Landwirte sehen Verbraucher in der Pflicht

von Redaktion

Abgeordneter Klaus Steiner diskutiert mit BBV-Ortsobmännern in Übersee

Übersee – Mit einer Groß-Demonstration in Berlin machten Tausende von Landwirten letzte Woche auf ihre prekäre Lage und wirtschaftliche Situation aufmerksam. Wo die Bauern im südlichen Landkreis der Schuh drückt, diskutierte der CSU-Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner mit Ortsobmännern und dem Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Sebastian Siglreithmayer, im Gasthaus Hinterwirt in Übersee.

Mehr Tierwohl, höheere Preise

Als Mitglied des Umwelt- und Agrarausschusses des Landtags umriss der Abgeordnete aus Übersee die Situation. Angesichts der seit Jahren niedrigen Erlöse für Agrarprodukte wie Milch und Fleisch stehe der Verbraucher in der Pflicht. Wer mehr Tierwohl und artgerechte Haltung fordere, müsse dies auch mit höheren Preisen honorieren.

Immer lauter würden zudem Stimmen für mehr gesetzliche Auflagen, erläuterte Steiner. Nach den Stallmissständen in Bad Grönenbach und der öffentlichen Diskussion über fehlende Kontrollen werden inzwischen im Landtag Forderungen nach einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft erhoben, die Verstöße im Agrarbereich ahndet. Da diese bisher aber nur als Ord-nungswidrigkeiten erfasst werden, könne man problematische Betriebe, die wiederholt gegen Auflagen verstoßen, nicht ohne Weiteres zusperren, erläuterte Klaus Steiner. Stefanie Loider aus Grassau kritisierte, dass das Bienensterben in den Medien verzerrt dargestellt werde. Andreas Aigner aus Marquartstein erklärte dazu, ein Problem sei auch die fehlende Sachkunde vieler Hobbyimker. BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer meinte, dass die fachliche Auseinandersetzung niemanden interessiere, weil es nur um Emotionen gehe. Aufgrund der aus seiner Sicht übertriebenen Auflagen und hohen Investitionskosten würden immer mehr Milcherzeuger aufgeben.

Klaus Steiner ergänzte, dies betreffe auch Bäcker, Metzger und Wirte. BBV-Geschäftsführer Matthäus Michlbauer fügte hinzu, die starke Belastung der Landwirte durch die Bürokratie schlage inzwischen auch verstärkt in der BBV-Geschäftsstelle in Traunstein auf.

Steiner antwortete darauf, dass die Zunahme der Bürokratie ihre Ursache auch in der Absicherungsmentalität der Behörden habe, von denen umgekehrt immer mehr Kontrollen gefordert würden.

Hubert Hell aus Marquartstein zeigte auf, dass es bei ihm im Ort nurmehr vier Landwirte gebe, die Milch produzieren. Einig war man sich dahingehend, dass gerade die kleinteilige Landwirtschaft durch ihren Beitrag zur Landschaftspflege unverzichtbar sei in Tourismusregionen wie dem Achental. Klaus Steiner ergänzte dazu, dass die Regierung in Bayern mit einer Fördersumme von 290 Millionen Euro im Kulturlandschaftspflegeprogramm (KU-LAP) viel für agrarökologische Maßnahmen inves-tiere.

„Zu Hause möchten die Leute die heile Welt am Bauernhof erleben, kaufen dann aber Steaks aus Irland oder Argentinien, wo die Qualität der Haltungsbedingungen eine viel geringere Rolle spielt“, warf Andreas Aigner zum Thema Vermarktung von regionalem Rindfleisch ein. Matthäus Michlbauer wandte dazu ein, wichtig wäre eine Kennzeichnung, wo das Rind gelebt hat, nicht nur, wo es geschlachtet worden ist. Dann könne der Verbraucher gezielter beim Kauf entscheiden. Klaus Steiner erklärte dazu, es sei aus seiner Sicht wichtig, eine Premiumlinie für die Vermarktung aufzubauen.

BBV-Obmann Siglreithmayer brachte die neue On-line-Werbeplattform des Vereins „Unsere Bayeri-schen Bauern“ ins Spiel. Sie soll zum einen über die Produktionsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft aufklären, wie auch neue Vermarktungskanäle eröffnen, nachdem die Vermarktungsgemeinschaft CMA aufgrund finanzieller Fehlentwicklungen eingestellt worden war.

Debatte um Grundwasserschutz

Eine rege Diskussion entspann sich mit Blick auf den Grundwasserschutz auch über die Diskrepanz zwi-schen dem hohen Regulierungsdruck auf Bauern durch die Düngeverordnung einerseits und der weiterhin bestehenden Möglichkeit zur Ausbringung von Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen. Eine längere Auseinandersetzung gab es auch zum Reizthema „große Beutegreifer auf der Alm“, das Pankraz Graf aus Reit im Winkl ansprach und zu gangbaren Wegen für einen klimatauglichen Waldumbau, die Sebastian Siglreithmayer ins Spiel brachte.

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