Neue Bühne fürs Theater in Bildern

von Redaktion

Feierliche Ausstellungseröffnung der Sammlung Abé im sanierten Kronast-Haus

Prien – „Zugleich aus dem Leben gegriffen und zugleich typisch – das ist die höchste Kunst“ – dieses Zitat von Christian Morgenstern passt zu den Werken von Hugo Kauffmann genauso vortrefflich wie das wieder zum Leben erweckte Kronast-Haus inmitten von Prien. Unter dem Titel „Kunst im Kronast“ stand jetzt ein – wie Priens Bürgermeister Jürgen Seifert es nannte – „historischer Moment“ an. Die Dauerausstellung der gestifteten Sammlung Abé mit Werken von Hugo Kauffmann und bedeutender Chiemsee-Maler ist im über 400 Jahre alten und sanierten Kronast-Haus eingezogen und ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich.

Großer Tag für Prien und großer Tag
für die Kunst

„Ein großer Tag für Prien und ein noch größerer Tag für die Kunst“ betitelte der Rathauschef und würdigte dabei besonders zwei Menschen, ohne die dies nicht möglich gewesen wäre: Brigitta Abé und ihren verstorbenen Mann Eberhard. Deren Sammlung als Schenkung an die Kommune umfasst 85 Arbeiten. Darunter sind allein 58 Gemälde und 30 Federzeichnungen von Kauffmann.

Über Dr. Friedrich von Daumiller, Vorsitzender des Kunstfördervereins, kam der Kontakt zwischen Seifert und dem Ehepaar Abé, welches sogar den Verkaufserlös eines Hauses stiftete, damit die Marktgemeinde mit weiteren Eigenmitteln das Kornasthaus erwerben kann, zustande. „Wir haben die einmalige Kaufchance damals gemeinsam ergriffen und jetzt passt alles im Zentrum zusammen“, so Seifert.

Traum von

Eberhard Abé in Erfüllung gegangen

Brigitta Abé würdigte dabei bewegt: „Jetzt geht der Traum meines Mannes in Erfüllung.“ Kunsthistorikerin Inge Fricke, langjähriges Mitglied im Kulturförderverein, oblag die Einführung in die Sammlung, und sie hieß Brigitta Abé in „ihrem Haus und in ihrer Ausstellung“ willkommen. Die Gäste des Festakts – darunter auch Herzog Max und Herzogin Elisabeth in Bayern, fanden dabei kaum Platz in den Räumen und Gängen des Hauses. Sie verfolgten die kunstgeschichtlichen Erläuterungen, gespickt mit Anekdoten von Franziska Hager, von Inge Fricke.

So ist das Kornast-Haus eines der ältesten Häuser Priens und hat seinen Ursprung 1598. „Seine heutige Gestalt mit der aufwendigen Fassadenmalerei geht bis auf das Jahr 1784 zurück. Die Geschichte des Hauses ist geprägt durch das Kistlerhandwerk der Familie Kronast. Dort wurden Möbelstücke und Interieur in bester Handwerkskunst aus Holz gefertigt. Fast 300 Jahre blieb das Haus im Besitz dieser Familie“, so die Kunsthistorikerin, die zusammen mit Martina Lehmann (Prien Marketing GmbH) Aufbau und Einteilung der Ausstellung vorgenommen hatte. Die eigens angeschaffte neue Beleuchtung der Kunstwerke, „ein Verdienst der Hartnäckigkeit von Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH“, wie Seifert erläuterte, bringe die Farben der Werke überdies zum Leuchten.

2003 erwirbt der Priener Hans-Georg Lohr das Haus und restauriert es aufwendig, um seine Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wozu es durch seinen plötzlichen Tod 2004 nicht mehr kam. Nach wechselnden Besitzverhältnissen in den vergangenen Jahren hat es, dank einer Schenkung von den Kunstliebhabern Brigitta und Eberhard Abé, 2017 der Markt Prien erworben. Im Herzen von Prien sei nun dieses Kleinod der Kunst entstanden, welches auch den Prienern von jeher am Herzen liegen würde, würdigte Fricke.

Über Kauffmanns Leben und Schaffen: Er lebte von 1844 bis 1915, kam einst zur Sommerfrische nach Prien und blieb hier „hängen“. Kauffmann kaufte sich oberhalb des Gries‘ ein über ein Hektar großes Grundstück, lebte dann in Prien und genoss die Einkehr zum Früh- und Abendschoppen. Seine Genremalerei, meist kleinformatige Bilder, sind sehr detailgenau, sind mit Humor garniert. Das Hässliche werde oftmals in Szene gesetzt oder Kleidungen, Figuren und Situationen besonders charakterisiert. Aus seinen Arbeiten spreche die Idylle des einfachen Lebens, die von jedermann nachvollziehbar war und dem Genremaler zu Lebzeiten internationalen Erfolg, beschied, so Fricke. Oft wird es als Theater in Bildern bezeichnet.

Die Sammlung Abé stelle einen unschätzbaren Wert für die Allgemeinheit dar und habe im ersten Stock des geschichtsträchtigen Gebäudes einen dauerhaften Ausstellungsplatz gefunden, freute sich Hübner und leitete zur ökumenischen Segnung des Hauses und der Ausstellung durch Pfarrer Klaus Hofstetter und seine evangelische Amtskollegin Sabrina Hoppe über. „Wenn Kunst es schafft, so viele Menschen zu versammeln, dann ist mir um die Zukunft nicht mehr so bange“, so Hoppe. Die Geistlichkeit betonte, dass mit dem Kronast-Haus und seiner zweifachen Nutzung mit Gastronomie (Café-Bar der Brüder Christoph und Luitpold Müller) ein Ort der Begegnung und des Austausches geschaffen worden sei.

Dritter Kunst-Stern
für die Marktgemeinde

Bevor Seifert Priens dritten Stern – nach dem Heimatmuseum und der Galerie im alten Rathaus – offiziell eröffnete, galt es etwas Bleibendes an Brigitta Abé als Kommune zurückzugeben. So wurde feierlich ein eigens gemaltes Bild der Künstlerin Ekaterina Zacharova enthüllt. Auf diesem kraftvoll und lebendig eingefangen: eine Segelszene des Ehepaars Abé. Das Werk rührte, ob der eingefangenen Stimmung, des Blicks und der Szenerie Brigitta Abé sehr.

Zacharova hatte im Vorfeld ausgiebig recherchiert, um die enge Verbindung des Paares auf Leinwand sichtbar zu machen.

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten der Dauerausstellung im Kronast-Haus sind im Advent samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Das Scherzl hat dienstags bis donnerstags von 16 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 12 bis 24 Uhr sowie sonntags von 12 bis 23 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.kronasthaus.de.

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