Ruhpolding –Der geprüfte Jahresabschluss 2018/2019 für den „Eigenbetrieb Chiemgau Arena“ liegt vor und daraus ist zu lesen, dass der Jahresverlust rein rechnerisch knapp 1,6 Millionen Euro ausweist. Dies teilte der Leiter des Olympiastützpunktes am Zirmberg, Engelbert Schweiger, dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung mit.
Was aber zunächst dramatisch aussehe, reduziere sich weitgehenddurch den Abzug von Abschreibungen, den Schuldendienst und den Rückbauverpflichtungen, so Schweiger.
Firmenkonstrukt
in Deutschland
bislang einzigartig
Nach einem „sehr positiven Entwicklungsprozess“ im ehemaligen Ausschuss für „Sport und Chiemgau Arena“ habe der Gemeinderat im April 2018 vorgeschlagen, den Bereich „Chiemgau Arena“ zum 1. Mai 2018 in einen Eigenbetrieb umzuwandeln. „Damit wurde ein Firmenkonstrukt geschaffen, was in ganz Deutschland bei den etablierten kommunalen Trägern von Wintersportstätten in Verbindung mit Sportgroßveranstaltungen einzigartig ist“, sagte dazu Schweiger. Mit diesem Startschuss hätten aber erst die umfangreichen Umstellungsarbeiten von der „kameralistischen Buchführung in eine Bilanzierung nach dem Handelsrecht“ richtig angefangen. Darum sei er dankbar, neben den bewährten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Gemeinde und der Chiemgau Arena, ab 1. März mit Bettina Langmeier eine neue staatlich geprüfte Bilanzbuchhalterin an seiner Seite zu haben.
Unter anderem sei durch den vom Landratsamt ausgerufenen Katastrophenfall beim Biathlonweltcup 2019 das Ergebnis zusätzlich mit über 300000 Euro durch Mehrausgaben und Einnahmeausfälle belastet worden. Trotzdem konnte Schweiger stolz vermelden: „Es wurden aus dem Haushalt der Gemeinde keine zusätzlichen Mittel benötigt.“
Erstmalig enthalten seien auch die Aufwendungen und die Investitionen in das neue Marketingkonzept in Höhe von etwas über 54000 Euro. Zudem habe es im abgelaufenen Wirtschaftsjahr erhebliche Personalveränderungen gegeben, um den neu verteilten Aufgaben gerecht zu werden. „Alle Tätigkeiten, die noch in der Gemeindeverwaltung, Bauhof, Tourist-Info oder der Ruhpolding Tourismus GmbH geleistet wurden, wurden auch mit dem Eigenbetrieb verrechnet.“
Das Anlagevermögen
beläuft sich auf rund
11,7 Millionen Euro
Zu den Daten für die Chiemgau Arena gab Schweiger bekannt, dass der Eigenbetrieb einen Umsatz von über 3,5 Millionen Euro habe und somit einem mittelständischen Betrieb zugeordnet werden könne. Das Anlagevermögen belaufe sich auf rund 11,7 Millionen Euro und das Stammkapital betrage zwei Millionen Euro.
Ein wesentlicher Bestandteil der Trainingsstättenfinanzierung seien die Zuwendungen von Bund und Land, die seit 2003 weitgehend unverändert geblieben waren, so der Leiter des Biathlonzentrums. Seit Mitte 2016 sei nun bekannt, dass es für das Jahr 2019 nach zähen Verhandlungen im Rahmen der Leistungssportreform zu einer Änderung kommen soll. Zudem seien viele Zuwendungsmittel aus bereits durchgeführten Zuwendungsmaßnahmen noch nicht ausbezahlt worden, sodass es „zu einer gehäuften Vorfinanzierung der Maßnahmen im Investitionsbereich kam“.
Auch eine erfreuliche Mitteilung konnte der Zentrumsleiter machen. „Jetzt hat das Land sich angestrengt und eine Zuwendung von rund 200000 Euro angekündigt.“ Trotz der noch nicht ausbezahlten Mittel im Bereich der Zuweisungen und den sehr widrigen Umständen beim Weltcup dieses Jahres könne das erste Geschäftsjahr bei der Umstellung von einem Regie- in einen Eigenbetrieb „als Erfolg gewertet werden“.
Natürlich sei das Gesamtergebnis aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen nicht zufriedenstellend, da das Ziel, ein ausgeglichenes Ergebnis nach Abzug der Abschreibungen zu haben, nicht erreicht wurde. „Der Verlust liegt jedoch im erwarteten Bereich“, so Schweiger abschließend.
Bürgermeister Claus Pichler betonte, dass „mit der Umstellung ein langjähriger Prozess angestoßen wurde“. Er sei zuversichtlich, dass nun Bund und Land mehr Geld in die Förderung stecken. „Hartnäckiges Verhandeln muss sich auszahlen“, meinte er.
Letztlich stellte der Gemeinderat fest, dass der Jahresverlust nicht durch die Gemeinde auszugleichen ist. Auch für den Haushaltsplan 2020 sind keine Mittelzuweisungen vonseiten der Gemeinde vorgesehen.