„Aktiv, bürgernah und sozial motiviert“

von Redaktion

Bürgerversammlung Übersee Kritik an Parkgebühren von einem Euro für Pendler

Übersee –Aktiv, bürgernah, kinder- und investitionsfreundlich sowie sozial hoch motiviert mit starkem Bürgerengagement: Mit diesen Attributen versehen zeichnete Bürgermeister Marc Nitschke in der Bürgerversammlung im Wirtshaus D’Feldwies ein positives Bild der Gemeinde Übersee. Nitschke informierte in seinem 90-minütigen Bericht ausführlich über das Ortsgeschehen und die Gemeindepolitik mit vielen Zahlen, Daten und Fakten. Das künftige Ziel sei es, das zusammen Erreichte erfolgreich weiterzuentwickeln.

„Die Bevölkerungsentwicklung hat sich mit aktuell 5057 Einwohnern auf einen gesunden Stand eingependelt“, sagte der Rathauschef. Der Anteil von rund 15,3 Prozent an Kindern und Jugendlichen, 64 Prozent an Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren und von knapp 21 Prozent an Senioren über 65 Jahren ergebe insgesamt das niedrigste Durchschnittsalter im Achental. „Sehr erfreulich sind bis jetzt 49 Geburten in diesem Jahr, eine Höchstzahl seit vielen Jahren“, so Nitschke.

Er bewertete das als Erfolg des angestrebten Dreiklangs von Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Vor allem das umfassende Betreuungsangebot für Kinder hätte sich zum Standortvorteil entwickelt. Mit sieben Kindergarten- und vier Krippengruppen in fünf Einrichtungen, der Grundschule einschließlich des Erfolgsmodells der Mittagsbetreuung sowie der Ferienbetreuung „Dorfsommerkinder“ sei die Gemeinde bestens aufgestellt.

Auch in Sachen „Finanzen“ sei die Kommune „auf einem exzellenten Weg“, so Nitschke. Alle geplanten Investitionen konnten ohne Kredite umgesetzt und die Schulden mehr als geplant reduziert werden. „Mit 375 Euro haben wir die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung seit Jahrzehnten erreicht.“

Zu den wichtigsten Punkten beim Seniorenwohnen und bei der Seniorenpflege zählte der Bürgermeister den Standort und das Konzept. „Zum Standort Übersee-Ost mit seinen 5000 Quadratmetern gibt es keine zeitnahen Alternativen“, betonte er unmissverständlich. Andere Möglichkeiten, etwa auf dem ehemaligen Deutz-Gelände, seien wegen schwieriger Grundstücksverhandlungen seit geraumer Zeit ins Stocken geraten.

Hinsichtlich des Konzepts habe die kürzliche Sonderbürgerversammlung mit Vertretern des „Domizilium“-Bauträgers viele Fragen aufgeworfen, gab er zu. Die Verhandlungen würden weitergeführt. Das Ziel sei laut klar: „Die Pflege muss im Haus bis Stufe fünf möglich und für jedermann bezahlbar sein.“

Zum Thema „Trinkwasserversorgung“ verteidigte er nochmals den bestandsorientierten Bebauungsplan für Gröben, nach dem dort keine Neu- oder Erweiterungsbauten mehr errichtet werden dürfen. „Das war eine klare Vorgabe für die Ausweisung des dortigen neuen Wasserschutzgebietes, um die langfristige Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern.“

Zum Thema „Verkehr am Chiemseeufer“ erinnerte der Gemeindechef an viele Debatten und etliche umgesetzte Maßnahmen, die nach seinen Worten „an den allermeisten Sommertagen auch funktionieren“. Im vergangenen Sommer hätte es nur an vier Tagen Probleme gegeben. Für diese Engpässe soll nun ein Fachbüro ein Verkehrskonzept erstellen, um langfristige und nachhaltige Lösungen für Einheimische und Touristen zu erarbeiten.

Keine Neuigkeiten lieferte der Bürgermeister zum Thema Wiederaufnahme des Festivals Chiemsee Summer. Nach den „Alm Wies’n“ auf dem Festivalgelände in diesem Jahr, wird es dort vom 21. bis 23. August 2020 ein „Chiemgau Outdoor Festival“ im Zeichen des Sports mit maximal 1000 Personen pro Tag geben.

