Es geht alles nach seiner (Orgel)-Pfeife

von Redaktion

Ein musikalisches Treffen mit Sebastian Weyerer – Organist, Komponist und Chorleiter

Prien – Die Musik ist sein Leben. Wenn er Texte liest, erklingen diese „irgendwie“ in ihm, sagt er. Mit der Chiemgau-Zeitung gab es nun ein ganz besonderes Wiedersehen in Rimsting: Er „traf“ die ehemalige Orgel der Priener Kirche, an der er 50 Jahre lang spielte, und fühlte sich an den drei Manualen gleich wieder wie zu Hause. Das Instrument hat eine besondere Reise hinter sich und wurde vollständig saniert (Bericht folgt).

Für Weyerer haben Orgeln ihre eigenen Klangfarben. So ist seine „Hausorgel“ auf der Herreninsel 1668 erbaut. Das frisch restaurierte Instrument gehört zu den ältesten Orgelwerken Bayerns. Die Jahreszahl 1668 und einige Baumerkmale deuten Experten zufolge auf eine Urheberschaft des Salzburger Orgelmachers Mathias Rotenburger hin. „Diese Historie spiegelt sich regelrecht auch im Klang“, so Sebastian Weyerer. Und dieser ist so wichtig in allem, was er tut.

Klangerlebnisse
schaffen und
bescheren

Ein Klangerlebnis soll deshalb das nächste Weihnachtskonzert auf der Herreninsel am Sonntag, 5. Januar, werden. Dabei gibt es Musik aus verschiedenen Stilepochen von Weyerer an der Orgel sowie den „Chiemgauer Flötentönen“, einer Gruppe von neun Frauen, die sich vom Sopranino bis zum Bass alle der Blockflöte verschrieben haben. Das Besondere in der Vorbereitung auf dieses Konzert: Organist und Flötistinnen proben getrennt voneinander. Erst kurz vor der Aufführung wird einmal der gemeinsame Part durchgegangen.

Bis dahin übt der 78-Jährige täglich circa eine halbe Stunde. Außerdem hat sich Weyerer aus anderen Werken und mit eigener Überarbeitung seinen melodischen Part für den Zug der Heiligen Drei Könige ausgedacht. Da hört man regelrecht die Karawane langsam und behäbig vorbeiziehen und bei orientalischen Klängen Bethlehem immer näher kommen. Dabei wird die Musik bis zur Huldigung des Christuskindes immer festlicher. „Mir ist es wichtig, Bilder tonmalerisch darzustellen“, skizziert Weyerer ein Steckenpferd seiner Kompositionskunst.

Apropos: Die neuesten Werke aus seiner Feder, beziehungsweise seinem Bleistift auf Notenpapier haben am Katharinentag a cappella Uraufführung gefeiert. Dies waren das Kyrie, das Gloria und das Sanctus und Agnus dei aus Weyerers Messe „Missa jubilate deo“. Es fehlt bis dato: das Credo. „Daran arbeite ich aber schon. Schließlich soll im Frühjahr eine CD mit der vollständigen Messe aufgenommen werden“, so der Priener. Der Aschauer Pfarrer habe zudem schon Interesse bekundet, dass das Werk in seiner Kirche auch aufgeführt wird. Ein Wunsch Weyerers wäre es, hierzu Bartholomäus Prankl, Rimstings Kirchenmusiker, gewinnen zu können.

Doch die Uraufführung des Credos wird einem anderen Publikum vorbehalten sein: Der Ludwig-Thoma-Chor fährt im Frühjahr nach Brixen und wird es dort im Kloster Neustift erstmalig intonieren. „Ich muss zügig mit den Arbeiten am Credo fertig werden, damit nach der Winterpause ab 1. Februar der Chor mit dem Üben des Stücks anfangen kann“, so Weyerer. Aus seiner kompositorischen Tätigkeit spricht eigenen Angaben zufolge auch „die Liebe zur Chormusik“. Sind die Werke per Bleistift zu Papier gebracht, bringt sie Karlheinz Zintl per Computer in Form.

Dabei könne es durchaus sein, dass er zwei Stunden vor einem leeren Notenblatt säße und „von der Muse nicht geküsst werde“, oder aber aufwacht und eine Idee in sich erklingen hört. „Zuhörer sagen mir immer, sie erkennen meine Werke. Ich baue aber nicht bewusst irgendwelche Erkennungsmerkmale in meine Kompositionen ein“, so Weyerer. Ihm ist es wichtig, da er meist geistliche Stücke schreibt, dass er auf die Tradition der Werke und der Musik aufbaue, aber durchaus auch Schritte in die Moderne wagt.

Spannung und
Entspannung müssen
sich die Waage halten

„Spannung und Entspannung müssen sich die Waage halten. Auch schräge Töne gibt es bei mir, aber sie werden aufgelöst“, so Weyerer. Vorbild hierfür sei niemand Geringerer als Wolfgang Amadeus Mozart.

Sebastian Weyerer absolvierte seine musikalische Ausbildung bei den Regensburger Domspatzen unter Domkapellmeister Theobald Schrems, wo ihm auch Professor Franz Lehrndorfer den ersten Orgelunterricht erteilte. Nach dem Abitur studierte er an der staatlichen Hochschule für Musik in München die Fächer Schulmusik und Sologesang.

Bis 2006 war Weyerer als Musikerzieher am Ludwig- Thoma-Gymnasium (LTG) in Prien tätig. Aus dem damaligen Schulchor entstand zusammen mit Freunden und Kollegen des Chorleiters der Ludwig-Thoma-Chor. Die Gründung des gemischten Chores mit rund 40 Mitgliedern erfolgte 2004. Ein Schwerpunkt der Chorarbeit liegt auf dem Gebiet der geistlichen Musik. Kleine Konzertreisen führten den Chor nach Ungarn, Slowenien und Italien.

Weihnachtskonzert auf der Herreninsel

In der kleinen Kirche auf der Herreninsel findet am Sonntag, 5. Januar, um 15.30 Uhr ein besinnliches Weihnachtskonzert statt. Die Musik aus verschiedenen Stilepochen kommt von den „Chiemgauer Flötentönen“, einer Gruppe von neun Frauen, die sich vom Sopranino bis zum Bass alle der Blockflöte verschrieben haben. Die Textbeiträge werden von Pfarrer Andreas Münck gesprochen. Auf dem barocken Orgel-Positiv von 1668 spielt Sebastian Weyerer unter anderem den Zug der Heiligen Drei Könige. Die Gesamtleitung dieses Klangerlebnisses hat Claudia Judex.

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