Traunstein – Die Sicherheit steht an erster Stelle: Mögliche Risiken für Patienten in einem Krankenhaus zu erkennen, zu minimieren oder zu eliminieren, ist die Aufgabe eines klinischen Risiko-Management-Systems. Aber auch diese Kontrollfunktionen gehören regelmäßig auf den Prüfstand, um Schwachstellen im Klinikbetrieb aufzudecken und die Qualität im Behandlungs- und Organisationsbereich zu optimieren.
So hat jetzt die Kliniken Südostbayern AG in den Hochrisikobereichen wie Chirurgie, Anästhesie und Intensivstation sowie Gynäkologie, Geburtshilfe und Neonatologie im Klinikum Traunstein und der Kreisklinik Bad Reichenhall mit Unterstützung der Gesellschaft für Risiko-Beratung (GRB) exemplarisch ihr klinisches Risiko-Management-System überprüfen lassen. „Die aus der Analyse gezogenen Schlüsse kommen auch den anderen Häusern des Klinik-Verbunds zugute“, so Dr. Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken Südostbayern AG.
Im Herbst 2017 fanden zunächst in den genannten Fachbereichen Vor-Ort-Überprüfungen (Audits) mit der GRB statt, um das vorhandene Risiko-Management zu bewerten. Anhand der in den Berichten aufgezeigten Verbesserungsmaßnahmen hatten Ärzte und Pflege ein Jahr lang Zeit, um die darin vorgeschlagenen Verbesserungen umzusetzen.
Die Themen, bei denen der gewünschte Entwicklungsgrad noch nicht erreicht worden war, wurden dann bis zum Herbst 2018 nochmals überprüft und die Umsetzung in 2019 abgeschlossen.
Patientensicherheit
im Operationssaal erhöhen
Beim abschließenden Audit wurde eine ganze Reihe von Prozessen in Augenschein genommen, von denen die meisten bereits in den Häusern der Kliniken Südostbayern AG eingeführt waren, wie zum Beispiel ein Fehlermeldesystem, das Patientenarmband, um eine Verwechslung zu vermeiden, oder die OP-Checklisten und das Team-Time-Out, um die Patientensicherheit im Operationssaal zu erhöhen sowie die Umsetzung der Aktion „Saubere Hände“ im Bereich Hygienemanagement.
Nachgefragt wurde beim Audit auch, ob den Mitarbeitern bestehende Regelungen wie zum Beispiel das Schmerzmanagement bekannt ist, oder ob die Patientenaufklärung vor operativen Eingriffen umfassend und verständlich erfolgt. Überprüft wurden ebenso die räumlichen Strukturen sowie die Überwachungsmöglichkeiten.
„Patientensicherheit ist eine der täglichen Herausforderungen und der Definition nach eine Fähigkeit, immer neu Verbesserungspotenziale zu erkennen und zu nutzen. Patientensicherheit ist nicht in einer einzigen Anstrengung herstellbar, sondern bedarf der täglichen, kontinuierlichen Anstrengung. Dieses Thema muss auch im Rahmen des lebenslangen Lernens am Arbeitsplatz in Fort- und Weiterbildungen immer wieder aktualisiert werden“, betont Reinhold Frank, Leitung Qualität der Kliniken Südostbayern AG. Durch immer neue Techniken und die Digitalisierung in der Medizin stehe man vor immer neuen Herausforderungen.
Mit dem Risiko-Management-System habe man viele Risiken erkannt, die man bisher nicht „gesehen“ habe, so Dr. Paech. „Die Risikoberater der GRB haben durch den Zugriff auf Schadensdatenbanken einen breiten Blick auf mögliche Risiken, denn was in anderen Kliniken passieren könne, kann bei uns natürlich grundsätzlich auch passieren und darauf wollen wir vorbereitet sein.“