Prien – „Langnedgscheit“ hatte der Abijahrgang des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) in Abwandlung des Wortes „Langenscheid“ als Motto gewählt. „Trotzdem gschafft“ steht als Zusatz auf den T-Shirts. Bei der Abifeier im König-Ludwig-Saal kam deutlich zum Ausdruck, dass dies keineswegs zutrifft. Von den 109 Abiturienten haben über 17 einen Schnitt unter 1,5, vier sogar die Traumnote 1,0.
Für den musikalischen Rahmen sorgten die Big Band und das kleine Q5 Jazz-Ensemble, für die gute Stimmung die kurzen, aber gehalt- und humorvollen Redebeiträge, in denen das „Glück“ im Vordergrund stand. Stellvertretender Landrat Josef Huber betonte, wie wichtig es ist, glücklich und zufrieden zu sein. In dem Buch „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ stünden Sätze wie „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“ und „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“. Die Abiturienten sollten später einmal sagen können: „Ich habe alles richtig gemacht.“
Das Abitur sei nicht alles, wichtig sei auch das private Glück, so Elternbeiratsvorsitzende Elisabeth Kirchner. Sie rief dazu auf: „Sei unabhängig im Herzen wie im Kopf, sage klar und besonnen Deine Meinung.“
Fördervereinsvorsitzender Laurent Westermeyr hatte die Lacher auf seiner Seite, als er sein inzwischen zwei Nummern zu klein geratenes Abi-T-Shirt zeigte.
Um 0,3 besser als der bayernweite Schnitt
Stellvertretende Direktorin Verena Grillhösl ging auf das Motto „Langnedscheid – trotzdem gschafft“ ein: In dem Wort stecke nicht nur das Akronym LTG, sondern einiges mehr. So stehe das gscheid für „richtig“, aber eben auch für „klug“. Beweis dafür, dass das Gymnasium nicht nur fordert, sondern auch fördert. Bayernweit, so erklärte sie, lag der Abischnitt bei 2,29 – da waren die LTG-Schüler um 0,03 besser.
Weil heuer 70 Jahre LTG und 70 Jahre Grundgesetz gefeiert werden, rief sie die Abiturienten auf, sich für das Wohl der Gemeinschaft zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Freiheit stehe für „keine Schule mehr“, aber mehr noch für echte Freiheit im Sinne der Demokratie; und mit diesem Geschenk gelte es, sorgfältig umzugehen. „Ihr Schüler geht nach acht, neun Jahren“, sie selbst nehme nun nach 28 Jahren Abschied vom LTG, so Grillhösl.
Die Abiturienten Judith Schelle und Nico Lehner erinnerten an Schullandheim, Skilager, alpines Praktikum, Tanzkurs, Abifahrt und Oberstufenzeit in Containern als Klassenzimmer. In über 11900 Schulstunden (einschließlich der Grundschulzeit) und über 150 Klausuren, so hatten die Schülersprecher zusammengerechnet, hätten sie so einiges gelernt und wurden auf das Leben vorbereitet.
Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner (CSU) hatte drei Dinge mitgebracht: Schere und Ladegerät als Symbol, dass man die Verbindung nie abschneiden, sondern halten und aufladen muss, und einen Stein, der für den Bau an der Zukunft steht. Allen, die noch nicht wissen, in welche Richtung es gehen solle, empfahl er, ein Handwerk zu erlernen, es habe ja „goldenen Boden“.
Besonders langen Applaus gab es für alle, die mit einem Notendurchschnitt bis 1,5 abschnitten. Neben den Bürgermeistern der Gemeinden, aus denen die Jahrgangsbesten kommen, ehrten der Elternbeirat, der Rotary Club Chiemsee und der Soroptimist International Club Schüler, die sich durch schulische Leistungen sowie Engagement im musikalischen oder sozialen Bereich ausgezeichnet hatten. Dass Elisabeth Badlo ihre Ehrung durch die Soroptimisten mehr als verdient hatte, zeigte sie bei einem Klaviervorspiel zusammen mit ihrer ihrer Mutter Elena.
Qualitativ konnte da das gemeinsame Abschlusslied „We are the champions“ zwar nicht mithalten, aber es war dennoch eine Freude, die 109 Abiturienten noch einmal gemeinsam auf der Bühne zu sehen.