Grabenstätt –Gelbe Farbtupfer im Achendelta gibt es jetzt erstmals auch im Winter: Seeseitig ist die Grenze des Naturschutzgebietes (Kernzone) mit Bojen abgesteckt. Von Frühjahr bis Herbst sind sie bis dato groß und gelb mit einer aufgesetzten Beschilderung gewesen. Lediglich im Winter waren die Markierungen kleiner, können bei Eisbildung unter die Eisdecke rutschen und werden dadurch nicht beschädigt, sowie „farbloser“. Das ändert sich aber heuer erstmals. Dieses Jahr sind die kleineren Winterbojen nun ebenfalls leuchtend gelb. Somit ist die Kernzone auch im Winter entsprechend der bayerischen Schifffahrtsordnung weithin gut sichtbar gekennzeichnet.
Einzigartiger Lebensraum für Tiere
Die Bojen kommen im Mündungsdelta der Tiroler Achen am Südufer des Chiemsees bei Grabenstätt zum Einsatz. Dieses ist eines der naturschutzfachlich bedeutendsten Gebiete in Bayern. Nicht ohne Grund ist es, zusammen mit den weit nach Süden reichenden Auwäldern entlang der Tiroler Achen, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Zudem bildet das Delta, mit dem Lachsgang im Westen und der Hirschauer Bucht im Osten, die sogenannte Kernzone: Sie bietet einen einzigartigen, ungestörten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und darf nicht betreten werden.
Finanziert wurde die Maßnahme aus Naturschutzmitteln der Regierung von Oberbayern unter Beteiligung des Landkreises Traunstein. Der Tausch von Sommer- und Winterbojen wurde durch Flussarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein bewerkstelligt. Der Gebietsbetreuer für den Chiemsee, Dirk Alfermann, ist dankbar für die tatkräftige Unterstützung und gute Zusammenarbeit: „Damit ist auch in den Wintermonaten die Kernzone bestens gekennzeichnet, denn die gelben Bojen sind bereits aus der Ferne deutlich besser wahrzunehmen. So sollte für jeden Wassersportler auch in der kalten Jahreszeit die Grenze des Schutzgebiets deutlich zu erkennen sein.“ Neben der Kernzone am Achendelta, gibt es weitere ganzjährige Ruhezonen: in Esbaum bei Seebruck, auf der Ostseite der Herreninsel und im Aiterbacher Winkel sowie am Greamandlweiher bei Rimsting. Hier bittet Alfermann ebenfalls, diese in den Wintermonaten zu respektieren und den Vögeln die dringend benötigte Ruhe zu geben. Bei Nichtbeachtung der Markierung droht eine Geldstrafe – je nach Sachlage bis zu mehreren Tausend Euro.
In der Vergangenheit gab es zum Leidwesen der Wasservögel immer wieder Störungen, insbesondere durch Kanufahrer. Aber gerade in den Wintermonaten ist die Kernzone für eine Vielzahl von Wasservögeln ein bedeutender Rückzugsraum.
Bei vielen der Vögel handelt es sich um Tiere, die aus Nordosteuropa zu uns an den See ziehen, um hier den Winter zu verbringen. Gerade in der kalten Jahreszeit bedürfen sie ausreichender Ruhe.
Werden sie durch Störungen aufgeschreckt, verbrennen sie unnötig wichtige Energiereserven. Die ist zum Beispiel auch bei Singschwänen der Fall. Die ersten „Wintergäste“ aus Skandinavien sind bereits am Chiemsee angekommen. Sie verbringen in geringer Stückzahl vor Ort die kalte Jahreszeit.