Marquartstein – Das Reizthema Wolf, der Umgang mit zunehmendem touristischen Druck sowie Konflikten in den Almgebieten waren die Schwerpunkte in der turnusmäßigen Versammlung der Bezirksalmbauernschaft Grassau im Gasthof Wessnerhof in Marquartstein.
Bei den Neuwahlen unter der Leitung von Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), wurden Georg Hacher als Vorsitzender und Wolfgang Lackerschmid als stellvertretender Vorsitzender einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.
Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck verwies in seinem Grußwort auf eine aktuelle Untersu-chung des Ökomodells Achental mit einer Umfrage unter 22 Almbauern aus der Region. Diese wurde in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur in Wien durchgeführt. Speziell Probleme mit der Wasserversorgung sowie Konflikte durch touristische Nutzung und Freizeitsport auf den Almen spielen in der Studie wichtige Rollen.
Für einen „starken Zusammenhalt der Almbauern“ machte sich der neue AVO-Vorsitzende Sepp Glatz aus Garmisch-Partenkirchen stark. Er beleuchtete in kritischen Worten die Themen Bürokratie, Viehtransporte und -preise, die geplante Umschichtung der Agrarsubventionen von den Direktzahlungen an die Landwirte in gezielte Förderprogramme für die nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung und die ländliche Entwicklung.
Aufschlussreiche
Einblicke im
Umgang mit Wölfen
Aufschlussreiche Einblicke im Umgang mit Wölfen gab AVO-Geschäftsführer Hans Stöckl in seinem Jahresrückblick. Er berichtete von einer Lehrfahrt des Vereins in das Calanda-Massiv im Schweizer Kanton Graubünden. In dem touristisch wenig erschlossenen Gebiet gebe es zwei Wolfsrudel. Da eine Umzäunung der Schafherden auf den Almen aufgrund der Weitläufigkeit nicht realisierbar ist, behelfen sich die Almbauern dort mit Schutzhunden. Dies verhindere zwar nicht das Reißen einzelner Tiere durch Wölfe, aber zumindest größere Verluste. Auch Mutterkuhherden würden durch Herdenschutzhunde bewacht. Deren Anschaffung rechne sich aber nur bei größeren Herden, so Stöckl. „Der Einsatz in stark besiedelten und touristisch genutzten Gebieten wie bei uns ist allerdings sehr problematisch.“ Umfangreiche Informationen zum Thema erbrachte ein Wolfssymposion mit internationalen Experten in Halberstadt. Dort sei man sich mit der Weideschutzkommission einig gewesen, dass nur die Ausweisung großräumiger Schutzweiden Sinn mache. Die im bayerischen Aktionsplan „Wolf“ angestrebte Prüfung nach Feldstücken sei nicht praktikabel.
Stöckl informierte weiter über die Ergebnisse des Almpflegetags an der Rotwand im Spitzingseegebiet und bei der Hauptalmbegehung in Mittenwald mit 750 Teilnehmern, darunter auch namhaften Politikern. Im kommenden Jahr sind die Hauptalmbegehung und der Almbauerntag in Reit im Winkl geplant. Der Almpflegetag wird auf der Weitalm in Unterwössen sein.
Bezirksalmbauer Georg Hacher sprach sich dafür aus, künftige Veranstaltungen gemeinsam mit den benachbarten Almbauernvereinigungen in Ruhpolding, Schleching und Reit im Winkl zu planen, zudem Referenten für aktuelle Themen einzuladen und so mehr Interessenten anzusprechen. Im Zusammen-hang mit den Neuregelungen zur Trinkwasserbeprobung war Hacher, Wassermeister der Gemeinde Marquartstein, auf 22 Almen im Einsatz und sprach von einer „guten Zusammenarbeit mit den Behörden“.
Almfachberater Alfons Osenstätter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein berichtete von „eindeutigen Wolfsspuren“ am 25. Januar im Landkreis Traunstein, die per Urinprobe nachgewiesen wurden. Als Ansprechpartner vor Ort für Betroffene und geeignete Verhaltensmaßnahmen gebe es inzwischen bayernweit 140 ehrenamtliche Experten des „Netzwerks große Beutegreifer“. Osenstätter informierte auch über neue Förderbestimmungen aus dem Bayerischen Bergbauernprogramm und dem Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft.
Zwischenfälle mit Rindern auf Almen ein Schwerpunktthema
In der Diskussion bildete – nach entsprechenden Gerichtsverfahren – die rechtliche Absicherung von Landwirten bei Zwischenfällen mit Rindern auf der Alm ein Schwerpunktthema. Hans Stöckl verwies auf die Notwendigkeit einer Betriebshaftpflichtversicherung und riet, auch Pensionstiere zu versichern.
Bergens Bürgermeister Stefan Schneider sah angesichts des „steigenden Freizeitdrucks in den Bergen“ Wanderwege über die kommunale Haftpflichtversicherung abgedeckt. Sepp Glatz riet zur Aufstellung von Warnschildern.