Rimsting – Was wäre die Adventszeit ohne Weihnachtsplätzchen? Jetzt, wo die besinnliche Zeit immer näher rückt, haben einige schon fleißig gebacken. So auch Rosi Riepertinger, ehemalige Kreisbäuerin (von 2007 bis 2017) aus Hörzing. Die Chiemgau-Zeitung hat sich mit ihr getroffen, um zusammen Kakaozungen und Schaumtaler zu backen.
Ihr Backrekord
liegt bei 23 Sorten
Zuhause bei Rosi Riepertinger duftet es bereits im Eingang verführerisch nach Plätzchen. Die 62-Jährige führt in die Küche und darin sieht es aus wie in einer Weihnachtsbäckerei: Drei Bleche mit Spitzbuben und Kokosflocken stehen auf der Küchenablage und warten darauf, vernascht zu werden. „Jedes Jahr sagen wir, heuer machen wir nicht so viele.“ Aber wie das immer so ist: Am Ende werden es dann doch wieder ganz schön viele. Ihr Rekord? „23 Sorten“. Das sei vor etwa zehn Jahren gewesen, seither begnügt sie sich mit etwa 15 bis 20 Sorten – und fehlen dürften dabei auf keinen Fall die Kakaozungen. „Zur Weihnachtszeit sind die der Renner.“ Für die Kakaozungen hat Rosi Riepertinger schon einiges vorbereitet.
Ein riesiges Backbrett, bestäubt mit Mehl, darauf der bereits fertige Teig. Und dann legt die erfahrene Bäckerin los. Mit einem Schaber sticht sie sich eine kleine Menge vom Teig ab und füllt ihn in eine Gebäckpresse. Mit geübten Handgriff zieht sie damit quer über das Backbrett Schlangenlinien. Mit dem Schaber teilt sie diese in kleine Stücke. „Die dürfen ruhig ungleich sein, das ist nicht schlimm“, sagt Rosi. Und nachdem sie den Vorgang zweimal wiederholt hat, ist das erste Blech bereits belegt – mit kleinen Schokoladenzungen.
Plätzchen an
kalten Sommertagen
Aber ehe Rosi Riepertinger die Plätzchen in den Ofen schiebt, stellt sie sie kurz in das Gefrierfach. „Damit sie ihre Form behalten“, erklärt die erfahrene Plätzchenbäckerin. Nach dem kurzen Schockfrost, wandert das Blech mit den Kakaozungen in den Ofen bei mittlerer Schiene und circa 175 bis 180 Grad. Zehn Minuten Backzeit würden reichen. Jetzt hat die ehemalige Kreisbäuerin Zeit, kleine Anekdoten zu erzählen, während sie einen weiteren Teig für die Schaumtaler aus der Speisekammer holt. Ihre kurioseste Geschichte: Eine kleine Plätzchenparty – mitten im Sommer. Letztes Jahr hatte sie so viel Weihnachtsgebäck übrig, dass sie einen Schwung davon eingefroren hatte, erinnert sich Rosi Riepertinger. Da traf es sich gut, dass es vergangenen Sommer ein paar sehr kalte Tage gab. Einige Stammgäste vom Ferienhaus jammerten über die Kälte und scherzten, dass jetzt ein Glühwein recht wäre. Gesagt getan: Die Bäuerin marschierte ins Haus, holte eine übrig gebliebene Glühweinflasche und servierte auch ein paar „Vorjahres“-Plätzchen dazu. „Davon reden wir heute noch“, sagt Riepertinger lachend.
Plätzchen gehören für sie zur Weihnachtszeit einfach dazu. „Ich wollte ja immer Konditorin werden“, verrät sie, während sie damit beginnt, den Teig auszurollen. Damals gab es aber keine freien Lehrstellen, stattdessen ist sie Lebensmittelverkäuferin im Einzelhandel geworden. „Aber dafür kann ich das Backen jetzt ausleben.“ Und wenn man sich so umblickt in der kleinen Küche – vollgestellt mit Plätzchenblechen, – stellt man fest: Ausleben, das trifft es ganz gut.
