Bürger üben sich als Städteplaner

von Redaktion

Siegsdorf – Mit großem Interesse nahmen Bürger an der Begehung des Siegsdorfer Ortskerns mit anschließendem Ideenworkshop teil. Ein erstes Ergebnis: Den Siegsdorfern „stinkt“ der Verkehr.

Auf großes Interesse bei den Bürgern stieß die Einladung der Gemeinde Siegsdorf zu einer Ortsbegehung mit anschließendem Ideen-Workshop zur Weiterentwicklung und Gestaltung der Ortsmitte. Bei schönstem Wetter trafen sich über 80 Teilnehmer aller Altersgruppen auf dem Kirchplatz, um mit den Städteplanern die nostalgischen Standorte im Ortskern zu besichtigen und sich mit ihren Ideen und Ansichten in den Planungsprozess einzubringen.

Vorschläge und
Beiträge gesammelt

In zwei Gruppen besichtigte man mit dem Kardinal-von-Faulhaber-Platz, dem Bahnhofsvorbereich, der Abzweigung Hauptstraße/Ruhpoldinger Straße, dem „Dorfeingang“ vor dem Feilhaus sowie einigen Bereichen der Hauptstraße die vorrangigen Planungsschwerpunkte. Vertreter der Büros stellten dazu ihre Sicht auf historische und städtebauliche Gegebenheiten dar und hörten sich die Probleme und Entwicklungsvorschläge der Bürger an. Bei der Einführungspräsentation in der Aula der Mittelschule informierte das Planerteam über die bisher erfolgten Arbeitsschritte und stellte die Inhalte ihrer Machbarkeitsstudien im Rahmen des Interkommunalen Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (IKEK) für Siegsdorf vor.

Im anschließenden Workshop konnten die Teilnehmer dann ihre Erkenntnisse aus dem Ortsspaziergang einbringen, die Planer sammelten die Vorschläge und Diskussionsbeiträge.

Eine Gruppe beschäftigte sich dabei mit dem Thema „Öffentlicher Raum und Verkehr“. Hier kristallisierte sich heraus, dass der Pkw- und Schwerverkehr im Ort eine hohe Belastung für die Anwohner darstellt und mit den aktuellen Baumaßnahmen an der Ruhpoldinger Straße eine weitere Zunahme des Verkehrs befürchtet wird.

Die Vorschläge drehten sich meist um Verkehrsberuhigung wie etwa eine Tempo-30-Zone entlang der Hauptstraßen, bessere ÖPNV-Angebote, bauliche Maßnahmen zur Anpassung der Geschwindigkeit, Einbahnstraßenregelungen und striktere Verkehrsüberwachung. Auch wurden schmale Fußgängerwege und eine fehlende Verkehrsregelung für Radfahrer sowie die Aufteilung und Anzahl der Parkplätze im Ortskern bemängelt.

Auch beim Thema „Bebauung, Nutzung und Grünstruktur“ stand das Parken im Innenbereich ganz oben auf der Problemskala. Verschiedenste Ansichten und Lösungsmöglichkeiten zur künftigen Gestaltung des Kardinal-von Faulhaber-Platzes reichten von Abriss und Neubau aller gemeindlichen Gebäude, bis zu Sanierung und intensiver Nutzung durch Gastronomie, Geschäfte und dem Bau einer Tiefgarage für ausreichende Parkmöglichkeiten rund um Friedhof und Festsaal. Auch für das zu überplanende Areal zwischen dem FFW-Gerätehaus und dem Bahnhof gab es unterschiedlichste Vorschläge. Man konnte sich Handel, Dienstleistung und Gewerbe ebenso vorstellen wie einen Drogeriemarkt, einen Markt- und Veranstaltungsplatz oder weitere Parkflächen. Bei der Zusammenfassung und Diskussion wurde die Belastung der Siegsdorfer durch den Verkehr noch einmal deutlich. Für viele Bürger wären eine Verminderung des Pkw- und Schwerverkehrs, die Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer, sowie ein Ausbau des ÖPNV Voraussetzung für eine sinnvolle künftige Ortsgestaltung. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Km/h in den Ortsdurchfahrten war für viele vorstellbar.

Von bisherigen
Plänen enttäuscht

Weitere Fragen gab es zu Zahlen und Erhebungen hinsichtlich der Parkflächen und ihrer tatsächlichen Nutzung durch Dauer- oder Kurzzeitparker, wobei sich die Planer auf das Verkehrskonzept der Gemeinde von 2017 beriefen, in dem dies jedoch unzureichend untersucht worden war.

Zusammenfassend waren Ortsspaziergang und Ideensammlung nach Ansicht vieler Teilnehmer zwar ein kleiner Baustein in Richtung eines lebenswerten Ortskerns von Siegsdorf, die bisherigen Planungsvorschläge für die meisten eher enttäuschend. Neben guten Ideen und verantwortungsvoller Planung wird wohl auch ein Umdenken in der Gesellschaft hinsichtlich des Verkehrsverhaltens notwendig sein, um die Probleme in Siegsdorf in den Griff zu bekommen.

Bürgermeister Thomas Kamm zeigte sich angetan von der regen Teilnahme und verwies auf die Vorbereitung einer Tempobeschränkung zwischen dem Kreisverkehr an der Traunbrücke und dem Kreisverkehr am Sparzer Weg.

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