Traunstein – Auf zwei Jahre angelegt ist das Förderprogramm „Gesundheitsregion Plus“ des Freistaats, mit dem der Landkreis die medizinische Versorgung und Prävention durch regionale Netzwerke verbessern will. Weiteres Aufgabenfeld ist die Digitalisierung der Medizin – mit großen Unterschieden zwischen Kliniken, den Haus- und Fachärzten sowie anderen Partnern. Im Kreissozialausschuss stellte Dr. Carina Romodov vom Gesundheitsamt als Geschäftsführerin des Projekts Einzelheiten vor.
Auch den Themen Suchtvorbeugung, Versorgung mit Ärzten, Bewegungsförderung, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit widme sich die „Gesundheitsregion Plus“, so Landrat Siegfried Walch. Im Juli habe die Geschäftsstelle ihre Arbeit aufgenommen.
Da die Landkreise in der Region 18 nicht zu vergleichen seien, wolle die „Gesundheitsregion Plus“ auf Landkreisebene arbeiten, so die Referentin. Man wolle Doppelstrukturen vermeiden, Plattformen schaffen und alle Beteiligten einbinden – etwa Ärzte, Krankenkassen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Zentrales Steuerungselement sei das „Gesundheitsforum“ mit etwa 20 Mitgliedern.
Romodov verwies auf das neu gegründete „Bündnis für Menschen mit Demenz“ und das geplante Projekt „Schlaganfalllotsen“. Ein entsprechend Ausgebildeter könne etwa 70 Personen jährlich betreuen. Weiter erwähnte sie die Projekte „Seniorengesundheit“ und „bundeseinheitlicher Medikamentenplan“.
Schon verwirklicht sei die „Netzwerkstelle Hebammen“ gemeinsam mit dem Landkreis Berchtesgadener Land.
Die Ausschussmitglieder hatten spezielle Fragen, etwa zur Medikamentenversorgung oder zum Thema der niedergelassenen Ärzte. „Kein Arbeitskreis kann bei den Medikamenten etwas erreichen. Das ist Sache der Kassen. Apotheken werden oft nicht mehr bedient“, erinnerte Dr. Thomas Graf, ÖDP.
Dr. Michael Hüller, Grüne, stellte fest: „Praxen werden aufgekauft. Manche Ärzte im Landkreis haben schon 40 Praxen. Es ist ein politischer Skandal, dass ein niedergelassener Arzt ein aussterbendes Objekt ist.“
Walch wandte ein: „Wir können das System nicht verändern. Wir müssen alle Chancen nutzen, um aus dem System das Beste heraus zu holen.“kd