Prien – Mit „Frau Holle“ bringt das „Kleine Theater Prien“ einen Märchenklassiker mit Witz und Charme auf die Bühne des Priener Chiemseesaals. Nach der erfolgreichen Premiere am vergangenen Sonntag wird es am kommenden Wochenende noch drei Vorstellungen geben. Leise Glockenmusik ertönt, dann geht der Vorhang auf. Maria (Anna Gelder) kommt mit einem Reisigbesen auf die Bühne gestürzt, gefolgt von ihrer Stiefmama Frau Steiner (Gaby Pfündl). „Jetzt feg hier doch endlich mal!“, befiehlt die herrische Steiner ihrer Stieftochter, bevor sie schimpfend von dannen zieht.
So beginnt die Premiere des Theaterstücks „Frau Holle“, das das „Kleine Theater Prien“ zurzeit aufführt. Es ist ein besonderes Jahr für den Verein, denn er feiert heuer 35 Jahre Jubiläum. Das Weihnachtstheater hat besondere Tradition, denn in den 35 Jahren gab es nicht eins, in dem kein Theater zum ersten Adventswochenende stattgefunden hätte, meint Pressesprecherin Verena Stephan.
Zum Jubiläum überreicht Horst Rankl, Präsident des Verbandes Bayerischer Amateur-Theater, den „Frau Holle“-Regisseurinnen Maria Höhensteiger und Steffi Krahl eine Urkunde und gratuliert. Mit den Worten „Im Theater lernt man nie aus“ schenkt er dem Team vom „Kleinen Theater“ außerdem noch einen Gutschein für Schauspielseminare, die von dem Verband ausgerichtet werden.
Verena Stephan, die schon seit gut 25 Jahren im Theater mitwirkt, erklärt, dass es sich um ein Generationentheater handelt. Das macht auch den Charme des ganzen Theaters aus, dass „wir diese Altersspanne haben“. Auf die Frage der Chiemgau-Zeitung nach den Auswahlkriterien für das Stück, antwortet Stephan, dass der Vorstand und die Regie sich im Frühling für eine lustige Version von „Frau Holle“ entschieden haben. Dieses Stück sei ein Klassiker und außerdem nicht altbacken. Es würde aber der ganze Verein bei der Suche miteinbezogen werden, jeder könne Vorschläge abgeben. „Wir wollten im Jubiläumsjahr die Möglichkeit schaffen, dass so viele wie möglich beim Weihnachtsstück mitspielen können“, so Stephan. Seit August probt das Team im Atrium in Prien, damit für die Premiere im November alles sitzt. Insgesamt 13 Sprechrollen gibt es, zusätzlich noch drei tanzende „Verwandlungsgeister“. Doch auch hinter den Kulissen ist man natürlich nicht untätig. Von der Souffleuse über Licht und Technik bis hin zur Maskenbildnerin gibt es vor und während der fast zweistündigen Aufführung unzählige Aufgaben zu meistern.
Der Märchenklassiker wird von den beiden Regisseurinnen mit Witz und Charme inszeniert. Nicht selten lacht das Publikum, zum Beispiel, wenn der trotzige Sohn Franz (Hannah Reilhofer) vom reichen Kaufmann Rabenau (Bernhard Braun) mal wieder sein Desinteresse an dem hübschen Mariechen (Evelyn Rupp) demonstriert, da er lieber die Welt bereisen möchte. Mariechens Stiefschwester Maria, die von Mutter Steiner ständig zum Arbeiten verdonnert wird, muss auf deren Befehl hin in den tiefen Brunnen springen und die hineingefallene Spindel heraufholen. Doch anstatt zurückzukommen, wie zum Beispiel des Schusters Sohn Max (Klaus Gelder) hofft, bleibt Maria verschwunden.
Sie ist im Land von Frau Holle (Johanna Winzek) gelandet, hoch über den Wolken. Um dies zu zeigen, werden auf der Bühne weiße Wolken aus Holz aufgebaut. Die liebenswürdige Maria tut alles, was Frau Holle von ihr im Austausch zu Kost und Nachtlager verlangt: Sie holt die Brote aus dem sprechenden Backofen (Rainer Winzek) und bedankt sich artig bei ihm. Die Verwandlungsgeister (Sophia Winzek, Magdalena Scheck und Emmi Pfündl) schwirren mit bunten Farben im Gesicht bei Schwarzlicht und einer funkelnden Diskokugel um Maria herum und zaubern ihr aus dem Gold einen Mantel. Anders ergeht es der Pechmarie. Schuster Ruben (Alexander Weikert) hilft ihr, das Pech von ihrem Kleidchen zu bekommen, während die zwei Dorfbewohnerinnen Frau Hübner und Frau Koller (Karin Kleemann und Sabine Stoib) sich bei Dr. Isenbart (Christian Wimmer) über seine neuartige Medizin beschweren.