Prien/Chiemgau – Böllern an Silvester ist eine alte Tradition. Aber die heutige Entwicklung zeigt: Die Schießerei wird immer mehr und immer heftiger. Sehr zum Leidwesen für viele Bürger, Tiere und Gemeindeverwaltungen. Mögliche Folgen sind Müll, Brandgefahr, Feinstaubbelastungen oder gar Verletzungen. Auch in der Region gibt es vermehrt Argumente gegen eine Silvesterschießerei.
Die Chiemgau-Zeitung hat sich in den Gemeinden ihres Verbreitungsgebietes umgehört. Martin Plenk, Leiter des Priener Ordnungsamtes, bittet im Namen der Gemeinde, in der Silvesternacht mit der „notwendigen Sorgfalt“ zu handeln und bedeutsame Orte wie Pfarrkirche oder Friedhof zu meiden. „Das gebietet der Anstand“, so Plenk. Aber: Ein explizites Verbot gebe es in der Marktgemeinde nicht, stellt er klar.
Testlauf für
kameradschaftliches
Miteinander
Auch in Bernau gibt es kein Böllerverbot: „So etwas haben wir nicht“, sagt Irmgard Daxlberger, Geschäftsleiterin der Gemeinde Bernau. Nur im Chiemseepark sei kein Feuerwerk erlaubt. Das gleiche gilt für Traunstein: Bis jetzt gebe es keine Einschränkung in Traunstein, sagt Manfred Bulka, Fachbereichsleiter vom Ordnungsamt.
So auch das Echo aus der Rimstinger Gemeinde: „Ein Böllerverbot gibt es in dem Sinne nicht“, sagt Wolfgang Dettendorfer, „aber wir haben einen Aufruf zum freiwilligen Verzicht“. Das sei heuer ein Testlauf, sagt der Leiter des Ordnungsamtes. Ein Verbot sei seiner Meinung nach der „falsche Ansatz“.
Die Gemeinde strebe ein „kameradschaftliches Miteinander“ an, so Dettendorfer weiter. Wenn ein jeder Bürger statt 20 Raketen nur fünf kaufe, wäre schon „viel getan“. Der Verzicht auf Böller und Raketen schone die Tiere und vermeide Müll. Durch die Schießerei entstehe Lärm und eine Feinstaubbelastung, gibt Dettendorfer zu bedenken. Einem jeden Bürger sollte bewusst werden: „Ich brauche die Natur.“
Auf die Frage, ob es ein Verbot gebe, antwortete Bürgermeister Anton Baumgartner von der Gemeinde Breitbrunn mit „Nein“. Das Thema sei noch nicht im Gemeinderat behandelt worden, so seine Erklärung. In Gstadt hingegen setzt man – wie in der Gemeinde Rimsting – auf die Vernunft der Bürger: Freiwillig soll auf das Böllern verzichtet werden. Um einen freiwilligen Verzicht auf das Raketenschießen und Böller schmeißen, bittet auch die Gemeinde Grabenstätt: Sie ist dem Ökomodell Achental zugehörig. Und dieser Verbund habe sich heuer zum ersten Mal zu einem freiwilligen Verzicht entschlossen, erklärt Geschäftsleiter Peter Lex. „Die Gemeinde Grabenstätt schließt sich der Empfehlung des Gesamtvorstandes des Ökomodells Achental an.“ Mitglied dieses Vereins sind auch die Gemeinden Grassau, Reit im Winkel, Schleching, Marquartstein, Staudach-Egerndach, Übersee, Bergen und Unterwössen. Auch hier gilt: Es gibt kein Verbot, aber einen Aufruf zum freiwilligen Verzicht.
Auch in Grassau habe man einen Appell an die Bürger gerichtet, das Raketenschießen und Böller entzünden zu unterlassen, berichtet Ordnungsamtsleiterin Angelika Schablicki. So wurde es auch in den Gemeinden Marquartstein und Staudach-Egerndach geregelt: Laut Bürgermeister Andreas Scheck wurde schon einmal geprüft, ob man für Marquartstein ein Böllerverbot erlassen könne. Da es in dieser Kommune aber keine historischen Gebäude oder einen „geschlossenen Altstadtbereich“ gebe, sei ein Verbot nicht durchzusetzen. Der Müll, die Feinstaubbelastung und die Verschmutzung der Umwelt –das alles könne man aber durch einen Aufruf zum freiwilligen Verzicht verhindern. Gerade im Winter könne der Feinstaub, der bodennah hängen bleibe, der Tierwelt schaden. „Man kann das Geld auch besser einsetzen“, findet Bürgermeister Scheck.
Die Gemeinde Bergen beruft sich laut Geschäftsleiter Andreas Schultes auf das Ökomodell Achental und bittet die Bürger „freiwillig auf das Abfeuern von Silvesterraketen und Böllern zu verzichten“. Und weiter: „Wir möchten dem Beispiel der Bergsteigerdörfer Ramsau und Kreuth folgen“. Sie würden seit mehreren Jahren diese Methode praktizieren.
Vorsicht bei
historischen
Gebäuden
Laut Pressemitteilung der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen sind Raketen und Böller um Bayerns Schlösser, Burgen und Residenzen aufgrund erhöhter Brandgefahr verboten – wie auf der Frauen- und Herreninsel. Die historischen Gebäude könnten durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern gefährdet werden. Die Schlösserverwaltung fordert außerdem auf, wer in der Nähe eines Schlosses oder einer Burg feiern will, soll mitgebrachte Gläser und Flaschen wieder mitnehmen. Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, weist darauf hin, dass Feuerwerksraketen und Böller nur am 31. Dezember und am 1. Januar abgefeuert werden dürfen. „Nicht davor und nicht danach“. Andernfalls könne das Bußgelder nach sich ziehen.