Kampf gegen Schmutz, Ruß und Staub

von Redaktion

Frauenchiemsee: TeilI der Reinigungsarbeiten in Klosterkirche ist abgeschlossen

Frauenchiemsee – Alterserscheinungen und Gebrauchsspuren machen auch vor einem kirchlichen Bauwerk nicht Halt. Schon gar nicht, wenn es sich um eine so hoch frequentierte Gebetsstätte wie die Klosterkirche auf Frauenchiemsee handelt. Durch die vielen Besucher aus aller Welt, die täglich auf die Insel pilgern und die zahlreichen Gläubigen, die den urhistorischen Kirchenraum gerne für Hochzeiten und Taufen wählen, waren insbesondere die Wände und die Innenausstattung in der Kirche seit Jahren stark verschmutzt. Kerzenruß tat sein Übriges.

Aus diesem Grund beschloss die katholische Kirchenverwaltung Mariä Opferung, den Innenraum in Teilabschnitten in den kommenden vier Jahren fachgerecht und restauratorisch zu reinigen. Nach den letzten größeren Restaurierungsmaßnahmen in den 1970er- Jahren war dringender Handlungsbedarf angesagt, wie Dr. Hans Rohrmann vom Kunstreferat des erzbischöflichen Ordinariats und zuständig für kirchliche Denkmalpflege bekräftigt. „Auch, um dem pastoralen Potenzial der Klosterkirche Rechnung zu tragen“. Doch die Situation sei kompliziert.

Das Projekt der Kirchenstiftung werde von der Erzdiözese München und Freising in Kooperation mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung und dem Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege betreut, so Dr. Rohrmann. Von der Schlösserverwaltung sei jedoch keine Chance auf umfangreichere Sanierungsmaßnahmen in naher Zukunft in Aussicht gestellt worden. „Überbrückende Pflegemaßnahmen waren jedoch möglich. Rund 200000 Euro sind dafür veranschlagt.“

Bisher werden die Kosten laut Rohrmann vom Ordinariat und der Kirchenstiftung getragen. Ziel der für 2019 bis 2022 geplanten „Anti-Aging Behandlung“ war, dass der Alterswert erkennbar bleibt und die entsprechenden Bereiche nicht als „Frisch gestrichen“ erscheinen. Gerade die Patina auf Wand- und Gewölbeflächen, die als stimmiger Ausdruck einer über Jahrzehnte währenden intensiven Nutzung empfunden wird, macht auch den Charme des Gotteshauses aus.

Flächig aufliegender Staub und Kerzenruß mussten allerdings abgenommen werden, erklärt Diplom-Restaurator Sven Oehmig, der mit der restauratorischen Pflegemaßnahme betraut ist.

Das Münster, heute eine dreischiffige Basilika, gehört zu den ältesten noch erhaltenen Kirchenräumen im süddeutschen Raum. Die Weihe der Klosterkirche am 1. September 782 ist urkundlich belegt.

Ein jahrtausendaltes Zeugnis des Christentums

Dementsprechend groß ist die Bedeutung des Bauwerks, das ein jahrtausendaltes Zeugnis des Christentums in der Region darstellt. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass die Grundmauern aus der karolingischen Epoche im 8. Jahrhundert stammen. Der Hochbau entstand um das Jahr 1000. Der Umgang um den Hauptaltar und die drei Seitenkapellen sind späteren Ursprungs.

Aufgrund des immensen kultur- und kunsthistorischen Rangs der Kirche sollte deshalb ein restauratorisches Reinigungsverfahren zur Anwendung kommen, das den Alterswert erhält und eine Neufassung der Wand- und Gewölbeflächen über Jahre hinaus unnötig erscheinen lässt. Bevor jedoch mit den eigentlichen Maßnahmen losgelegt werden konnte, wurde mit eingehenden Untersuchungen der genaue Erhaltungszustand erfasst; anschließend mit Arbeitsproben und Musterflächen konkret das geeignete Reinigungsverfahren bestimmt.

Am Ende kamen aus fachlicher Sicht nur zwei Methoden in Frage: Eine klassische Feuchtreinigung – ausgeführt bis auf die tragfähige Grundierung mit anschließendem Neuaufbau der Fassung – schied aber schließlich aus.

Restaurierungstechnik basiert auf Einsatz von Naturlatex

Im konkreten Fall hätte diese Ausführung, laut Sven Oehmig zwangsläufig Renovierungsschritte nach sich gezogen, die konzeptionell eben gerade nicht angestrebt wurden. Zudem sprachen der hohe Feuchteintrag und eine relativ lange Bearbeitungszeit sowie die prognostizierten Kosten gegen diese Variante. Stattdessen kommt eine Restaurierungstechnik auf Latexbasis zur Anwendung. Damit ist es möglich, eine definierte Schichtdecke der Schmutzauflage flächig und effizient abzunehmen, wie auch die bereits erfolgreich ausgeführten Maßnahmen im südlichen Seitenschiff zeigen.

Mit einer Art Lackpistole wird das Naturlatex auf die Wände aufgetragen und in Handarbeit wieder abgezogen. So können die Schmutzpartikel im Kautschuk gebunden und entfernt werden, ohne wesentlich Feuchtigkeit einzubringen, erläutert der Restaurator. Zudem bringe die großflächige Ausführung kurze Bearbeitungs- und Gerüststandzeiten mit sich.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode liegt darin, dass die Kirche während der Arbeiten fast immer für Besucher und Veranstaltungen geöffnet bleiben kann. Die Hauptarbeiten finden jeweils in den Herbstmonaten statt, die dafür klimatisch am besten geeignet sind.

In den nächsten Jahren werden auch das nördliche Seitenschiff, das Deckengewölbe und die Hauptschiffwände gereinigt. Mit dem neuen Erscheinungsbild des Kirchenraums im südlichen Seitenschiff ist Dr. Hans Rohrmann mehr als zufrieden. Der gewünschte Effekt habe sich eingestellt. In dem gesäuberten Bereich sehe man der Kirche ihr Alter an, aber es wirke nicht ungepflegt. Möglicherweise komme noch ein fünfter Abschnitt dazu, erwähnte der kirchliche Denkmalpfleger. Derzeit sei man dran, für die Irmengard- und die Maria-Mitleidkapelle ein geeignetes Konzept zu entwickeln.

Artikel 1 von 11