Prien – „Meine Mitschüler haben mich früher immer als ‚Orgelpfeife‘ aufgezogen“, erinnert sich Aaron Voderholzer. „Aber ab der zehnten Klasse fanden die mein Orgelspiel dann doch ganz gut“, schmunzelt der 19-jährige Priener. Die Liebe dazu entstand aus vielen Kirchenbesuchen und seinen Fußballaktivitäten. „Eigentlich wollte ich Schlagzeug spielen, aber das haben mir meine Eltern verboten. Wir sind eine sehr christliche Familie und waren darum öfters in der Kiche. Dort habe ich auch immer die Orgel spielen gehört und wollte das selbst mal ausprobieren.“
Dass man bei diesem Instrument nicht nur mit den Händen, sondern auch mit den Füßen spielt, habe den Priener besonders fasziniert. „Da ging wohl der Fußballer mit mir durch“, lacht er. Viele Jahre lang habe er immer gleich nach der Schule 30 bis 60 Minuten seine Stücke geübt. Meistens geschah das in der evangelischen Kirche in Prien, manchmal auch in der katholischen Kirche am Marktplatz. In der evangelischen hat er mit elf Jahren seinen ersten Gottesdienst gespielt und ist dort seit Langem ein regelrechter Star.
Klavierspielen im
Alter von fünf Jahren
begonnen
Voderholzer betont, dass ihn seine Familie und vor allem seine Orgellehrer auf seinem Weg unterstützt haben. „Meine Eltern wollten meine Geschwister und mich musikalisch erziehen. Wir Kinder haben aber eigentlich schon immer alles sehr selbstständig organisiert, wir wollten musizieren.“
Mit fünf Jahren hat er mit dem Klavierspielen begonnen. Das war damals noch in Freiburg, wo Voderholzer und seine beiden Geschwister geboren sind. Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie nach Prien, damit die Kinder das dortige Gymnasium besuchen konnten. 2018 hat der zugezogene Priener dann das Abitur mit der Traumnote 1,0 abgelegt. 2017 ist der 19-jährige Jungstudent an der Musikhochschule in München geworden. Zwei Jahre zuvor hatte er begonnen, dort privaten Musikunterricht zu nehmen. „Meine Orgellehrer haben mich damals an der Hochschule den Professoren empfohlen und so bin ich zum Privatunterricht gekommen. Für das Jungstudium musste ich eine Aufnahmeprüfung ablegen und ein Stück auf der Orgel vorspielen“, erklärt der Priener.
Jetzt studiert er an der Musikhochschule fest im dritten Semester – und zwar das Konzertfach Orgel. Es sei ein künstlerisches Musikstudium, kein geistliches, und das Bachelorstudium dauere auch nicht wie üblich drei, sondern vier Jahre.
Neben den Orgelstudien werde er vielleicht noch das Fach Medizin dazunehmen – „um sich so ein zweites Standbein zu schaffen“. Da seine Eltern Ärzte sind, kam er schon früh mit dem Thema in Kontakt und habe sich schon immer dafür interessiert. „Meine Eltern fänden es auch nicht so toll, wenn ich nur Organist werden würde. Es ist doch sehr schwer, sich im musikalischen Bereich zu etablieren“, meint der Student.
Schiedsrichter,
Fußballer, Abiturient
und Organist
Neben dem Orgelspielen und der Schule war der 19-Jährige auch sonst sehr aktiv. Er ist Fußballer und Schiedsrichter und hat nach dem Abitur noch eine Skilehrerausbildung gemacht. „Vor allem in der Abi-Zeit war alles ziemlich stressig. Ich bin einmal pro Woche zu Musikhochschule nach München, musste Orgel üben und für die Abiturprüfungen lernen. Am Wochenende habe ich schon manchmal etwas mit Freunden gemacht, aber das ist in dieser Zeit definitiv zu kurz gekommen“, gibt der 19- Jährige zu.
