Seeon-Seebruck – Neue Wohnformen anzubieten und dabei den dörflichen Charakter zu erhalten, erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl. Auch die Voraussetzungen müssen stimmen, um ein, wie in Ischl in der Gemeinde Seeon-Seebruck geplantes, zukunftsweisendes Wohnbauprojekt umzusetzen. Was die Gemeinde genau vor hat, darüber wurde die Bevölkerung im Bürgersaal in Truchtlaching informiert.
Um für den circa 80-Seelenort Ischl eine Bauleitplanung aufzustellen, um Baurecht für Familien zu schaffen, darüber wird in der Gemeinde schon seit geraumer Zeit diskutiert. Ausgangspunkt der Debatte war das im Besitz der Gemeinde befindliche Grundstück mit dem ehemaligen „Harrecker-Anwesen“ und Bundwerkstadel. Die Planung sieht vor, in das bestehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude neun Wohnungen einzubauen. Der dazugehörige, denkmalgeschützte Bundwerkstadel soll künftig Vereinen als Lagerstätte zur Verfügung gestellt werden. Auf dem freien Grundstück sind zwei weitere Wohnhäuser vorgesehen. Ein Vier- und ein Sechs-Familien-Haus. In das Gesamtensemble soll auch ein sogenannter Parkstadl integriert werden, in dem man sich auch eine zentrale Energieversorgung für die Wohngebäude vorstellen könnte.
Die Gemeinde müsse den veränderten gesellschaftlichen Änderungen Rechnung tragen, sagte Bürgermeister Ruth. „Die Landwirtschaft ist nicht mehr da, der Wohnungsmarkt ist leer gefegt.“
Das Ergebnis stellte Projektplaner Franz Blüml aus Tittmoning vor. Nachdem sich das Gewölbe des ehemalige Stalles in einem desolaten Zustand befindet, soll dieser Teil, der später als Garage dienen soll, neu aufgebaut werden. Hingegen müsse das Mauerwerk der Wände des Wohnhauses lediglich saniert werden, so Blüml.
Insgesamt neun Drei- bis Vier-Zimmermietwohnungen zwischen 70 und 130 Quadratmeter sollen entstehen. Das Vier-Familien-Haus wurde bereits einer Familie versprochen, die dringend mehr Wohnraum benötigt. Wie das Sechs-Familien-Haus am Ende verwertet wird, lässt sich der Gemeinderat zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Ruth betonte aber, dass das Gesamte Quartier auf jeden Fall im Eigentum der Gemeinde bleibe.
Wie Ruth erklärte, soll zunächst das Hofgebäude saniert und ausgebaut werden. Ein konkreter Baubeginn wurde nicht genannt. Die zwei Neubauten sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden.
Dass sich durch das Projekt das Dorfbild verändern wird, verschwieg Ruth nicht. „Es wird eine Veränderung geben“, räumte er ein. Aber das Vorhaben biete die einmalige Chance, bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Als Eigentümer des Grundstücks könne die Gemeinde das staatliche Wohnraumförderprogramm in Anspruch nehmen und möchte dies auch tun, teilte Ruth mit. Die Förderung liegt bei 30 Prozent.
Auszugehend von insgesamt 19 Wohnungen ist in dem Kirchendorf ein nicht unerheblicher Zuzug zu erwarten. Diese Tatsache beschäftigte vor allem die Ischler Bürger. Sie befürchten, dass die Infrastruktur durch ein weiteres Bevölkerungswachstum dafür nicht ausgelegt ist. Ein anderer Besucher bedauerte, dass der Stadl nicht für Wohnzwecke genutzt wird. Zweite Bürgermeisterin Martha Gruber (FW) versuchte, die Gemüter zu beruhigen: „Wir müssen auch an unsere Kinder und Enkelkinder denken“, sagte die Vizebürgermeisterin. Wichtig sei es, die Leute im Vorfeld einzubinden, um an einem Strang zu ziehen. Dem wurde man laut Bürgermeister Ruth mit einer ersten Vorstellung des Projekts jetzt auch gerecht.