Breitbrunn – „Wir ziehen daher so spät in der Nacht, denn heut ist die heilige Klopfernacht“. Mit dieser Strophenzeile aus dem Buch „Weihnachtslieder“ vom „Kiem Pauli“ von 1951 beginnt ein Lied, dass die Kinder beim traditionellen Klopfersingen vortrugen. Meist üben heutzutage Kinder den Brauch aus, der in Altbayern und dem benachbarten Österreich sowie der Schweiz verbreitet ist. Dabei soll es sich anfänglich um einen Brauch der Erwachsenen gehandelt haben.
Kinder heute
letztmalig
für 2019 im Einsatz
An drei Donnerstagen, letztmalig heuer heute, gehen die maskierten Trachtenkinder in kleinen Gruppen zwischen den Adventssonntagen in den frühen Abendstunden nach Einbruch der Dämmerung von Haus zu Haus und singen „Liadl“. Dafür bekommen sie Süßigkeiten und gegebenenfalls einen kleinen Obolus, der dann in der Regel einem wohltätigen Zweck zugeführt wird. Liegt ein Donnerstag nach dem „heiligen Andreas“ , also eine Woche vor Weihnachten, darf nicht „klöpfeln“ gegangen werden, denn es heißt, da ginge „da Deifi“ mit. Über den Ursprung des Brauchs scheiden sich die Geister. So soll das „Anklöpfeln“ im Ursprung ein heidnischer Orakelbrauch gewesen sein, der wichtige Ereignisse des neuen Jahres vorhersagen sollte. Nach Altväterglauben ist gerade in der unmittelbaren Zeit vor dem Christfest „die Unterwelt besonders aktiv“, bis schließlich durch die Geburt Jesu „die Erlösung von allem Bösen“ erfolgt.
Die finsteren Gestalten wurden von den Bauern immer erwartet, da nach altem Aberglauben die „Klöpfer“ Geister und Dämonen vertrieben, die in den längsten und dunkelsten Nächten des Jahres unterwegs waren.
Frühe Losbücher wiederum beschreiben, dass die Wurzeln des „Anklöpfelns“ bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreichen. Zu jener Zeit soll es eher ein Glückwunsch-Ritual zum neuen Jahr und somit ein weltlicher Brauch gewesen sein. Damit wurde erkundet, was das kommende Jahr an „Glück oder auch Unglück“ bringt. Eine Legende besagt: „Wer zur richtigen Stunde an Stallwände klopfe, höre die Haustiere von den Toten des kommenden Jahres reden“.
Ein Klöpfellied versprach eine gute Ernte und Gesundheit für Haus und Hof. Meist war das Klöpfeln den Hirten und Armen eines Dorfes vorbehalten, die ihre Gesichter schwärzten, um nicht erkannt zu werden. Von der Bäuerin wurden sie nach den Glück- und Segenswünschen mit allerlei Essbarem wie Eiern, Fleisch und Mehl beschenkt.
Nach und nach wandelte es sich zum „Heischebrauch“ (Erbitten von Gaben) von Kindern in das christliche Brauchtum sowie in die vorweihnachtliche Tradition der Adventszeit, beschrieb es Johannes Boemus 1520 erstmals. Da „Betteln“ nicht gerne gesehen war – es galt als unchristlich und verstieß gegen den öffentlichen Anstand – hat man es immer wieder verboten beziehungsweise eingeschränkt. Im Zuge der Gegenreformation kam es zur christlichen Ausformung und nach Ende des Zweiten Weltkriegs erinnerte man sich wahrscheinlich wegen der Hungersnot wieder an diesen Brauch.
Bewusster
Gegentrend zu
Halloween und Co.
Seit vielen Jahren sind auch in Breitbrunn wieder Kinder und Jugendliche unterwegs, um sich mit der Pflege dieses alten Brauchs gegen moderne Einflüsse zu stellen. Den Trachtlern als Initiatoren ist es ein Anliegen, dass man „bei uns Klopfasingt“, während andernorts zum Beispiel „Halloween“ praktiziert wird.
Das Ergebnis der Klöpfelkinder vom Trachtenverein kann sich sehen lassen. Die fünf Gruppierungen hatten gut 980 Euro eingesammelt und mit dem eigenen Taschengeld auf 1000 Euro aufgestockt. Ihre Einnahmen spendeten die Kinder an das „Benedetto-Menni-Nest“, eine betreute Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Behinderung in Aschau.