Trotz seines jungen Alters ist Voderholzer schon ein vieldekorierter Organist. 2018 wurde er mit dem zweiten Bundespreis bei „Jugend musiziert“ ausgezeichnet – nur eine Woche nach dem schriftlichen Abitur. Außerdem bekam er im selben Jahr den Kulturförderpreis des Landkreises Rosenheim. Als er mit 13 Jahren die evangelische kirchenmusikalische D-Prüfung ablegte, war er der Jüngste, der dies in Bayern zu diesem Zeitpunkt je geschafft hatte. Die C-Prüfung, das Höchste, was man außerhalb des Studiums machen kann, folgte zwei Jahre später.
Die Technik, die Orgel gleichzeitig mit Händen und Füßen zu spielen, sei im Unterschied zum Klavier am Anfang etwas schwierig gewesen. Außerdem müsse man im Kopf behalten, dass die Orgel ein mechanisches und kein dynamisches Instrument ist, gibt Aaron Voderholzer zu bedenken. „Die Orgel ist eine Maschine mit Motor. Dieser bläst Wind in die Pfeifen, woraus dann der Ton entsteht. Die Kunst ist also eigentlich, dieser Maschine, der Orgel, Musik zu entlocken.“ Laut Voderholzer ist ein Unterschied gegenüber dem Klavier die gleichbleibende Lautstärke der Töne. Da sei es egal, wie fest die Tasten gedrückt werden. Außerdem verklinge der Ton mit der Zeit nicht wie beim Klavier, denn durch den Tastendruck wird ein Ventil geöffnet, durch das Luft in die Pfeife strömt.
Wegen diesen Unterschieden ist laut dem Musikstudenten die Agogik, die individuelle Gestaltung des Tempos, beim Orgelspiel besonders wichtig. Das Instrument besitzt nämlich keine dynamischen Fähigkeiten.
Jede Orgel hat
ihren eigenen
besonderen Charakter
In Bezug auf Technik hat der Musikstudent einiges auf Lager. „Eine Besonderheit ist, dass es bei der Orgel extrem viele Möglichkeiten bei der Klangfarbe durch die verschiedenen Register gibt. Zusätzlich sind die Pfeifen unterschiedlich gebaut, sodass sie zum Beispiel wie eine Oboe oder ein Cello klingen. Man hat bei der Orgel quasi mehrere Instrumente in einem.“ Zum Thema Charakter weiß er, dass jede Orgel einen anderen hat. „Das nimmt man im Unterbewusstsein schon wahr, jedes Instrument tickt anders. Romantische Orgeln klingen beispielsweise anders als barocke.“ Beeindruckt zeigt er sich von der Orgel im Freiberger Dom in Sachsen, auf der er letztes Jahr spielen durfte. „Das war ein tolles Erlebnis. Die Orgel ist international bekannt und wird als eine der besten der Welt gehandelt. Das war schon sehr, sehr cool“, schwärmt der Musiker.
Orgelkonzert
in Irland für
Anfang Juni geplant
Ein Lieblingsstück hat Aaron Voderholzer auch. Es nennt sich „Fantasie KV. 508“ und stammt aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart. Das sei musikalisch auch das Schwerste, was er bisher gespielt hat. Ansonsten seien Choralfantasien von Max Reger immer sehr schwer und Stücke vom Orgelklassiker Johann Sebastian Bach auch nicht die leichtesten.
Die Zukunft hält für Voderholzer einiges bereit. Anfang Juni 2020 wird er zusammen mit einem italienischen Kollegen ein Konzert im nordirischen Belfast geben. „Diesen Sommer habe ich bei einem Wettbewerb für junge Organisten in Irland mitgemacht und dort einen Kontakt geknüpft. So bin ich zu diesem Konzert gekommen“, erzählt der Priener. Außerdem gibt er in Rosenheim im Frühjahr zwei weitere Orgelkonzerte.