Gstadt/Frauenchiemsee – Für einige mag der Konzertauftakt wie inszeniert gewirkt haben: Es fiel leicht, innere Bezüge herzustellen. Die jedenfalls fand Kirchenmusikerin Andrea Wittmann schnell: Ein Dankeschön fürs Kommen, fürs über die Schwelle treten in den geschützten Kirchenraum und letztlich fürs „Dasein, und musizieren dürfen“.
Kontrapunkt zum Christkindlmarkt
Vielleicht sind es genau jene „kleinen“ Erlebnisse, die diese Adventskonzerte Jahr um Jahr so besonders machen. Raus aus der Menschentraube des oft überlaufenen Christkindlmarkts auf der überbevölkerten Fraueninsel und hinein in die Ruhe, wo Stille und innere Einkehr sein darf, die den Musikgenuss als Exklusiverfahrung empfinden lässt.
Die Chorgemeinschaft Seeon, die in sich ruhend im Altarraum stand und den Musikern muss es ähnlich ergangen sein: Ruhig und ganz „bei sich“, schienen sich alle darauf zu freuen, das zu teilen, was man schon seit Monaten für genau dieses erste Adventskonzert geprobt hatte. Ein Geben und Nehmen, für die Mezzosopranistin Astrid Hofer, Christine Allanic (Oboe, Flöte), Florian Beer (Violine) und Claus Freudenstein (Kontrabass) Ehrensache.
Die adventliche Genussstunde im Münster Frauenwörth, unter der Leitung von Andrea Wittmann, die auch an Cembalo und Orgel begleitete, traf wieder einmal genau den Geschmack der Konzertbesucher und ging vom ersten Moment an unter die Haut.
Mit Liedern zum Advent wie Tochter Zion, Ave Maria, gratia plena, Übers Gebirg Maria geht und O Heiland, reiß die Himmel auf beeindruckten die Sänger. Dazu passte trefflich eine Kantate (Astrid Hofer) zum Advent von Gottfried August Homilius: „Frohlocke Zion, dein Erlöser“ und Johannes Eccards „Maria durch ein Dornwald ging“.
Letzterem schickte Wittmann in kurzen Worten den christlichen Bezug voraus: Maria, die durch den abgestorbenen Dornwald ging – das göttliche Geheimnis in sich tragend: die Menschwerdung Gottes. Anschließend kredenzte der Chor „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt und mit drei Kantaten bekam auch Johann Sebastian Bach gebührenden Raum im Adventskonzert.
Wer ziemlich weit rechts saß, der sah ihn nicht: Der Kontrabassvirtuose Claus Freudenstein stand für manche hinter einer Säule versteckt.
Zu hören war er mit tiefem Wohlklang seines Streichinstruments allerdings überall. Wer aber freie Sicht hatte, also beobachten konnte, wie ausdrucksstark Freudenstein Carl Ditters von Dittersdorfs Adagio in G-Dur (in Klavierbegleitung von Wittmann) interpretierte, dem war somit doppelter Genuss geboten.
Gesangssolistin Astrid Hofer brachte sich mit angenehmem Mezzosopran und stimmlicher Brillanz noch einmal mit Telemanns Arie aus der Kantate „Jauchzet, frohlocket“ ins Konzert ein.
Mit „Alma Redemptoris Mater“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina und „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Mendelssohn-Bartholdy verabschiedete sich der Chor, bevor Wittmann in geliebter Tradition dieser Konzerte die Konzertbesucher zum Mittun einlud: „Macht hoch die Tür“ – ein (gesungener) Aufruf. Dann brach ein Riesenapplaus die Stille. Kirsten Benekam