Bist Du wie ich, ein Esel?

von Redaktion

Sieben fast lebensgroße Krippenfiguren verbergen sich heuer hinter dem „Ökumenischen Sternenweg“. In der Taufkapelle helfen sie auf der Suche nach dem Sinn von Weihnachten. Das Projekt entstand anlässlich des Jubiläums „350 Jahre Krippenaufbau in Prien“.

Prien – Die katholische und die evangelische Kirche hatte 2014 die Initiative „Ökumenischer Sternenweg“ gegründet, vor allem, um dem „kommerziellen Christkindlmarkt eine andere Farbe zu geben“. „Wie können wir Präsenz beim Christkindlmarkt zeigen? Das haben wir uns damals gefragt“, erklärt Karl-Friedrich Wackerbarth, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Prien. Später ist noch die neuapostolische Kirche in den Arbeitskreis hinzugestoßen.

Seinen Namen bekam die Initiative durch die großen, über den ganzen Markt verteilten Sterne, die von der Priener Künstlerin Gini Jenne aus alten Holzkisten gefertigt wurden. „Das war eine Sternensuche für Groß und Klein. Jeder konnte über den Markt „wandeln“ und den Weg abgehen“, so der evangelische Pfarrer.

Sieben als Zahl
der Vollkommenheit

Dieses Jahr gibt es den eigentlichen Sternenweg nicht mehr, aber der Name hat sich eingebürgert. Heuer stehen die sieben lebensgroßen Krippenfiguren im Mittelpunkt. „Wir haben uns für sieben Stück entschieden, da das die Zahl der Vollkommenheit in der christlichen Zahlensymbolik ist“, erläutert Wackerbarth. „Wichtig war, dass Maria und Josef dabei sind, da die beiden zwei sehr zentrale Gestalten der Weihnachtsgeschichte sind. Ausschlaggebend ist auch, dass die Menschen die Geschichten aus der Bibel auf sich selbst übertragen können und merken: Das spiegelt meine Lebensgeschichte wider.“

Den Anfang des Projektes hat vor fünf Jahren das Sternenzelt in der Taufkapelle gemacht. Dort wurde ein Zelt aufgestellt, in dem Papiersterne von Schnüren hangen, auf denen Wünsche, Sorgen und und Sehnsüchte niedergeschrieben werden konnten. Die Aktion war laut Wackerbarth damals für Kinder gedacht, aber es habe sich schnell gezeigt, dass auch Erwachsene daran Freude finden und sich rege beteiligen. Das Sternenzelt gibt es auch dieses Jahr wieder.

Am Ende des Christkindlmarktes im letzten Jahr seien insgesamt 750 Sterne zusammengekommen. „Das Bedürfnis, sich bei den Sternen zu äußern, ist seit Jahren unglaublich groß. Es sind wenig materielle Wünsche dabei, sondern eher, dass beispielsweise jemand darum bittet, dass seine Oma wieder gesund wird.

Jede Figur hat ihren
eigenen Text

Zu jeder einzelner Krippenfigur gibt es in der Taufkapelle einen kleinen Text, der zu deren Füßen liegt, und die Besucher zum Nachdenken anregen soll. Hier werden Eigenschaften der jeweiligen Gestalten aufgezählt und gefragt: Bist du wie ich? Pfarrer Wackerbarth hat zu jeder Figur noch einige Ergänzungen: Der Engel sei der Repräsentant der Welt jenseits des Unfassbaren. „Er ist der Hinweis darauf, dass die Wirklichkeit Gottes jeden umgibt. Der Engel stellt die unsichtbare und geistliche Welt dar.“

Der Prophet hingegen zeige, dass die Weihnachtserzählung sehr alt ist. „Diese Geschichte ereignet sich im Judentum und wird von dort aus erst ins Christentum übertragen. Sie steht für die lange jüdische Tradition“, so der Geistliche.

Maria und Josef seien wiederum wichtige Akteure in der Weihnachtsgeschichte. „Maria wird mit einer Situtation konfrontiert, die sehr schwierig für sie ist. Doch sie nimmt diese an und vertraut den Worten des Engels, sie vertraut auf Gott.“

Bei Josef sei – ähnlich wie bei seiner Gemahlin – Vertrauen das zentrale Thema, denn Maria hat ihn hintergegangen. Gegen jede Vernunft bleibe er jedoch an ihrer Seite, obwohl er die Situation gar nicht ganz verstehe. „Er steht hinter seiner Maria“, bekräftigt Wackerbarth.

Der Esel, der heimliche Star des Sternenwegs 2019, ist ein typisches Lastentier. „Er steht für die vielen Lasten, die wir Menschen mit uns herumtragen. Er wehrt sich, kann störrisch sein und hinterfragt auch, ob man sich noch weitere Bürden aufladen muss“, sagt Wackerbarth. Der Außenseiter in der Runde der Krippenfiguren sei der Hirte. Er repräsentiere diejenigen, mit denen die Gesellschaft nichts zu tun haben möchte. Trotzdem kümmere sich der Hirte aufopfernd um seine Schafe. „In den Augen Gottes ist er besonders wertvoll, da er als Erster von der Geburt Jesu erfährt.“

Den Abschluss bildet die Krippe. Sie steht dafür, dass der Mensch selbst zur Krippe wird. „Man muss sich selbst als wertvoll empfinden. Nur so kann Gott seine Liebe in einen hineinlegen“, erläutert der Pfarrer.

Hergestellt wurden die Figuren mithilfe eines Plotters, eine Art großer Drucker. Zuerst habe ein Fotoshooting mit den kleinen Krippenfiguren stattgefunden, wie der Pfarrer erzählt. Die dreidimensionalen Figuren wurden fotografiert und mussten anschließend im zweidimensionalen Format vergrößert werden. Die Abzüge wurden auf aluminiumbeschichtete Platten gedruckt und entlang der Körperkonturen ausgefräst, sodass wirkliche Figuren und keine Vierecke entstehen. Zuletzt sind die sieben Ausstellungsstücke auf Sockeln verankert worden.

Ungefähr 3000 Euro hat die Aktion 2019 die Verantwortlichen gekostet. Bei der Finanzierung haben unter anderem die Erzdiözese München-Freising und die Evangelische Landeskirche geholfen. Aber auch örtliche Banken sowie die Prien Marketing GmbH (PriMa) steuerten Gelder bei.

„Ruhepunkt im lauten
und engen Treiben“

Wackerbarth zeigt sich dankbar. „Die PriMa hilft uns immer beim Auf- und Abbau und unterstützt uns viel. Es ist wirklich schön, dass so viel Hilfe da ist.“ Er ist sich sicher, dass die Figuren wieder verwendet werden. „Die sind so toll, das ist sicher nicht das letzte Mal gewesen“.

Für den Pfarrer ist die alljährliche Aktion in der Taufkapelle eine Art „Ruhepunkt im lauten und engen Treiben des Marktes“. „Man kann sich dort im gedämpften Licht hinsetzen und kommt zum eigentlichen Grund zurück, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. Es ist ein großes Glück, dass wir diese Örtlichkeit haben und nutzen dürfen“, freut sich der Geistliche.

Auf die Frage, was er sich denn für das nächste Jahr, 2020, denn wünsche, schmunzelt Wackerbarth: „Dass uns die Ideen nicht ausgehen!“

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