Auf Eis liegt derzeit die Lärmsanierung entlang der Bahnlinie. Neue Förderrichtlinien machten aktuelle schalltechnische Untersuchungen der Bahn erforderlich. Erst danach solle die Angelegenheit neu aufgerollt werden.

In Sachen Breitbandausbau informierte Nitschke über ein angestoßenes Beratungskonzept. Es soll ermitteln, wo Handlungsbedarf besteht und wo die Breitbandversorgung zu verbessen ist. Ziel sei in jedem Fall eine flächendeckende Versorgung.

Sanierung der

Straßen die

größten Investitionen

Zu den größeren Investitionen in diesem Jahr zählte der Bürgermeister die Sanierung von Straßen über 140000 Euro und des Schmutzwasserkanals (450000 Euro), die Anschaffung eines Schleppers für den Bauhof (123000 Euro) und bauliche Erweiterungen für den Kindergarten Zellerpark (80000 Euro).

Im Mittelpunkt künftiger finanzieller Belastungen steht der Erwerb von drei Großfahrzeugen für die Feuerwehr in Höhe von 632000 Euro. Für die künftige Infrastruktur sind laut Nitschke geplant: der Kreisverkehr am Zusammentreffen der Staatsstraße 2096 und der Kreisstraße TS 4, der Kreisverkehr Seestraße vor der Madl-Brücke, weitere Parkplätze am Bahnhof nördlich des Baugebietes Übersee-Ost, der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs, die öffentliche Toilette an der Eisdiele, die Erweiterung des Bauhofs und die Entschlammung der Feldwieser Bucht.

Im Bezug auf die „gute Zusammenarbeit von Gemeinde und Vereinen“ wies der Bürgermeister auf die beiden Jubiläen, 100 Jahre Überseer Trachtler und 100 Jahre TSV Übersee im kommenden Jahr hin.

Sichtlich stolz zeigte sich Nitschke über die vielen ehrenamtlichen Sozialinitiativen und dankte unter dem Beifall der Anwesenden den engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern von Bücherei, Helferkreis, Krankenpflegeverein, Familienstützpunkt, Kleiderkammer, Sansibar, Ferienprogramm, Familienhelferinnen, VdK, Seniorenbetreuungen beider Kirchen und allen Vereinen sowie den Beauftragten für Jugend, Senioren und Behinderten für ihr Engagement und ihre immer wieder neuen Ideen. „Übersee ist inzwischen in der ganzen Region bekannt für seine sozialen Netzwerke und Vorzeigeprojekte.“

In der Diskussion stand vor allem die tägliche Parkgebühr von einem Euro für die „P+R-Parkplätze am Bahnhof in der Kritik. Nitschke verteidigte dies mit Wartungs- und Pachtkosten der Gemeinde, „an denen sich auch vor allem die Nutzer aus dem gesamten Achentalgebiet beteiligen sollten.

Der zunehmende Flächenverbrauch und mögliche Gegenmaßnahmen beschäftigten ebenfalls etliche Bürger. „Wir können Übersee nicht eine Käseglocke überstülpen, sondern brauchen eine gesunde Entwicklung mit Maß und Verstand“, so der Rathauschef. Im Übrigen setze man künftig auf kleinere Grundstücke, höhere Häuser und die Umbauten von Bauernhäuser in Wohnungen.

Lob statt Kritik

für ehrenamtliche Leistungen

Auch konstruktive Vorschläge kamen aus der Bürgerschaft, beispielsweise die Einrichtung eines generellen Überholverbots auf der unfallträchtigen Staatsstraße 2096, die drastische Reduzierung von Ferienwohnungen und die Einrichtung von Wlan-Spots im Ortsbereich.

Lob statt Kritik gab es für die „außergewöhnlichen“ ehrenamtlichen Leistungen des Krankenpflegevereins und die zuverlässigen Schneeräumdienste sowie für das Engagement von Gemeinde und Verwaltung und die bürgerfreundlichen Spenden des Tourismusvereins.

(Über die Themen „Bauen und Wohnen“ und „Tourismus“ berichten wir in einer der nächsten Ausgaben.)

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