltern und Erwachsene sagen „Wir wollen, dass Ihr es in Zukunft mal besser habt als wir!“ Und jetzt gehen junge Leute auf die Straße und machen uns zum Vorwurf, genau dafür nicht zu sorgen.

Das wollen sich Eltern nicht sagen lassen, das wollen sich Politiker nicht sagen lassen, und es ist in der Öffentlichkeit eine sehr wirksame Diskussion darüber entstanden, was getan werden kann.

Nicht nur politische Maßnahmen sind gefragt, sondern auch das Verhalten des Einzelnen wird von den Jugendlichen auf den Prüfstand gestellt. Das spricht jeden an, der Kinder hat oder der jemanden kennt, der Kinder hat.

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