Rottau – Gesund essen und trinken – so einfach ist Katharina Grubers Rezept für Gesundheit im hohen Alter. Stimmen muss es, schließlich feierte die Rottauerin jetzt ihren 104. Geburtstag. Damit ist sie die älteste Gemeindebürgerin. Gefeiert wurde mit Familie und Freunden, aber auch Bürgermeister Rudi Jantke überbrachte der rüstigen Rentnerin die Glückwünsche der Gemeinde und des Ministerpräsidenten.
1915 kam die Jubilarin als Tochter eines Metzger- und Gasthausbesitzers in Saarbrücken zur Welt. Nach der Schulzeit half sie im elterlichen Betrieb mit, ehe die junge Städterin im Alter von 21 Jahren in Marquartstein landete, wo sie sich als Kinder- und Hausmädchen bei einem Zahnarzt und einer Damenschneiderin ihren Lebensunterhalt verdiente.
Wegen der Liebe zu ihrem Andreas, den sie in einem Lokal kennengelernt hatte, blieb sie im Achental. 1939 wurde geheiratet und im Gruber-Anwesen gefeiert. „Die Schwiegereltern wollten es so“, erklärt sie. Auf dem großen Anwesen mit Mühle und Landwirtschaft gab es immer viel Arbeit. Nach der Hochzeit übergab der Schwiegervater den Hof an seinen Sohn Andreas. Wie das Geburtstagskind erklärt, dachte damals der Schwiegervater, dass der Sohn dann vom Militärdienst befreit wäre und zu Hause den Hof bewirtschaften kann. Eigentlich musste der dritte Sohn nicht einrücken. Doch kurze Zeit nach der Hochzeit wurde auch Andreas Gruber zum Kriegsdienst einberufen.
Die junge Frau musste fortan die Aufgaben ohne ihren Mann, aber mit Hilfe ihrer Schwiegereltern bewerkstelligen. „Wir hatten 38 Rindviecher, sechs Pferde und viel Land zu bewirtschaften. Dazu kam noch das Sägewerk. Nur ein alter Pferdeknecht blieb auf dem Anwesen“, erinnert sie sich.
Schwierig war die erste Zeit in Rottau, denn als Städterin hatte sie keinen leichten Stand in dem Dorf und wurde zunächst auch nicht anerkannt.
Nach dem Krieg, so berichtet sie, gab es keine Arbeiter mehr. Die fehlenden Kräfte wurden durch Gefangene ausgeglichen. Gut sei ihr Verhältnis zu den Kriegsgefangenen gewesen. An lustige, aber auch an schwierige Episoden aus dieser Zeit kann sich die geistig sehr fitte Seniorin erinnern.
Zwei Kinder bekam das Ehepaar. 68 Jahre waren die beiden verheiratet, doch seit 13 Jahren ist sie nun Witwe und wird von der Familie in ihrer eigenen Wohnung liebevoll umsorgt.
Nur das Gehen fällt ihr schwer. Mit Stock und Rollator ist sie dennoch mobil, und bei weiteren Spaziergängen hilft der Rollstuhl. Das hohe Alter ist der Seniorin nicht anzusehen.
TV und Lesen strengt an: lieber unterhalten
Lesen kann sie nur mehr die Überschriften in der Zeitung, und auch das Fernsehen strengt sie an. Viel lieber unterhält sie sich, und daher ist Besuch immer erwünscht. Auch das Interesse an der Gemeindepolitik ist noch da, und so erkundigte sie sich bei Bürgermeister Jantke nach den Wahlen.
Die Käthe, wie Familie und Freunde sie nennen, achtet sehr auf ihre Ernährung. So gibt es seit über 60 Jahren gesundes Müsli und ein Stück Obst zum Frühstück. Lediglich sonntags gönnt sie sich eine Scheibe Vollkornbrot mit Quark, Marmelade oder Honig, darauf ein paar Nüsse und dazu eine Tasse koffeinfreier Kaffee. Auf Süßes, so erzählt sie, verzichte sie vollständig. Jeden Tag genießt die älteste Gemeindebürgerin vom Balkon aus den Blick über das Dorf und erfreut sich an der schönen Natur. In ihrem gemütlichen Zuhause, das bereits weihnachtlich dekoriert ist, fühlt sie sich sehr wohl.