Heimat für eine neu gedachte Zukunft

von Redaktion

Neubauten auf dem Campus St. Michael schreiten voran – 45-Millionen-Euro-Projekt

Traunstein – Mit dem Schöpfungsgarten und dem Reparaturcafé sowie dem „Festival der Utopie“ hat der Campus St. Michael in Traunstein Wegmarken für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung gesetzt. Jetzt nimmt das Areal auf der Wartberghöhe auch äußerlich neue Gestalt an: Nach dem Abriss eines Wohngebäudes aus den 1970er-Jahren wird dort bis Ende 2023 ein komplett neues Bildungsforum in innovativer Lehmbauweise entstehen.

Wegweisende Ideen nehmen Gestalt an

Es beherbergt Platz für verschiedene Campuspartner sowie Arbeits- und Veranstaltungsräume und eine integrative Cafeteria. Dazu kommen ein Neubau des Kindergartens St. Oswald sowie ein neuer Wohntrakt für die Schüler des Studienseminars.

Angelehnt an die Papst-Enzyklika „Laudato sì“ will der Campus als ganzheitlich orientierter und vernetzter christlicher Bildungsstandort die Themen Persönlichkeitsbildung, Nachhaltigkeit und Schöpfungsspiritualität im Sinne einer positiven Zukunftsgestaltung miteinander verbinden, erklärte Dr. Sandra Krump. Sie ist Vorsitzende des Stiftungsrats des Erzbischöflichen Studienseminars St. Michael und Ressortleiterin Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat. Bei der Präsentation der Pläne drückte sie ihre Freude darüber aus, „dass die wegweisenden Ideen in den Gebäuden jetzt Gestalt annehmen und auch im Außengelände buchstäblich begreifbar werden“.

Wolfgang Dinglreiter, Stiftungsdirektor und Leiter des Studienseminars, machte deutlich, dass das Studienseminar 1929 gegründet worden sei, um jungen Menschen im Sinne einer christlichen Wertehaltung Bildungs- und Lebenschancen zu eröffnen. Dies werde nun ergänzt „durch die Zukunftsorientierung des Campus St. Michael, der die Bewahrung der Schöpfung und der Lebensgrundlagen als zentrale Herausforderung und Bildungsaufgabe des 21. Jahrhunderts sieht“. In konkreten Projekten und Angeboten könnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfahren und ausprobieren „wie nachhaltiges Leben und Wirtschaften aussehen kann“. Aktuell geschehe dies bereits durch die Mitarbeit im Schöpfungsgarten oder Reparaturcafé, durch Bildungsangebote zur Gemeinwohlökonomie und zum „enkeltauglich leben“ oder der Weiterbildung von Schülern zu Umweltauditoren. Die Verbindung von Ökologie, Ökonomie, Soziales und Spiritualität seien thematisch die Säulen, auf denen der neue Bildungscampus ruht, ergänzte Dinglreiter. Der Mehrwert liege dabei auf der Vielfalt der 16 kirchlichen und nichtkirchlichen Partner, die die Vision einer zukunftsorientierten Bildung, Beratung und Begleitung teilen, und durch die Vernetzung Projekte und Ideen realisieren zu können, die allein nicht möglich wären.

Wie Lehm als Naturbaustoff das Forum zu einem inspirierenden Denk-, Lern- und Begegnungsort des Mitgestaltens machen kann, zeigte die Architektin Anna Heringer aus Laufen. Sie hat die Konzeption und gestalterischen Leitgedanken für den Campus entwickelt und setzt diese nun mit weiteren Partnern um. Für ihre Entwürfe in nachhaltiger Bauweise wurde sie 2011 international ausgezeichnet.

Als innovatives Lehmbau-Projekt in Stützbauwiese könnte das Campus-Forum in Traunstein sogar bundesweit neue Maßstäbe setzen, sagte Heringer.

Neue Maßstäbe mit Lehmbau setzen

Wie sie erklärte, sei Lehm zu Unrecht als „Baustoff der Armen“ verschrien. Als Aushub sei dieser überall regional und nachhaltig verfügbar und biete durch entsprechende Verarbeitung auch in unseren Breitengraden gut Schutz vor Regen und Kälte. Für die Realisierung des Gesamtprojekts, das auch die Sanierung der Altgebäude mit einschließt, sind rund 41,5 Millionen Euro eingeplant.

Zusätzliche 4,2 Millionen Euro sind für den Neubau des vierzügigen Kindergartens St. Oswald auf dem Campusgelände veranschlagt. Er soll bereits im Herbst 2021 in Betrieb gehen. Der Bau des Seminargebäudes für 50 Bewohner soll von kommenden Sommer an bis Frühjahr 2022 dauern. Die Realisierung des Forumbaus soll ab Sommer 2020 in gut zwei Jahren umgesetzt werden. Bis Ende 2023 sollen auch die Umgestaltung der Außenanlagen und die Altbausanierung abgeschlossen sein.

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