Der Zauber eines alten Brauchs

von Redaktion

Barbarazweige zum 4. Dezember sind nach wie vor gefragt – Umfrage in Blumenläden

Prien – Alte Bräuche haben so ihren Reiz, vor allem dann, wenn sie in der kalten Jahreszeit Farbe bekennen: Traditionell werden am 4. Dezember kahle Barbarazweige in lauwarmes Wasser gestellt. Um Weihnachten herum, stehen die Knospen dann in voller Blüte. Eine Umfrage bei den umliegenden Blumenläden in Prien zeigt: Barbara-Zweige sind durchaus noch gefragt –wenn auch eher von älteren Leuten. Der 4. Dezember ist der Tag, an der man der heiligen Barbara gedenkt.

Vor allem ältere Leute
schätzen das Ritual

Gerade in der Adventszeit stellen sich die Leute gerne etwas Blühendes ins Haus, schildert Veronika Kuhn, Inhaberin des Blumenladens „Blumen-Handwerk Prien“. Seit Freitag hätte sie etwa 20 Bündel Kirschzweige im Geschäft gehabt. „Die Kirschzweige werden gekauft, weil sie etwas Besonderes sind“, sagt Veronika Kuhn. Sie blühen so schön auf und werden zu weißen oder rosafarbenen Farbtupfern. Die Nachfrage sei „definitiv da“.

Morgen haben
Barbaras Namenstag

Viele ihrer Kunden, die Barbarazweige kaufen, seien ältere Herrschaften, die jedes Jahr wieder kommen. Manche kaufen die Zweige für sich selbst, viele werden aber auch verschenkt – vor allem an Barbaras, die am 4. Dezember ihren Namenstag feiern.

Dass die Zweige auch in Rothers Blumenladen in Prien parat stehen, wissen die langjährigen Kunden zu schätzen. Nicht ohne Grund: Meisterfloristin Heike Schouten ist mit ihrer Kundschaft auf einer Wellenlänge.

Für sie sei der Brauch einfach schön und findet: Den sollte man aufrechterhalten. Auch bei ihnen im Laden würden vorwiegend ältere Kunden Barbarazweige kaufen. Die Kirschzweige hätten sie immer schon vor dem 4. Dezember im Laden. „Übrig bleibt eigentlich nie was“, so Schouten. „Ich glaube, dass der alte Brauch schon noch lebt, aber diejenigen kaufen die Zweige nicht bei mir im Geschäft, sondern schneiden sie selbst im Garten ab“, sagt Anton Hillinger, Inhaber vom Blumenladen „Blütezeit“ in Prien.

Von einem Trend würde er deshalb nicht sprechen. Gezielte Nachfragen gebe es – aber nur von ganz wenigen Kunden, sagt Hillinger. Eine kleine Auswahl an Kirschzweigen habe er trotzdem immer auf Lager. Die erste Lieferung habe er am Dienstag erhalten. Eignen würden sich übrigens auch andere Obstzweige wie zum Beispiel Quittenzweige oder auch Forsythienäste, erklärt Hillinger. Wichtig sei nur, dass man den ersten Frost abwarte. Erst dann könnten die Knospen richtig schön aufblühen, betonen die Blumenexperten einhellig.

Brauchtum wird
wieder geschätzt

Veronika Kuhn habe bereits einige Zweige verkauft. An einen Herren, der jedes Jahr wiederkomme. Das sei schön zu beobachten, findet die Floristin und lächelt. Sie arbeite schon seit einigen Jahren im „Blumen-Handwerk Prien“ und ihr Resümee lautet: „Das Brauchtum wird wieder geschätzt.“ Bei sich zuhause stelle sie auch Barbarazweige auf den Tisch: Forsythienzweige aus dem eigenen Garten. „Die bringen Glück und Segen im neuen Jahr.“ Aber nicht nur diesen Brauch kennt die Floristin, sondern auch einen weiteren: Unverheiratete Frauen, die sich zwischen mehreren Liebhabern nicht entscheiden können, sollen für jeden Liebhaber einen Zweig in eine Vase stellen und diesen nach ihnen benennen.

Der Zweig, der als erstes erblüht, soll der richtige Liebhaber für die Dame sein, erklärt Kuhn. Diesen Brauch fände sie besonders schön. Und nur sehr wenige würden ihn kennen.

So klappt’s mit Blüten zu Weihnachten

Wer sich Zweige aufstellen möchte, der sollte einige Punkte beachten: Die hölzernen Stiele müssen mit einem Hammer angeklopft werden, verrät Veronika Kuhn. Dadurch werden die Leitungsbahnen freigemacht und die Zweige können mehr Wasser aufnehmen. Wahlweise könne man auch mit einem Messer die Stiele „schräg anschneiden“. Aber auf keinem Fall sollte man dafür eine Schere nehmen. Anschließend werden die Zweige in lauwarmes Wasser gestellt. Dieses sollte man alle drei Tage wechseln. Grund dafür ist die Gerbsäure. Mit der Zeit würden sich nämlich viele Bakterien im Wasser bilden. Zu guter Letzt müsse man dann nur noch warten, bis die Knopsen Blüten tragen – mit etwas Glück genau an Weihnachten.

Die heilige Barbara und ihre Geschichte

Der Brauch geht auf die heilige Barbara zurück. Der Legende nach lebte Barbara in Nikomedien. Die Heidin wollte zum Christentum konvertieren, weswegen sie von ihrem erzürnten Vater zum Tode verurteilt wurde. Auf dem Weg ins Gefängnis, so heißt es, verhedderte sich ein Kirschzweig in Barbaras Gewand. Sie bewahrte sich diesen Zweig und legte ihn in ihre Trinkschale. Am Tag ihrer Hinrichtung soll der Zweig der Legende nach aufgeblüht sein. Seither wird die heilige Barbara von den Christen am 4. Dezember, genannt dem Barbaratag, als Märtyrerin gefeiert. Sie gilt auch als Schutzpatronin vieler leidenden Menschen und den Bergleuten. Laut Überlieferung zufolge soll sich Barbara in einer Felsspalte vor ihrem Vater versteckt haben. Zudem gilt sie als Beschützerin der Sterbenden und Gefangenen.

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