Für ihre Plätzchen verwendet Rosi Riepertinger keine Familienrezepte, sondern Rezepte von Bauernzeitschriften oder aus Kochbüchern von den Dorfhelferinnen. Die seien „einfach“ und „unkompliziert“. Ein Paradebeispiel dafür seien auch die Schaumtaler, wie Rosi Riepertinger verspricht. Den Mürbteig hat sie schon am Vortag vorbereitet. „Den muss man mindestens eine Stunde im Kühlschrank stehen lassen.“
Sie bevorzugt „einfache“ Rezepte
Für die Schaumtaler beginnt sie zunächst mit dem Eierschaum: In einer Schüssel hat sie drei Eiweiß mit einer Prise Salz vermengt und schlägt das Eiweiß schaumig. Rosi Riepertinger macht den Eischnee-Test und hält die Schüssel über ihr Gesicht. Der ist fest, stellt sie fest und rührt 200 Gramm Puderzucker und einen Schuss Essig unter. Fertig ist die Schaummasse, die später auf die Taler platziert wird. In der Zwischenzeit sind auch die Kakaozungen fertig. Und während sie die Plätzchen aus dem Ofen nimmt, erzählt sie, welche Sorten sie bereits gebacken hat, verschwindet kurz in der Speisekammer und taucht mit verschiedenen Plätzchendosen wieder auf. Rosis Augen glänzen, während sie Schokoladenbrot, „Schokoringerl“ und Spitzbuben zum Probieren anbietet. Bei einigen der Köstlichkeiten habe ihr Enkel kräftig mitgeholfen, betont die 62-Jährige. Adventszeit, das sei für sie die „stade Zeit“. Und die verbringe sie am liebsten mit der Familie.
Rosi widmet sich wieder den Kakaozungen. Mit flinken Handgriffen sucht sie gleichgroße „Zungen“ zusammen und beklebt sie mit selbstgemachten Traube-Apfel-Gelee. Zu guter Letzt erwärmt sie Kuvertüre, und tunkt jeweils ein Ende der Zungen ein. Fertig sind die ersten Weihnachtsplätzchen. Rosi Riepertinger wirkt mit ihrem Backwerk zufrieden. Bleiben nur noch die Schaumtaler übrig. Und Rosi Riepertinger beginnt mit dem Ausstechen. Dafür würde sich jede Form eignen, am besten aber eine runde. Nachdem sie mehrere Taler auf die Backbleche platziert hat, verteilt sie obendrauf jeweils einen Klecks Schaummasse. Und ab damit in den Ofen – bei 175 bis 180 Grad Ober- und Unterhitze.
Das Plätzchenbacken, das beruhige sie, erklärt sie mit einem Lächeln. Am liebsten höre sie dazu noch etwas Weihnachtsmusik. Dann sei sie in absoluter Weihnachtsstimmung. Den ersten Plätzchenteller richte sie immer zum Nikolaustag her. Ihr Mann, ihre Enkel und Kinder seien fleißige Plätzchenabnehmer. Was übrig bleibt, friere sie ein.
Ob ihre Familie auch so gerne backe? Ihre ältere Tochter Barbara auf jeden Fall nicht. Da gab es nämlich vor Jahren mal eine kleine Mehlpanne, schildert die ehemalige Kreisbäuerin und lacht. Sie habe ein Kilo Mehl benutzt. Das Ende vom Lied? Sie und ihre Tochter standen Stundenlang in der Küche und haben Plätzchen ausgestochen. „Seitdem macht sie es nicht mehr so gern.“ Rosi Riepertinger blickt in den Ofen: „Ohje“, entfährt es ihr.
Pannen gibt es auch
bei Rosi Riepertinger
Die Schaumtaler seien zu lange im Ofen gewesen. Das erkennt die erfahrene Bäckerin schon auf den ersten Blick. Hastig holt sie die Plätzchen aus dem Ofen und platziert sie auf dem Teller. Nach einem Probebissen lautet ihr Fazit: „Die sind zu trocken.“ Normalerweise müsse die Schaummasse weiß sein und nicht gelblich. Auch in der Weihnachtsbäckerei misslingt offenbar hin und wieder etwas. Aber Rosi Riepertinger nimmt es gelassen: „Ich mache ja noch ein Blech.“