Traunstein – Der landkreiseigene Pflegestützpunkt als zentrale Servicestelle mit der Hotline-Nummer 0861/58111 hat schon in den ersten Wochen nach Betriebsaufnahme im Oktober die Bewährungsprobe bestanden. Zahlreiche betroffene Bürger bekamen bereits Auskunft, wohin sie sich mit ihrem spezifischen Anliegen wenden können. Das berichtete Stützpunktleiter Frank Wegfahrt dem Kreissozialausschuss unter Leitung von Landrat Siegfried Walch.
Nach Walchs Worten fehlt noch immer der rechtliche Rahmen mit dem Bezirk Oberbayern für Pflegestützpunkte im Freistaat. Es gibt weder Vereinbarungen mit den Pflegekassen noch Durchführungsgesetze. Auf verschiedenen Ebenen existieren zahlreiche Ansprechpartner im Bereich Pflege. Die richtige Anlaufstelle schnell und unkompliziert zu finden – dabei helfe die neue Einrichtung im Landratsamt. Der Landrat zollte allen Initiatoren, darunter SPD-Kreisrätin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner und Annemarie Funke, CSU-Kreis- und Bezirksrätin, Dank. Mit Frank Wegfahrt, zuletzt in der Betreuungsstelle im Landratsamt Traunstein, vorher in einem Sozialamt in einem anderen Bundesland tätig, habe der Landkreis „einen hochqualifizierten und engagierten Leiter gefunden“.
Bislang sei telefonische Beratung der Schwerpunkt, aber auch erste persönliche Beratungen seien erfolgt, informierte Wegfahrt. Er und seine Mitarbeiter wollten Ratsuchenden Auskunft geben, sie unterstützen und begleiten. Hausbesuche seien ebenfalls geplant.
Der Pflegestützpunkt bietet Informationen
Zielgruppen seien hilfe- und pflegebedürftige Menschen aller Altersstufen und deren Angehörige, Organisationen und Institutionen im Pflegebereich, die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter in diesem Sektor sowie generell alle interessierten Bürger. Der Pflegestützpunkt biete Information und Beratung zu den unterschiedlichsten Themen, zum Beispiel den Leistungen der Pflegeversicherung und anderer Kostenträger, ambulante und stationäre Pflege, Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, Pflege und Reha-Angebote nach einem Klinikaufenthalt, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfahren und vieles mehr, so Wegfahrt. Die Bearbeitung eines Falles erfolge vertraulich und unterliege der Schweigepflicht. Nach Wegfahrt gilt der Grundsatz: „Die Beratung ist individuell, unabhängig und kostenlos.“
In Kontakt mit
vielen Netzwerken
Der Pflegestützpunkt stehe in Kontakt mit Trägern und Institutionen wie den Kliniken Südostbayern, dem Bezirk Oberbayern, privaten Anbietern, der Lebenshilfe, verschiedenen Netzwerken, mit Ehrenamtlichen, Pflegeheimen, Verbänden, ambulanten Pflegediensten sowie dem Landkreis und seinen Kommunen, führte Frank Wegfahrt auf. Er erläuterte konkrete Beispiele der bisherigen Beratung. Dabei ging es um schwerwiegende Erkrankungen, Pflegefragen, finanzielle Probleme, Hilfe im Haushalt, Tagespflege, Schulungen zur Pflege, Landespflegegeld, Geschäftsfähigkeit eines Pflegebedürftigen oder um Weigerung einer Pflegekasse, die Kosten für einen nicht zertifizierten ambulanten Pflegedienst zu übernehmen.
Ab Januar stehen weitere Vorhaben auf dem Programm, darunter die Organisation von Beratungstagen im Pflegestützpunkt beziehungsweise in den Gemeinden sowie das Einbinden von Arbeitskreisen, etwa in der Demenzstrategie. Ziele seien, den Stützpunkt bekannter zu machen, sowohl die Qualität als auch die Quantität der Beratung zu erhöhen. Der Referent schloss: „Ich will ein offenes Ohr haben für die Nöte und Sorgen der Bürger.“
Arbeit an der Basis
ist entscheidend
Von einer „Supersache“ sprach Dr. Michael Hüller (Bündnis 90/Die Grünen) und lobte insbesondere das Wort „Hausbesuche“. „Das brauchen manche Menschen, denen es richtig dreckig geht.“ „Wahre Hilfe setzt draußen an“, entgegnete Wegfahrt.
Grünen-Rätin Marianne Penn offerierte dem Stützpunktleiter einen Beratungstermin in Trostberg. „Die Arbeit an der Basis ist das Entscheidende“, meinte Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, im Hinblick auf andere Projekte. Irgendwo anrufen zu können, bedeute „Beruhigung für die Bürger“, sagte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. Die Lage des Bezirks angesichts der fehlenden Vorgaben seitens des Freistaats schilderte Annemarie Funke. Beide vorhandenen Modelle würden letztlich finanziell gefördert. „Bitte bleiben Sie dran“, gab Landrat Walch ihr mit auf den Weg und schloss: „Schön, dass wir vor dem Bezirk sind.“