Frauenchiemsee – Bei ungemütlicher Witterung ging es mit der Lastenfähre „Frauenwörth“ auf die Fraueninsel. Geladen: Lieferautos der Fieranten, welche jetzt an zwei Wochenenden auf dem Christkindlmarkt ihre Verkaufsstände betrieben. An die 65 externe „Standler“ mussten so ihre Ware vom Festland zum Eiland und wieder zurück befördern. Für den Fährmann ist das Stress pur, fährt er doch im ständigen Pendelverkehr, um das Pensum bewältigen zu können.
Lange Schlangen
auf den Bootsstegen
„Ein romantisches Wintermärchen, das jedes Jahr Besucher von nah und fern begeistert“, heißt es in einem Flyer zum „Fraueninsler Christkindlmarkt“, der zum 19. Mal an den ersten beiden Adventswochenenden stattfindet. „Zu bestaunen ist bei festlicher Beleuchtung feinstes Kunsthandwerk, außergewöhnliche Geschenkideen und duftende Köstlichkeiten umrahmen den einzigartigen Inselchristkindlmarkt im Bayerischen Meer, zu dem über 90 Aussteller einladen“, betonen die Veranstalter der Prien marketing GmbH. Um dem Ansturm gerecht zu werden, befördert die heimische Schifffahrtsgesellschaft mit ihrer gesamten Flotte an zwei Wochenenden im Pendelverkehr circa 55000 Interessierte auf ein ungefähr elf Hektar großes, autofreies Eiland, auf dem das Jahr über in etwa 50 Häusern beständig um die 130 Einwohner leben. Wie kann man sich so einen „Bummel“ über den Christkindlmarkt auf Bayerns kleinster politischen Gemeinde vorstellen? Angekommen auf zahllosen Schiffen, die jeweils viele Hundert Gäste aufnehmen können, schlängeln sich Personengruppen auf extra präparierten Fußwegen über einen Großteil der Insel.
Dichtgedrängt stehen Besucher unterschiedlichster Nationen vor liebevoll geschmückten Holzbuden und versuchen einen Blick auf die zahlreich angebotenen Artikel zu erhaschen. Lange Schlangen vor wohlriechenden Imbissbuden verlangen dem Wartenden ab und an schon etwas Geduld ab.
Jetzt, nachdem die Besucher weg sind und der Alltag wieder eingekehrt ist, geht die Arbeit allerdings schon noch weiter. Im Gespräch der Chiemgau Zeitung mit den Fieranten kann man die gesamte Bandbreite von Eindrücken und Emotionen abgreifen. So war Claudia Laidlow aus dem australischen Melbourne entzückt von dem Ambiente, das der einzigartige Markt mit sich bringe. Während ein Verkäufer von „Süßgebäck“ der Meinung war, er müsse sein Angebot modifizieren, konnte ein anderer von „Strohsternen“ eine positive Kassenbilanz vermelden.
Beim Spaziergang über die Insel war immer noch ein reges Treiben zu erkennen. Zum einen waren da die „Standler“, welche mit dem Abbau und Verpacken ihrer Habseligkeiten beschäftigt waren. Zum anderen war der örtliche Bauhof damit beschäftigt, den angefallenen Müll zu entsorgen. Gemeindearbeiter Sebastian Millkreiter resümierte mit einem Schmunzeln: „In den letzten Jahren haben wir das Müllproblem von Standbetreibern und Gästen gut in den Griff bekommen“.
Um das Abreisechaos der Anfangsjahre zu vermeiden, hat man seit einigen Jahren vor dem Kassenhäusl, speziell für den Christkindlmarkt, eine Wartezone eingerichtet, die ein geordnetes Anstellen für die Rückfahrt aufs Festland gewährleistet.
Auf der Bank vor dem Insel-Ladl sitzt Hubert Niggl (91) und erzählt, dass er anfänglich von dem Spektakel auch nicht begeistert war, „aber mittlerweile fände er es gut“. Er staune immer wieder, „dass bei sovui Leut eigentlich kaum wos passiert“. Christl Groß erinnert sich, dass es anfangs auch zahllose Gegner des Marktes gab.
„Man könne den Fortschritt nicht aufhalten, auch wenn es so „Mancher“ gerne hätte“. Sie gehe gleich am ersten Nachmittag „einmal komplett über den Markt und freue sich auf einen Ingwer-Tee“. Und wenn ihr der Trubel zu viel würde, „dann fahr ich einfach weg und komme abends erst wieder zurück.“
Besucher schätzen besonderes Flair
Auf der Rückfahrt mit der Lastenfähre zog der Fährmann das Resümee, dass der Christkindlmarkt eine Bereicherung für die Region wäre. Ihn umgibt ein außerordentliches Flair. „Davon profitiere nicht nur die Insel, sondern das gesamte Umfeld inklusive Hinterland.“ Man könne es als eine wohlwollende Verlängerung der Saison betrachten. Aber: Gott sei Dank sei der Markt nur an zwei Wochenenden, „dann hat man noch zwei für die „stade Zeit“ auf dem idyllischen Eiland.