Marquartstein – Nachdem der Gemeinderat im Juli beschlossen hatte, in Freiweidach im Anschluss des Wohngebietes Brandäcker in Richtung Sportplatz das genossenschaftliche Wohnprojekt zu realisieren, stimmte das Gremium in der jüngsten Sitzung im Rathaus nun für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan.
Wie Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein) vorab betonte, habe die Gemeinde durch diese Form des Bebauungsplans große Möglichkeiten, auf die Ausführung und Gestaltung des Wohnprojektes der MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen eG einzuwirken, Zudem können sie auch verhindern, „dass plötzlich Investoren eine andere Nutzung umsetzen könnten“.
Er wolle vor der Abstimmung zum Bebauungsplan nochmals die Gelegenheit nutzen, mit seinen Ausführungen einen einheitlichen Informationsstand zum Entwicklungskonzept „Am Sportplatz“ in Freiweidach mit einer Gesamtfläche von 32000 Quadratmetern zu geben, so Scheck. Der Gemeinderat habe sich mit dem Konzept Gedanken gemacht, wie die Fläche je nach Bedarf genutzt werden könnte, so Scheck. Im südlichen Bereich der Fläche sollen das MARO Wohnprojekt auf rund 4200 Quadratmetern mit 25 Wohnungen und Demenzstation und ein Teil für eine Wohnbebauung für die Eigentümerin der Fläche entstehen.
Im weiteren Verlauf Richtung Sportplatz könnten die Bereiche für Wohnen und Arbeiten sowie letztlich für das Gewerbe, das in das Gebiet passe, entstehen, erklärte Scheck weiter. Neben dem Sportheim sei das eventuell künftige Heizwerk für die Biomassefernwärmeversorgung auf 1200 Quadratmetern geplant. Nachdem es Emissionsschutzbestimmungen für Wohnbebauung zu Sportplätzen gebe, habe man sich für die angrenzenden Flächen zum Sportplatz für vier Gewerbeflächen entschieden. Die anderen Möglichkeiten wären, Lärmschutzmauern am Sportplatz zu errichten oder auch die Fläche freizulassen, so der Bürgermeister.
Es würde nicht die gesamte Fläche verplant, sagte Scheck. Bei der Nutzung der Fläche sei für ihn der Grad der Versiegelung entscheidend. Durch den Geschossbau wäre der wesentlich geringer als bei der klassischen Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern. In Marquartstein stünde im Grunde für die Gemeinde nur noch diese Fläche in Freiweidach zur Weiterentwicklung zur Verfügung und die Flächen befänden sich zum größten Teil im Eigentum der Gemeinde, sagte der Bürgermeister.
Bedenken, dass sich durch die Baukörper der vier Gebäude für das MARO Wohnprojekt die Hochwassersituation durch die Grundwasserverdrängung enorm verschärfen würde, entkräftete der Bürgermeister mit der Information, dass nur ein Gebäude mit 270 Quadratmetern unterkellert werde. Es seien bereits verschiedene Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Freiweidacher Straße realisiert worden und weiter stünden noch einige Maßnahmen an der Festenfeldstraße an, um die Flächen zu schützen.
Kreisbaumeister Rupert Seeholzer habe in puncto Ortsbild bei der Errichtung der Geschosswohnhäuser mit einer Seitenwandhöhe von 6,70 und 8,75 Metern keine Einwände, so der Bürgermeister weiter. Seeholzer befürworte auch die neue Wohnform mit dem selbstbestimmten Wohnen. Die Gebäudehöhe sei in Marquartstein nichts Neues. Bereits im 17. Jahrhundert sei das „Haus Weihrauch“ mit der entsprechenden Höhe im Geschossbau entstanden, sagte Scheck. Mit den geplanten Wohnhäusern würde man zurück zum Althergebrachten gehen. Scheck bekräftigte, dass er nach wie vor auch für den Wohnbau mit Einfamilienhäusern sei. Hier stünden rund 25000 Quadratmeter überplanter Fläche in Privateigentum in Marquartstein zur Verfügung, so Scheck.
Zur Verkehrssituation in der Freiweidacher Straße meinte Scheck, dass es sich hier um eine übergeordnete Straße, der Kreisstraße TS34, handle. Eine Verkehrsuntersuchung sei noch nicht machbar gewesen, da die konkrete Nutzung der angrenzenden Flächen, die sich im Entwicklungskonzept befänden, noch nicht festgestanden habe. Wenn das Heizwerk am angedachten Standort realisiert werde, würden im Jahr ungefähr 100 Lkw-Ladungen Hackschnitzel für die Energiegewinnung erforderlich sein. Das wären im Schnitt zwei Lkw in der Woche. Wobei es natürlich in der kälteren Jahreszeit auch mal drei Lkw sein werden und im Sommer eben nur ein Lkw, so Scheck.
Zum Größenvergleich der Heizanlage dürfe nicht der Biomassehof in Grassau herangezogen werden, sondern vergleichbare Heizwerke wie das in Grabenstätt, das an die Turnhalle angebaut sei, sagte der Bürgermeister abschließend.
Fünf Gemeinderäte stimmten gegen den Bebauungsplan
An der Abstimmung konnte Toni Entfellner nicht teilnehmen, da er als Planer für das MARO Projekt tätig ist. Der bauvorhabenbezogene Bebauungsplan für das MARO Projekt wurde mit acht zu fünf Stimmen beschlossen.
Gegen das Projekt sprachen sich die Fraktionsmitglieder der CSU/Freie Bürger, Anke Entfellner-Häusler, Franz Aigner, Hans Hacher und Josef Moritz sowie Simon Bauer (Bürger für Marquartstein) aus.
(Siehe unten stehenden Bericht).