Traunstein – Eine beeindruckende Bilanz der auslaufenden Amtsperiode präsentierte Landrat Siegfried Walch im Kreistag. Seit 2014 sei sehr viel erreicht worden, es müsse aber weitergehen: „Bis zum Jahr 2030 will der Landkreis Traunstein schuldenfrei sein und gleichzeitig die Kommunen weiter entlasten. Wir wollen für den Öffentlichen Personennahverkehr mehr Mittel bereitstellen können, bei der Ökologie weiter vorankommen, müssen investieren, um CO2-Neutralität zu schaffen.“
75 Millionen Euro für
Bildung investiert
Der Landrat hob in der letzten Jahresschlusssitzung vor den Kommunalwahlen im März hervor, die Kreistagsmitglieder hätten in den vergangenen fünf Jahren „das Wohl unserer Heimat immer vor Parteiinteressen gestellt“. Unglaublich viel sei umgesetzt worden: „Wir haben seit 2014 75 Millionen Euro für Bildung ausgegeben. Im sozialen Bereich ist die Zukunft der Kreiskliniken und Kreisaltenheime gesichert. Als letzter Landkreis in Oberbayern betreibt Traunstein eigene Alten- und Pflegeheime.“ Die Regionalisierung der Jugendhilfe sei durch strukturelle Veränderungen vorangebracht worden: „Das ist ein dickes Brett. Hinter jedem Euro steht ein Schicksal.“ Mit dem neuen Pflegestützpunkt warte der Landkreis nicht auf Staat und Bezirk: „Wir handeln selber.“ Der CO2-Ausstoß der Kreisgebäude sei um 80 Prozent reduziert worden – von 6000 Tonnen auf 1251 Tonnen. Ohne die Industrie mitzurechnen, werde die Energie mittlerweile zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen erzeugt. Beim Artenschutz sei der Landkreis Traunstein „nicht gegen, sondern mit der Landwirtschaft“ aktiv geworden, etwa bei dem Silphien-Projekt als Alternative zu Mais.
Weiter verwies der Landrat auf „Rekordinvestitionen“ von 150 Millionen Euro seit 2014 bei gleichzeitiger Senkung der Kreisumlage um 5,5 Prozentpunkte. Die Kreisschulden hätten sich mit 38,1 Millionen Euro fast halbiert, lobte Walch den Kreistag. Eine Aufgabe der Zukunft sei der ÖPNV: „Wir wollen mit dem Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land beweisen, dass wir in der Lage sind, einen gescheiten ÖPNV zu schaffen.“
Die sozialen Aspekte in der Region dürfe man auch nicht aus den Augen verlieren, unterstrich Walch. Das neue Chiemsee-Hospiz werde bald als wichtige Einrichtung für Traunstein und die anderen Landkreise in Betrieb gehen.
Mit dem Neubau des Kreisaltenheims Palling entstünden weitere bezahlbare Plätze sowie ein Tagespflegeangebot. Wenn die solitäre Kurzzeitpflege am Krankenhaus Trostberg funktioniere, werde man sie an anderen Standorten ebenfalls installieren. Dazu der Landrat: „Ein Patient, der aus der Klinik entlassen werden muss und noch keinen Reha-Platz hat, wird nicht auf die Straße gestellt, sondern verlegt.“ Über die Wohnungsbaugesellschaft realisiere der Landkreis selbst neuen Wohnraum. Im ersten Wurf habe der Kreis dafür 33 Millionen Euro investiert – auch für das Personal an seinen Kliniken.
Campus Chiemgau
als „Leuchtturm“
Weiterhin wolle der Landkreis in Bildung investieren, betonte Walch. Der Neubau der Realschule Trostberg laufe bereits, ebenso die Sanierung mit „Fast-Ganz-Neubau“ der Berufsschule I in Traunstein. „Lehre und Ausbildung sind die Grundlagen des Wohlstands in der Region. Wir gehen einen Schritt weiter. Wir wollen mit dem Projekt ‚Campus Chiemgau‘ mit Verzahnung von beruflicher und akademischer Bildung der Leuchtturm der beruflichen Bildung werden.“ Dabei habe der Kreis starke Partner an Bord: die Technische Hochschule Rosenheim, die Handwerkskammer, die eine neue Handwerksakademie mit dem gesamten Portfolio verwirkliche, und viele andere, darunter die Industrie- und Handwerkskammer.
Kreis beschäftigt
3000 Menschen
59 Sitzungen der verschiedenen Kreisgremien im Jahr 2019 rief Landratsstellvertreter Sepp Konhäuser, SPD, ins Gedächtnis. Durch die eigenen Gesellschaften könne der Kreis viel erreichen. Dessen Erfolgsbilanz dürften sich alle Kreisräte zuschreiben.
Im Namen der Bürger, des Kreistags, der 670 Mitarbeiter des Landratsamts und der mit den kreiseigenen Gesellschaften insgesamt etwa 3000 Beschäftigten dankte Konhäuser dem Landrat. Mit seiner „letzten Rede als Bürgermeister-Sprecher“ rundete Konrad Schupfner, CSU, im Namen des Bayerischen Städte- und Gemeindetags die Weihnachtssitzung ab.