Traunstein – 21 Berufsschüler, die in Traunstein ihre Ausbildung in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau absolvieren, haben im Rahmen eines Praxistages im Stadtbereich Traunstein Obstbäume gepflanzt. In Reichsberg auf einem Grundstück der Familie Reischl soll eine neue Streuobstwiese entstehen. Die Schüler pflanzten hier acht Hochstammbäume. Um die gleiche Zahl von Bäumen wurde nur wenig weiter eine Streuobstwiese vergrößert, die vor zwei Jahren ebenfalls von Berufsschülern angelegt worden war und auf der damals 40 Bäume gepflanzt worden waren.
Manschetten und
Wühlmauskörbe
Wenn die neu heranwachsenden Obstbäume in etlichen Jahren erstmals Früchte tragen werden, dann sollen diese in der benachbarten Obstpresserei Berger zu Saft bzw. Obstbränden verarbeitet werden.
Die beiden Maßnahmen sind Teil mehrerer Streuobstpflanzungen des Landschaftspflegeverbandes Traunstein (LPV) in diesem Herbst. Dabei werden landkreisweit etwa 350 Obstbäume ausgeliefert, davon rund 200 mit Förderung über die Landschaftspflegerichtlinie des Freistaats Bayern. Der LPV bekommt 70 Prozent der Materialkosten, die verbleibenden 30 Prozent übernimmt er aus Eigenmitteln. So stellt er den jeweiligen Grundstücksbesitzern kostenlos Bäume, Baumpfähle, Verbissschutzmanschetten und bei Bedarf Wühlmauskörbe zur Verfügung. Ziel jeder Pflanzaktion sind die Ergänzung oder Neuanlage von Streuobstwiesen, die ein charakteristisches Element im Landschaftsbild darstellen und Zentren der Biodiversität sind. Forscher haben auf alten Streuobstwiesen über 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten gefunden.
Neben praktischen Inhalten der Obstbaumpflanzung, wie richtige Pflanzhöhe, Einbau des Wühlmauskorbes und fachgerechter Pflanzschnitt, bekommen die Schüler auch die Hintergründe der Pflanzaktion vermittelt.
Die beiden Berufsschullehrer Klaus Herold und Manfred Meier führten in der Vergangenheit regelmäßig derartige Praxistage in Zusammenarbeit mit dem LPV durch, sodass die Betreuer ein eingespieltes Team sind.
Ein wichtiges Anliegen ist die Verwendung alter und teils seltener Sorten, die an die klimatischen Verhältnisse im Voralpenland angepasst und wenig krankheitsanfällig sind. So wurden in Reichsberg beispielsweise die Apfelsorten Biesterfelder Renette und Theuringer Winterrambur gepflanzt sowie die Bayerische Weinbirne und die Adlerkirsche. Damit wird ein Beitrag zum Erhalt dieser Sorten geleistet, die im Erwerbsanbau keine Rolle spielen. Früher, so hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft recherchiert, habe es allein in Bayern etwa 1200 Apfelsorten gegeben; heute sind weltweit nur noch 30 bis 60 Sorten im Handel.
Die nächste landkreisweite Obstbaumpflanzaktion des Landschaftspflegeverbandes Traunstein soll im Herbst 2020 stattfinden. Interessenten, die eine Streuobstwiese anlegen oder durch Nachpflanzungen ergänzen wollen, können sich bis Mai 2020 in der Geschäftsstelle des LPV bei Carsten Voigt telefonisch unter 0861/58393 oder per Mail unter Voigt.LPV@ Traunstein.Bayern melden.