100 Jahre: Zeitreise und Episoden

von Redaktion

Bauerntheater Prien feiert Geburtstag – „Der Geisterbräu“ zum Jubiläum auf der Bühne

Prien – „Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine Bühne nennen. Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist“, behauptet Peter Brook, einer der großen Theaterregisseure. Jeden Raum benötigt das Bauerntheater Prien nicht. Sie sind mit der Bühne im Chiemsee-Saal zufrieden. Seit 100 Jahren besteht heuer die Institution und hat Generationen von Prienern erheitert. Vorsitzender Franz Fritz tauchte mit der Chiemgau-Zeitung ein auf eine Zeitreise der Vereinsgeschichte.

Proben für Jubiläumsstück laufen auf Hochtouren

Aktuell laufen die letzten Proben zum Jubiläumsstück „Der Geisterbräu“. Möglichst viele Spieler will das Bauerntheater in die Aufführungen zum 100-Jährigen einbinden – so die Idee der Theaterer. Das Stück „Der Geisterbräu“ ist dafür genau das Richtige. Denn 50 Prozent der konstant um die 84 Mitglieder sind nach Angaben von Vorsitzendem Franz Fritz auch aktive Spieler. Welches Stück gewählt wird, ist eigentlich ein Mehrheitsbeschluss der Schauspieler. Das letzte Wort hat dann der jeweilige Spielleiter.

1919 machten einige „Theaternarrische“ – darunter Malermeister Josef Furtner, Kupferschmiedemeister Theo Kimmisch, Schäfflermeister Martin Lampersberger, Schneidermeister Leonhard Schmid sowie Schriftsetzer Hans Gerlmayer – Nägel mit Köpfen und gründeten die Priener Theatergesellschaft.

Nur 42 Tage nachdem der Verein aus der Taufe gehoben war, wurde das Stück „Der Bergschreck“ aufgeführt. Die Aktiven waren mehr als rührig und brachten zudem drei Vorstellungen mit dem Vierakter „Die Tochter des Wilderers“ ebenfalls noch im selben Jahr auf die Bühne. Mit Spielfreude ging man zur Sache. Bauerntheater ist ein ganz eigenes Genre. Häufig handelt es sich dabei um Komödien. Der Ort der Handlung ist meist in geografischer Nähe zum Spielort angesiedelt, die Personen der Handlung sind der Landbevölkerung entnommen.

Während des Nationalsozialismus‘ firmierte das Theater unter dem Namen KdF-Volksspielgruppe Prien. Die nationalsozialistische Gemeinschaft KdF (Kraft durch Freude) bescherte den Schauspielern Gastspiele in anderen Kommunen. In Sachrang sollte dabei das Stück „Adams letzte Versuchung“ aufgeführt werden. „Aber Adam trank vor seinem Auftritt über den Durst und war trotz aller Bemühungen nicht auf der Bühne einsatzfähig. Das Stück musste sogar ausfallen“, weiß Fritz aus Schilderungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Verein zum Erliegen. Unterschlupf fanden die Theaterspieler im Trachtenverein, der als politisch korrekt eingestuft wurde. Es etablierte sich rasch die Theatergruppe des Trachtenvereins. Diese Partnerschaft und Freundschaft der Vereine besteht bis heute. „So können wir für Proben auch oft ins Trachtenheim ausweichen“, so Fritz. Gleichzeitig gab es noch die Heimatbühne mit der Konzession des Roten Kreuzes. Stars der damaligen Bühne waren Georg Fischer, Sepp Schleider und Fritz Leitner. „Das waren richtige Charakterköpfe, wie man sie aus dem alten Komödienstadl kennt“, beschreibt Fritz. Es folgten zahlreiche Auftritte, ehe es 1950 zu einem Knick der erfolgreichen Vereinsgeschichte kam. Es fehlte an Aktiven. Die beiden Theatergruppen fusionierten deshalb. „Der erhoffte Aufschwung blieb aber alten Zeitungsberichten zufolge aus“, so Fritz. Nach einem Aufflackern erlosch die Begeisterung jedoch rasch wieder und der 50. Geburtstag – eigentlich groß geplant – verging nahezu sang- und klanglos.

Zu alledem verloren die Theaterer auch noch ihren Saal. Bis Anfang der 70er-Jahre waren sie im Bayerischen Hof beheimatet. Eine neue Aufführungsstätte ward sodann im kleinen Kursaal gefunden.

Pro Saison verfolgen circa 1100 Zuschauer die Darbietungen des Bauerntheaters – dabei stehen in der Chronik Stücke wie „Die Medaille“, „Das sündige Dorf“, „Die Brautschau“, „Der verkaufte Großvater“ sowie „Die Hausmeisterin“ und Thoma-Stücke (inklusive einer Freilichtaufführung am Rafenauer Weiher).

Immer beeindruckend für Fritz von Beginn an: der Zusammenhalt der Truppe. „Wir bauen vieles selbst, was nur durch die Fähigkeiten unserer Mitglieder möglich ist. Sonst wäre vieles auch gar nicht finanzierbar. Beispielsweise haben wir für eine Szene einen Obstbaum auf der Bühne gesucht. Zwei Tage später hatte ein Landwirt seinen alten Baum, der eh gefällt werden sollte, vorbeigebracht und wir hatten unseren Baum im Biergarten.

Wie eng die Verbundenheit der Aktiven ist, beweist Wilma Walter. Sie ist das älteste Mitglied, das noch mitspielt und seit 56 Jahren aktiv. Das längste lebende Mitglied wiederum ist mit 87 Jahren Hilde Scheck. „Sie gehört dem Bauerntheater bereits seit 71 Jahren an“, sagt Fritz. Prägend für den Verein war Rainer Winzek. Der langjährige Spielleiter hat seit den 80er-Jahren das Ensemble stark geprägt und gerne Neuerungen – aber stets im Sinne des Bauerntheaters ausprobiert.

Aufführungen und Karten

Premiere ist am 26. Dezember ab 19.30 Uhr im Chiemsee-Saal. Weitere Aufführungen sind am 28. Dezember ab 19.30 Uhr, am 29. Dezember ab 15 Uhr, am 3./4. Januar ab 19.30 Uhr sowie schließlich die Familien- und Seniorenvorstellung am Sonntag, 5. Januar, ab 15 Uhr.

Karten gibt es im Ticketbüro im Haus des Gastes, Telefon 08051/965660, und an der Abendkasse eine Stunde vor Beginn.

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