Prien – Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, bis aus der Idee eines Generationen verbindenden Wohnquartiers mit bezahlbaren Preisen Wirklichkeit wird. In rund eineinhalb Jahren sollen die drei Reihenhäuser, vier Doppelhaushälften und 17 Wohnungen von 37 bis 105 Quadratmetern Grundfläche in einem dreigeschossigen Block bezugsfertig sein.
Die künftigen Bewohner, die nach einem eigens vom Marktgemeinderat entwickelten Kriterienkatalog schon vor Jahren ausgewählt worden waren, wurden auf „manche harte Geduldsprobe“ gestellt, formulierte es Inge Schmidt-Winkler, Vorstandsmitglied der „Maro Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen“. Diesen erfahrenen Partner hatte sich die Gemeinde an die Seite geholt. Der Markt Prien baut die Reihen- und Doppelhäuser, bis sie verputzt sind und an junge Familien zum Innenausbau übergeben werden. Die Maro verwirklicht den Wohnblock und zuerst in den nächsten Monaten die gemeinsame Tiefgarage mit 32 Stellplätzen für das gesamte Quartier.
Aus Tiefgarage direkt in alle Wohnungen
Alle Wohneinheiten sind aus der Tiefgarage direkt erreichbar, oberirdisch sollen so gut wie keine Fahrzeuge verkehren, stattdessen Platz für die Menschen und ihre Begegnungen sein. Das ist einer der wesentlichen Ansatzpunkte der „Vision“, die Bürgermeister Jürgen Seifert 2013 von einem Kongress mitgenommen hatte, wie er beim Spatenstich vor mehr als 100 Zuhörern den Anfang der Entstehungsgeschichte schilderte.
Wenig später sei Olga Mittermayer zu ihm ins Rathaus gekommen. Ihr gehört der Hof am Fuße des Herrnbergs, einen Steinwurf südlich vom Skilift Eglwies, auf dessen weitläufigem Grundstück nun die neue Anlage entsteht. Sie suchte Hilfe, um ihren Hof vor dem Verfall zu retten. Nach nicht einmal 30 Minuten sei man sich einig gewesen, verriet Seifert.
Die Gemeinde stellte die Weichen, um Baurecht zu schaffen, Mittermayer konnte das Hofgebäude erneuern und Mietwohnungen schaffen, den südlichen Teil des Areals konnte sie an einen privaten Bauträger verkaufen, der inzwischen längst Häuser mit Eigentumswohnungen gebaut hat. Den nördlichen Teil, knapp 5000 Quadratmeter, übereignete sie der Gemeinde, „weit unter Marktwert“, wie Seifert ihr dankte, ohne Zahlen zu verraten. So sei es möglich geworden, den künftigen Nutzern Wohnraum „zu einem absolut einmaligen Grundstückspreis“ zur Verfügung zu stellen. Denn die wenigen bebaubaren Flächen, die es in Prien gibt, seinen inzwischen „für Menschen mit normalem Einkommen schlicht und ergreifend unerschwinglich“.
Eine enorme Zeitverzögerung war dem Umstand geschuldet, dass das örtliche Notariat bei der Bearbeitung der Unterlagen einen Fehler beim Übertrag eines Grundrechts aufgespürt hatte, der wohl bei einem Übertrag im Jahr 1900 (!) passiert war. Das im komplizierten Vertragswerk mit der Maro rechtlich wasserdicht geradezurücken hat allein ein Jahr gedauert.
Nahwärmeversorgung mit Pelletsheizung
Zwischendurch gab es wohl auch Zweifel. Schmidt-Winkler erzählte von Nächten, in denen sie über Plänen gesessen und gedacht habe: „Das geht nicht, aber ich habe es ja versprochen.“ Und Seifert machte in seiner Rede aus seiner „Ergriffenheit“ kein Hehl und sprach von einem „Wahnsinnsweg“.
Die Maro-Vertreterin erläuterte einen weiteren zentralen Ansatz des gemeinsamen Projekts. Eglwies soll alle Generationen verbinden, junge Familien, Ein-Eltern-Familien, Senioren und Menschen mit Behinderung sollen dort gleichermaßen zu Hause sein und „in einem kleinen Quartier zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen“.
„Wirklich visionär“ fand das Modell auch Architektin Natascha Ortner vom Planungsbüro Püschel. Sie hob unter anderem hervor, dass die Bauherren Mehrkosten für eine „hervorragend gedämmte Gebäudehülle“ inkauf nähmen und für die gesamte Anlage eine zentrale, regenerative Nahwärmeversorgung mit einer Pelletsheizung entstehe.
Der Markt Prien investiert nach eigenen Angaben knapp 2,2 Millionen Euro und will zur Zwischenfinanzierung der Reihen- und Doppelhäuser einen Kredit mit einem Volumen bis höchstens 900000 Euro aufnehmen.
Die Liste der Personen, denen Seifert für ihren Beitrag zur Verwirklichung dankte, war lang. Darunter war auch sein Stellvertreter Hans-Jürgen Schuster, der zum Spatenstich nicht kommen konnte. Er war am Vortag mit dem Sanka ins Krankenhaus eingeliefert worden, sei aber inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung, berichtete Seifert.
Schuster, auch Sozialreferent der Marktgemeinde und deshalb mit dem Problem überteuerten Wohnraums bestens vertraut, hatte der Chiemgau-Zeitung vor Monaten schon von einem zweiten Projekt berichtet, Wohnungen für Menschen zu schaffen, die sich die Preise in Prien nicht mehr leisten können.
An der Ecke Jensen-/Spitzsteinstraße sollen auf einem 1200-Quadratmeter-Grundstück, das der Marktgemeinde Prien gehört, demnach bald die Altbauten abgerissen werden und neue Gebäude mit bis zu 14 Wohnungen entstehen. Für die „Wohnungsbauförderung“ haben Verwaltung und Kommunalpolitik im Investitionsprogramm 2020 bis 2022 2,9 Millionen Euro für sozialen Wohnungsbau eingeplant.