Prien/Chiemsee – Ihr Name: Susanne Mühlbacher-Kreuzer. Ihre Mission: alles rund ums Wasser, Sensibilisierung zum Thema Müll, Gefahrenstellen beseitigen, Unterstützung bei Grundstücksverhandlungen, der Rund- und Radweg um das Bayerische Meer und vieles mehr. Denn sie ist die neue Umweltbeauftragte des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee. „Die Umweltbildung liegt mir dabei sehr am Herzen“ verrät Susanne Mühlbacher-Kreuzer gegenüber der Chiemgau-Zeitung.
Denn Vorsorge sei das Wichtigste. Zum Wohle der Natur. Deshalb werde es auch – in Kooperationen mit Biologen und anderen Fachreferenten – Schul- und Kindergartenprojekte geben, die die jüngste Generation auf den achtsamen Umgang mit Ressourcen, Müll und Co. sensibilisieren. „Dazu gehören unter anderem Aktionen, die auf Plastik oder Müll in und am Chiemsee aufmerksam machen“, so Mühlbacher-Kreuzer. Ramadama-Aktionen gehörten ebenfalls dazu.
Erwachsene sollen
mit gutem Beispiel
vorangehen
Auch Eltern könnten hier entsprechend umsichtig agieren. „Statt der Plastik-Brotzeitbox ist die gute alte aus Edelstahl wesentlich nachhaltiger und auch robuster“, weiß die Umweltbeauftragte. Überhaupt: Was Oma und Opa hatten oder im Haushalt nutzten, sei nicht so verkehrt gewesen. „Dabei muss man nicht die Uhren zurückdrehen, sondern auf die heutige, andere Zeit ummünzen.
Aber: Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden“, so Mühlbacher-Kreuzer. Der Mehrweggedanke sei ein wichtiger Baustein der Gegenwart und für die Zukunft. Was den Chiemsee betrifft und die aktuellen Meldungen, dass es in der Hirschauer Bucht viel Mikroplastik gebe, will die Beauftragte so nicht stehen lassen. Das Problem sei allgegenwärtig. Je nach Strömung im Chiemsee würde der Müll gebündelt auftreten. „Schon bei einer Fahrt mit dem Boot schwimmt Müll an einem vorbei. Das ist schlimm. Menschen werfen beispielsweise einfach ihren Müll von Bord“, kritisiert sie scharf.
Im Abwasser- und Umweltverband Chiemsee haben sich die folgenden zehn Gemeinden am und im Chiemsee mit über 40 000 Einwohnern zusammengeschlossen: Bernau, Breitbrunn, Chieming, Chiemsee, Grabenstätt, Gstadt, Prien und Rimsting, Seeon-Seebruck, Übersee. Die Umwelt und das Klima sind Susanne Mühlbacher-Kreuzers Steckenpferde. Die 43-Jährige wohnt bei Traunstein, hat zwei Kinder und ist Diplom-Biologin. Berufliche Stationen waren unter anderem im Wasserwirtschaftsamt Traunstein bei EU-geförderten Projekten wie die Gewässerzukunft und Betreuung/Gründung von Ökomodellregionen.
So will sie Gemeindeflächen artenreicher gestalten, um etwas gegen das Insektensterben zu tun. Dabei gehe es nicht um sogenannte Blühstreifen, sondern um struppige Niedrigwiesen, die einen artenreichen Lebensraum bieten. „Die Flächen dafür zu bekommen, ist aber schwierig“, gesteht die Beauftragte ein.
Klima wiederum sei ein Thema der Zeit. Gerade in Tourismusregionen gehöre dies angegangen, da jeder mit seinem eigenen Auto anreist.
„Ein CO2-Rechner kann hier helfen, dass man sich bewusst macht, wie hoch der Ausstoß, den man erzeugt ist, und wie viele Bäume man zur Kompensation nachpflanzen müsste“, findet die Biologin. Ihr Beispiel: Wenn vier Leute in einem Auto, das 8 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht, 800 Kilometer in den Urlaub fahren. Dies bedeute 150 Kilogramm CO2, für dieses 15 Bäumen zu pflanzen wären. Denn: „Man sagt, dass ein Baum zehn Kilogramm CO2 pro Jahr kompensiert.“
Einem guten Öffentlichen Personennahverkehr komme große Bedeutung bei. In diesem Zusammenhang denkt Mühlbacher-Kreuzer an eine groß angelegte Baumpflanzaktion und sucht hierfür die geeignete Fläche. Diese müsste für mindestens 80 Jahre zur Verfügung stehen und die Bäume nicht gefällt werden.
Damit Abwasser gut aufbereitet und in den Inn eingeleitet werden kann, dafür gibt es das System der Ringkanalisation Chiemsee. In zwei Spangen von Seeon im Norden und von Chieming im Osten führt der Ringkanal teils im See, teils an Land nach Westen und läuft in Prien-Osternach zusammen. 1978 haben die Chiemseegemeinden die Initiative ergriffen und den Abwasserzweckverband zur Reinhaltung des Chiemsees mit Sitz in der Gemeinde Rimsting – zunächst als Planungsverband – gegründet (wir berichteten). Ziel war die Errichtung einer Ringkanalisation um den Chiemsee und einer Gemeinschaftskläranlage als ein Jahrhundertbauwerk des Gewässerschutzes für den 80 Quadratkilometer großen See.
Längere Zeit wurde mit der Suche nach einem geeigneten Standort für diese Kläranlage verbracht. Letztlich wurde der Standort in Stiedering, Gemeinde Rimsting, mit Ableitung des gereinigten Abwassers in den Inn gewählt.
Über 10 000
Kubikmeter
Abwasser pro Tag
1989 erfolgte die Inbetriebnahme in Anwesenheit von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Über 10 000 Kubikmeter Abwasser aus den zehn Chiemseegemeinden fließen bei Trockenwetter täglich der Kläranlage zu und werden nach strengen gesetzlichen Vorschriften gereinigt.
Das Ziel der Chiemsee-Reinhaltung von Abwasser aus Haushalten und Gewerbebetrieben ist damit erreicht – „im Interesse unserer Umwelt und zur Freude der Einheimischen wie der vielen Gäste, die den See zum Baden oder Bootfahren benutzen“, so die 43-Jährige.