Zwischen Scala und Achentalhalle

von Redaktion

Liedbegleiter Helmut Deutsch gastiert heute Abend in Unterwössen

Unterwössen – Die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung lädt für heute, Donnerstag, zu einem außergewöhnlichen, Liederabend in die neu eröffnete Achentalhalle in Unterwössen: Es ist ein Benefizkonzert, dessen Erlös der musikalischen Nachwuchsförderung im Achental zugute kommen soll.

Vier Sängerinnen und Sänger bieten mit dem Programm „Johannes Brahms: Walzer für Wien – Liebesliederwalzer, Ungarische Tänze und Vieles mehr“ dem musikinteressierten Publikum ein Konzerterlebnis, das ohne Beispiel in der Region ist.

Es singen Stephanie Irányi (Alt), Christiane Libor (Sopran), Tenor Christopher B. Fischer (Tenor) und Stephan Klemm (Bass). Am Flügel beim Unterwössner Konzert sind die Pianisten Asher Fisch, der als Dirigent weltweit tätig ist und unter anderem auch an der Bayerischen Staatsoper arbeitet, und Helmut Deutsch, einer der erfahrensten und bekanntesten Liedbegleiter der Welt.

Professor Helmut Deutsch hat dem Fach „Liedgestaltung“ – das es vorher so nicht gab – einen angemessenen Platz in der Ausbildung an Musikhochschulen verschafft. Helmut Deutsch unterrichtete als Hochschullehrer in Wien, München, Frankfurt und Salzburg; er ist für Konzerte und Meisterkurse international gefragt, unter anderem auch in Japan. Er selbst hatte sich schon früh in seiner künstlerischen Laufbahn dem Lied gewidmet und erkannt, dass es eine wunderbare Aufgabe ist, „den Gesang auf Händen“ zu tragen, das heißt mit seiner Begleitung und Unterstützung am Klavier Sängern und Sängerinnen den besten Platz auf dem Podium zu geben.

So auch der Titel seiner Biografie: „Gesang auf Händen tragen“, erschienen im Frühjahr 2019. Es ist seit Gerald Moores Memoiren „Am I too loud?“ (1962) das einzige Buch, das den Beruf eines Liedbegleiters aus erster Hand vorstellt.

Deutsch arbeitet in zahlreichen Konzertsälen dieser Welt. Er arbeitet mit bekannten Künstlern, unter anderem Hermann Prey, Diana Damrau oder Jonas Kaufmann.

Neben Ihrem Interesse für die Kammermusik steht die Liedbegleitung im Mittelpunkt Ihres Schaffens. Große Gesangskünstler sprechen von Ihnen mit Respekt, ja mit liebevoller Begeisterung. Sind Sie als Duo-Partner eher Steuermann oder Chauffeur? Oder ….?

Als Chauffeur sehe ich mich nicht, schon eher als Steuermann. Am ehesten aber wie ein Dirigent, der begleitet, oft aber auch führt. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen.

Sie sagten einmal, ein Liedbegleiter müsse gut zuhören können. Wie meinten Sie das?

Wie man in jeder Art von Kammermusik ständig auf seine Partner hören sollte, muss man das in starkem Maße auch als Liedbegleiter. Wie viele Proben es auch immer gegeben haben mag, im Konzert ist vieles anders, manchmal im negativen, sehr oft aber auch im positiven Sinne. Die sogenannte „Interpretation“ hängt auch von etlichen äußeren und inneren Umständen ab, kein Konzert gleicht dem anderen in jedem Detail. Da muss man schon ständig sehr wach sein.

Können Sie verstehen, warum Sänger von Ihnen sagen, Sie seien „sehr genau und pingelig“, Sie seien „einer, der gerne den Finger in die Wunde legt“?

Das oberste Gebot für mich ist es, den Willen des Komponisten so weit wie nur möglich zu erfassen. Das gebietet schon der Respekt vor diesen Genies. Die Basis dafür ist aber zunächst einmal das genaue Lesen der Noten mit all ihren zusätzlichen Informationen über Phrasierung, Artikulation und Dynamik, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. In meiner langjährigen Erfahrung wird hier viel gesündigt oder eben einfach schlampig ausgeführt. Da ist es für mich logisch, dass man „pingelig“ sein muss.

Welche Rolle spielen die deutsche Sprache im Kunstlied-Repertoire beziehungsweise die Lied-Kompositionen aus Deutschland in internationalen Konzertprogrammen?

Im Liedrepertoire spielen die Komponisten aus Österreich und Deutschland weltweit die führende Rolle. Liederabende ohne Schubert, Schumann, Brahms, Strauss, Mahler oder Wolf sind äußerst selten.

Sie haben auch Wolfgang Sawallisch, der jahrzehntelang in Grassau im Chiemgau seine Heimat sah, in seiner Wiener Zeit erlebt. Woran erinnern Sie sich noch?

Die Zeit Wolfgang Sawallisch als Chefdirigent der Wiener Symphoniker fällt in meine Jugend, in der ich oft mehr als 100 Konzerte pro Jahr gehört habe. In einer meiner vielen Taschenpartituren steht ein Autogramm von ihm mit dem Zusatz „Alle Neune“ zum Abschluss seines Beethovenzyklus. Aber auch als hervorragenden Pianisten habe ich ihn oft erlebt, zum Beispiel als Begleiter von Hermann Prey.

Interview: Uta Grabmüller

Karten für den Liederabend

Der Liederabend am heutigen Donnerstag in der Achentalhalle („Altes Bad“) in Unterwössen beginnt um 19.30 Uhr. Der Vorverkauf hat begonnen (Tourist Infos Achental und Grassau beziehungsweise www.ticket-scharf.de).

Artikel 1 von 11