Breitbrunn – Mit schweren Schritten nähern sich zwei Gestalten dem Gehöft und klopfen an der Haustüre. Drinnen springen die Jüngsten der Familie voller Erwartung umher. Der Papa öffnet dem heiligen Nikolaus und seinem Knecht, dem Kramperl die Haustüre. So oder ähnlich spielt es sich jedes Jahr am Vorabend und gestrigen Namenstag des heiligen Bischof ab.
Seit Jahrhunderten wird dieses Procedere von Generation zu Generation weitergetragen. Was hat es eigentlich mit diesem Brauchtum auf sich? Nikolaus von Myra wurde um die Jahre 280/286 in Patara/Lykien in der heutigen Türkei geboren. Es heißt, mit 19 Jahren von seinem Onkel, dem Bischof Nikolaus von Myra zum Priester geweiht, übernahm er als Abt das Kloster von Sion in der Nähe seiner Heimatstadt. Nikolaus von Myra starb am 6. Dezember um 350 nach Christi in Myra, dem heutigen Demre im türkischen Antalya.
Sangesbrüder führen
Brauchtum fort
Historisch belegt ist, dass er als Sohn reicher Eltern sein geerbtes Vermögen unter den Armen und Hilfsbedürftigen verteilte. So konnte er Frauen mit einer Mitgift ausstatten, um diese vor der Prostitution zu bewahren. Verbunden damit ist die „Legende eines Mannes, der drei Töchter hatte. Seine Frau war gestorben und er selbst so krank, dass er nicht arbeiten konnte. Bereits in den 50er-Jahren fanden sich einige Breitbrunner Sangesbrüder zusammen, um den Brauch aufleben zu lassen. Sie staffierten sich mit dem entsprechenden Equipment aus und besuchen seither die Kinder der Umgebung. Wichtig war und ist, diesen Mythos zu bewahren.
Ihr Credo: Glaube, Brauchtum und Sitte sind Werte, die auch in der „heutigen“ Zeit notwendig sind. Natürlich kursiert in diesen Kreisen auch die ein oder andere Anekdote über den Nikolausbesuch: So war einmal der kleine Fabian, dessen Radl spät abends noch im Hof lag. Als ihn der Heilige auf die mangelnde Ordnung ansprach und zur Strafe das Rad einbehalten wollte, meinte dieser keck: „Nikolo, den Karr´n konn´st b´haltn, der regt mich eh schon lang auf.“
Doch beim Besuch des Nikolaus‘ ist ein rückwärtiger Trend erkennbar. Waren es vor Jahren noch an die 100 Familien, in denen der Nikolaus mit seinem Krampus einkehrte, haben sich die Anmeldezahlen nahezu halbiert. Da kommt bei den Aktiven die Frage auf: Wird hier solides Brauchtum durch imposantes Marketing des Weihnachtsmanns ersetzt? Dabei hat der eine Mann mit dem anderen nichts zu tun.
Weihnachtsmann hat
anderen „Einsatztag“
Im süddeutschen Raum zeigt sich der heilige Mann bis heute im traditionellen Bischofsgewand mit Stab und Mitra, der hohen Bischofsmütze. Begleitet wird er von Knecht Ruprecht, besser bekannt als „Kramperl“. Der Krampus oder Bartl ist im Brauchtum eigentlich eine Schreckgestalt in Begleitung des heiligen Mannes und stammt ursprünglich – wie auch viele andere dämonische Gestalten des Alpenraumes – aus der vorchristlichen Zeit.
Die Darstellung vom Weihnachtsmann alias „Santa Claus“ als gemütlichen alten Mann mit weißem Rauschebart und dickem roten Mantel ist eine weitere Vorstellung, die bereits 1862 der deutsche Amerika-Auswanderer Thomas Nast zeichnete. Im Ursprung war „Santa“ ein Europäer. Niederländische Auswanderer brachten ihren „Sinterklaas“ im 17. Jahrhundert ins heutige New York, wo im Laufe der Zeit zu „Santa Claus“ wurde. Dieser bringt Geschenke in der Nacht auf den 25. Dezember. In Bayern ist am 24. Dezember das Christkind unterwegs. wak