Prien – „Cinema, Cinema“ sang einst Paola und drückte damit ein Lebensgefühl aus, das nur ein Kino mit seiner großen Leinwand vermitteln kann: eine bunte Welt mit vielen Abenteuern und Geschichten – wie Mikes Kino in Prien seit 16 Jahren. Die Institution hat jüngst wieder vom Staatsministerium für Kultur und Medien die bundesdeutschen sogenannte Prämien verliehen bekommen. Es gab 2500 Euro Unterstützung für das „ausgezeichnete Kinder- und Jugendfilm-Angebot“.
Das Paar hat
sich im Kino
kennengelernt
Die Macher dahinter sind Mike und Martina Engel. Sie teilen die Passion für die Filmstreifen und ihre Geschichten. Wo sonst, als im Kino hat sich auch das Paar kennengelernt. „Ich habe zehnmal Herr der Ringe bei Mike angeschaut und dabei bin ich ihm aufgefallen“, so Martina Engel. Dieser Lieblingsfilm sowie „Wie im Himmel“ und „The Greatest Showman“ gehören zu ihren absoluten Favoriten.
Für Mike hingegen sind es die alten James-Dean-Filme sowie „Bohemian Rapsody“. Für Letzteren hat er in mehrstündiger Arbeit eine entsprechende Lichtshow sowie die ideale Klangkulisse im Kino geschaffen. Nur noch in Prien läuft der Film als „Dauerbrenner“. Musikfilme und deren Arrangements sind Mikes Leidenschaft. „Um noch mehr die Stimmung eines Films transportieren zu können, hat Engel auch schon einmal bei einer Spezialvorführung Rauchschwaden mittels Nebelmaschine aufziehen lassen. „Ein toller Effekt, aber eine Dame dachte kurzzeitig, es brennt“, so der Betreiber. Er hat in den vielen Jahren seiner Kinoberufszeit schon sehr viele technische Veränderungen mitgemacht. „Aktuell steht die Entscheidung zwischen Lasertechnik und Plasmabildschirmen an.“ Eines davon werde wohl die aktuellen Beamer in den kommenden Jahren ersetzen. Überhaupt gelte es, immer wieder Veränderungen und Anreize im Kino zu schaffen sowie die Abnutzungen per Sanierungen verschwinden zu lassen. So habe beispielsweise allein die Digitalisierung und ein Umbau des Foyers circa 320000 Euro gekostet. Und: Die neue Bestuhlung eines Kinosaals koste zwischen 60000 und 70000 Euro.
Beste Plätze
in der Mitte
und nicht hinten
Wo sind die besten Plätze in den Sälen? Engel gibt den Tipp vom Profi: „Im Kino 1 ist es Reihe 5 Mitte oder generell die Mitte.“ In Kino 2 wiederum seien in der vordersten Reihe die Liegestühle zu empfehlen. Dort sei der Klang am besten – und nicht wie irrtümlich gemeint hinten. Vor allem sei der Kinobetrieb sehr wetterabhängig. Ab März sei das Kino nur bei Regenwetter in den Köpfen der Menschen verankert. „Ansonsten zieht sie es verständlicherweise an den See oder in Biergärten et cetera“, weiß Martina Engel. Die Vorweihnachtszeit sei ebenfalls keine Kinozeit. Es gehe erst ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag wieder richtig los. Vorher stünden Christkindlmärkte auf den Programmen. Wobei: Das Kino an Heiligabend eine besondere Aufgabe übernimmt: Mit dem Mittagsfilm soll Kindern das Warten aufs Christkind verkürzt werden und abends ab 21.30 Uhr wollen die Engels Alleinstehenden eine Anlaufstelle bieten.
45000 bis 50000 Besucher verzeichnet das Priener Kino pro Jahr. „Mit dem Kartenverkauf ist die Einrichtung nicht zu stemmen“, so Engel. Bewährt haben sich indes Aktionen. Nicht so gut angenommen wurde zwar das Elternkino am Vormittag, dafür kamen dorthin zahlreiche Senioren. Ein Renner ist indes der „Mädelsabend“. „Freundinnen erhalten zur Eintrittskarte ein Glas Sekt. Ganze Gruppen tun sich dazu zusammen und sogar Stammtische gibt es“, so Mike Engel.
Immer wieder gibt es auch Starbesuch von Regisseuren oder Schauspielern zu Previews oder Filmgesprächen. Da wird sogar der rote Teppich ausgerollt, und die Wendelsteinstraße kurzfristig zum Aussteigen der Stars gesperrt.
Auch Heiratsanträge hat es schon im Kino gegeben und Pannen. Die Schlimmste? Noch in der analogen Ära bei einem Harry-Potter-Film. 50 Meter des klassischen Bandsalats hat es gegeben. „Mit dem Bügeleisen habe ich den Film glatt gebügelt“, erinnert sich Martina Engel lachend. Aber – und das tat besonders weh: 70 bis 80 Leute mussten heimgeschickt werden.
Der Film war an diesem Abend nicht abspielbar. „Sowas will ich nicht mehr erleben“, betont Mike. Und er hat schon viel in seinem Leben erlebt. So war er Taxifahrer und Autorennfahrer. „Ich war mit Niki Lauda auf der Rennstrecke. Nicht in der Formel 1 sondern in der Formel V. Ich habe aber nur Laudas Auspuff gesehen“, lacht Engel. Er war im Eigenbau und Lauda mit einem richtigen Rennwagen unterwegs.
Von Niki Lauda
nur den
Auspuff gesehen
Von der Rennstrecke zurück ins Kino: Für 2020/2021 hofft er auf den neuen James-Bond-Film sowie die langersehnte Fortsetzung von Avatar. Ein Schmankerl plant er zum Jahresbeginn: Egal, ob Eva Norel, bei der Sendung „The Voice Senior“ gewinnt oder nicht: Er will sie auf seiner Bühne singen hören. „Ich plane ein Konzert mit ihr im Januar. Doch zunächst gibt es morgen das Public Viewing“, so Engel (siehe Kasten). Zu besonderen Anlässen gönnt sich das Paar schon einmal eine Privatvorführung nur für sich… „Dieses Erlebnis können auch Besucher haben. Denn ich spiele jeden Film, auch wenn nur ein Kunde da ist. Denn viele kommen von außerhalb und diese Besucher möchte ich nicht enttäuschen“, so Engel.