Prien – Das Handyzeitalter hat ihre Funktion überholt. Doch wenn der Akku leer ist und man abgeholt werden will, dann vermisst man sie plötzlich schmerzlich: die Telefonzelle. Vielen war sie zudem bei plötzlichen Regenschauern ein willkommener Unterstand. Aber: Vandalen trieben in ihnen und aktuell in einer der letzten Verbliebenen ihr Unwesen.
Leserin
meldet Vorfall
Eine Leserin meldete der Chiemgau-Zeitung nun den jüngsten Fall einer zerstörten Telefonzelle an der Seestraße auf Höhe der Hausnummer 111 in Prien. „Scharfe Splitter der zerstörten Scheiben ragen aus dem Rahmen der Telefonzellentür und sind eine beträchtliche Gefahr für die zahlreichen Nutzer“, beschreibt sie.
Auf Nachfrage der Heimatzeitung hieß es von Seiten der Telekom: „Die Beschädigung ist bekannt. Die Reparatur ist bereits angestoßen und wird in dieser Woche erfolgen“, so Pressesprecher Markus Jodl. Zudem soll der Standort in der zweiten Jahreshälfte in eine sogenannte Tele-Station umgewandelt werden. „Diese Stationen sind gegen Vandalismus unempfindlich“, ergänzt Jodl. Die Telefonzellen seien allerdings auf dem Rückmarsch. In der Stadt Rosenheim gibt es noch 25 öffentliche Telefone. Vermehrt werden die Telefonhäuschen samt Anlagen mangels Nutzung abgebaut. So haben schon zahlreiche Kommunen ein Schreiben erhalten, dass der Bedarf dieser „Telekommunikationsstellen“ dramatisch zurückgegangen sei.
Bei einem Ertrag von weniger als 50 Euro pro Monat könnten diese wegen Kosten, Standmiete und Reinigung nicht mehr wirtschaftlich betrieben und müssten deshalb aus dem Angebot genommen werden. In manchen Fällen – wie dem in Prien – gibt es durch eine sogenannte Tele-Station einen Ersatz. Dafür bedarf es oftmals den Beschluss eines politischen Gremiums, wie es in Bad Aibling und Feldkirchen-Westerham der Fall war. Irschenberg hingegen verlor seine Telefonzelle.
Weitere Begründung laut Telekom: Wegen der Vollversorgung mit privaten Telefonanschlüssen sowie der Ausstattung jedes Bürgers mit einem Mobiltelefon könne der ersatzlose Abbau an beiden Stellen vertreten werden.
Bargeldlose Basis
auf Stele als Ersatz
Aber:Muss die Deutsche Telekom nicht Zugang zu öffentlichen Telefondiensten gewährleisten? Ja, und dennoch widerspreche nicht das Abbauen der Telefonhäuschen dem öffentlichen Grundversorgungsauftrag. „Denn wenn die öffentlichen Telefone nicht genutzt werden, tragen sie auch nicht zur Grundversorgung bei“, so Jodl.
Die Telekom nimmt den Auftrag zur Grundversorgung wahr. Viele Telefonhäuschen werden nämlich durch Basistelefone ersetzt. Das sind einfache Telefonanschlüsse an einer Stele, ohne Häuschen, die nur noch mit Telefonkarten oder Kreditkarten funktionieren – das bargeldlose Bezahlen soll vor Vandalismus schützen. Der offizielle Name der Telefonzelle lautet im Übrigen Fernsprechhäuschen. Denn „Telefonzellen“ bezeichnen eigentlich nur die festgemauerten Zellen, die es in Hotels oder Postämtern gab.
Aktuell erfahren Telefonzellen oftmals eine Zweitnutzung: Bücherboxen sind in ihnen beispielsweise schon entstanden.