Prien – „Ein guter Freund ist mehr wert als aller Ruhm der Welt“ – dieses Zitat, das dem französischen Philosoph Voltaire zugeschrieben wird, bringt die Städtepartnerschaft Priens mit dem südfranzösischen Graulhet zum Ausdruck.
In beiden Kommunen
wird am
15. März gewählt
„Es ist viel mehr als die Pflege einer Partnerschaft, es ist familiär. Von Beginn an habe ich es als Freundschaft empfunden“, richtete der Bürgermeister Jürgen Seifert seine Botschaft an den französischen Amtskollegen Claude Fita. Die Freundschaft wird auch ihre derzeitigen Ämter überdauern, denn kurioserweise werden in beiden Kommunen am 15. März 2020 die Nachfolger gesucht.
Claude Fita freut sich bereits, den dann ehemaligen Bürgermeister Priens privat wieder zu treffen. Von den beiden noch ungewissen Nachfolgern wünscht er sich in 2021 zu hören, dass alles beim heutigen Status quo geblieben sei. Der Begriff der deutsch-französischen Erbfeindschaft beschreibt das feindliche Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen von der Ära Ludwigs XIV. bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Feindschaft zu überwinden und die andere Nation besser kennenzulernen, war 1964 der Wunsch von Schülern einer Priener Landwirtschaftsschule. Sie lernten die Sprache und gingen nach Frankreich, eine Unterkunft in Graulhet wurde ihnen von Baron Rothkirch vermittelt. Der herzliche Empfang legte den Grundstein für die offizielle Partnerschaft, unterschrieben 1971. Dass solche Partnerschaften Pflänzchen sein können, um nie wieder Krieg zwischen zwei Nationen aufkommen zu lassen, davon ist Hans-Rainer Hannemann überzeugt. Er war von 2002 bis 2016 Referent für Städtepartnerschaft der Marktgemeinde Prien. „Für mich ist es extrem wichtig, dass Länder Freundschaften pflegen.“ Seine Nachfolgerin Ida Brömse schwärmt von den Beziehungen zwischen den Menschen, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Die Partnerschaft lebt auch durch Vereine, die sich als ersten Schritt durch ihre Interessen verbinden. Dies ist die Priener Liedertafel mit dem Chor Fiesta aus Graulhet. Oder der Radfahrverein 1893. Vorstand Winfried Kober verrät, dass für 2021 – zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft – wieder die große Tour von Prien nach Graulhet mit dem Velo geplant ist. Die 1450 Kilometer wurden letztmals im Jahr 2001 auf einer sechstägigen Radreise absolviert. „Und manchmal wird daraus sogar die Liebe des Lebens, ein Mitglied unseres Vereins ist in Graulhet verheiratet“, so Kober. Er ist als Französischlehrer des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) Prien für den Schüleraustausch zuständig, der seit 2003 jedes Jahr mit Schülern der kommunalen Realschule und des LTG stattfindet.
Geprägt von
Herzlichkeit
und Freundschaft
Auch für die nächsten Generationen gedacht ist das Angebot der Schwimmvereine Prien und Bernau, die in einem konsequent gelebten Turnus die Jugendlichen mit Sport an die andere Nation und Kultur heranführen. Die ruhigen Weisen des Chiemseewinkl Dreigsangs waren eine Einstimmung zum ersten Advent und eine Möglichkeit für die Gäste aus Frankreich und ihre Priener Begleiter zur Ruhe zu kommen, sie hatten zwei Tage ein vielfältiges Programm erlebt.Sylvia Braun