Bergen – Es wird kaum jemanden geben, der sich an einem schönen ruhigen Wasserlauf beim Spazierengehen nicht erfreut. Zugleich wird sich jedoch kaum jemand Gedanken machen, welches Engagement hinter den kleinen dahin plätschernden Wasserläufen vor der Haustür steckt. Für den Erhalt und die Entwicklung der sogenannten Gewässer der dritten Ordnung sind die Kommunen und die Wasser- und Bodenverbände zuständig. In Bayern gibt es rund 90000 Kilometer dieser Gewässer dritter Ordnung.
Eine Vielzahl von
Gräben vor Ort
Zum Nachbarschaftstag für den Landkreis Traunstein hatte die Beraterin Monika Leiser nach Bergen ins Rathaus geladen. Der Gewässer-Nachbarschaftstag bietet die Möglichkeit, dass Akteure vor Ort ihr Wissen und ihre Erfahrungen rund um die Gewässerunterhaltung mit den Fachleuten und Experten austauschen.
Bevor es die verschiedenen Fachvorträge der Experten gab, richtete Bürgermeister Stefan Schneider ein Grußwort an die teilnehmenden Praktiker aus den Kommunen und Verbänden. Bergen habe sehr viele Gräben wie zum Beispiel durch das Bergener Moos. Diese kleinen Gewässer tragen auch einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserrückhalt bei.
Als weitere Herausforderung sieht Schneider beim Hochwasserschutz das schnell abfließende Oberflächenwasser bei Starkregenereignissen und den damit immer wieder verbundenen Sturzfluten. Hier müsse gesagt werden, dass es auch durch Schutzmaßnahmen, die meist mit hohen Kosten verbunden seien, keine absolute Sicherheit geben werde.
Er, so Schneider, sehe es eher problematisch an, wenn für den Flächenausgleich die Felder der praktizierenden Bauern in Anspruch genommen würden. Auch die Landwirte stünden unter Druck. Darum wären Projekte, wie sie am Bergener Bach angedacht seien, sehr sinnvoll. Bei dem angesprochenen Projekt könnten auf Privat- und Gemeindeflächen strukturelle Maßnahmen umgesetzt werden. Bei der Planung solcher Projekte merkte Schneider an, dass es hier nur wenige Planungsbüros gebe und die bürokratischen Vorgaben in dieser Situation bei der Realisierung nicht förderlich seien. Die besagte Fläche mit dem Bachlauf wurde nach den Vorträgen besucht.
Auf die Richtlinien für Zuwendungen und Förderung von wasserwirtschaftlichen Vorhaben, die ohne Zuwendungen nicht oder nicht im notwendigen Umfang durchgeführt werden könnten, ging Miriam Renner vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein in ihrem Vortrag ein.
Der Landwirt und Berater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, Rupert Brandmayer, zeigte den hohen Stellenwert von Gewässerrandstreifen für die Erhaltung der Wasserqualität auf. Die Themenfelder Naturschutz, Unterhaltung Gewässer dritter Ordnung, Gewässerrandstreifen, Sturzfluten und Risikomanagement, Hochwasserrisikomanagement und Bachpatenschaft behandelte die Nachbarschaftsberaterin Leiser.
Lehrbaustelle
wird gefördert
Bei der Exkursion an den Bergener Bach wurden die Maßnahmen vorgestellt. Wobei der Bergener Bach insgesamt eine gute Wasserqualität aufweist, jedoch die Struktur des Baches verbesserungswürdig wäre. Beim Bergener Bach handelt es sich um ein begradigtes Gewässer.
Ein Stück westlich flussabwärts nach der Kläranlage liegen die Flächen, die durch strukturelle Maßnahmen ökologisch aufgewertet werden sollten. Durch eine Auflockerung des Ufers könnte die Vielfalt in der Struktur verbessert werden, was der Artenvielfalt enorm zugutekommen würde. Diese Arbeiten könnten durch eine sogenannte Lehrbaustelle mit Auszubildenden und eventuell auch Studenten realisiert werden. Die Maßnahmen könnten gefördert werden.