Unterwössen – In der aktuellen Gemeinderatssitzung gab Dr. Thomas Gritsch vom TÜV Süd eine Immissionsprognose der möglichen Mobilfunkstandorte in Oberwössen ab. Er stieß auf reges Interesse der Zuhörer vor allem aus den Ortsteilen Ober- und Hinterwössen „Es ist immer eine Schere zwischen dem Streben nach guter Netzabdeckung und der Sorge gegenüber gesundheitsschädlichen Immissionen“, so der öffentlich bestellte Sachverständige für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit. „Seit Jahren erarbeite ich solche Prognosen und wäre froh, ergäbe sich dann ein so klares Bild wie in Oberwössen.“
Ausreichende Versorgung wichtig
Ein klares Bild sahen auch die Gemeinderäte, wenn es um den künftigen Standort des geplanten 25 Meter hohen Mobilfunkmastens geht. Sie folgten dem Gutachten und sprachen sich einstimmig für einen Standort bevorzugt auf der Parzelle 591, alternativ auf den Parzellen 589, 590, 599 aus. Parzellen, die alle im Umkreis von 80 Metern auf dem Sonnenbichl liegen.
Eine ausreichende Mobilfunkversorgung ist in weiten Teilen von Oberwössen, Hinterwössen und Brem nicht gegeben.
Die derzeitige Mobilfunkversorgung mit Breitbanddiensten wie UMTS (3G) und LTE (4G) sind aufgrund der Talkessellage von Ober-, Hinterwössen und Brem mangelhaft. Eine Versorgung innerhalb der Gebäude ist derzeit in einem Großteil der Gebäude gar nicht gegeben.
Die Telekom plant seit Januar 2019 eine Mobilfunkanlage für Oberwössen. Neben dem bestehenden Telekom-Standort am Spielplatz würden die anderen Standorte im baurechtlichen Außenbereich wegen des öffentlichen Interesses privilegiert. Den betroffenen Gemeinden bleibt nur eine eingeschränkte, baurechtliche Möglichkeit über das gemeindliche Einvernehmen Einfluss zu nehmen. Die Genehmigungsbehörde für solche Anlagen ist hier das Landratsamt Traunstein.
Um Einfluss nehmen zu können, hat der Gemeinderat im Januar das Mitwirkungsangebot der Telekom angenommen, ihre eigenen Interessen und Gesichtspunkte einzubringen. Die Standorte können aber nicht willkürlich gewählt werden, sondern müssen funktechnisch und wirtschaftlich geeignet sein. So schieden Lackenbergwand, Glockenbichl, Campingplatzhöhe und der Wald über dem Sonnenbichl aus funktechnischen Gründen aus. Auf dem Sonnenbichl haben zwischenzeitlich vier Eigentümer ihre Grundstücke als möglichen Standort angeboten. Unter Berücksichtigung des Standortes Kinderspielplatz und der Standorte auf dem Sonnenbichl erstellte Dr. Gritsch seine Immissionsprognose. 31 Seiten stark ist das unserer Zeitung vorliegende Immissionsgutachten Mobilfunk. Zusammengefasst ergibt sich, dass der Standort am Spielplatz für den Ortsteil Brem keine vernünftige Versorgung bringt.
Alle Standortalternativen am Sonnenbichl sind dagegen jeweils für einen 25 Meter hohen Masten geeignet, die drei Ortsteile Oberwössen, Hinterwössen und Brem mit hoher Qualität zu versorgen. Im Erstausbau plant die Telekom zwei Funksysteme am Mast. Die werden im Umfeld der Standortspielplatz im Maximum 10,7 Prozent vom Grenzwert der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) im Osten von Hinterwössen erreichen, berechnet Dr. Gritsch. Die Betrachtungsweise für die Ortsteile Ober-, Hinterwössen und Brem liegt zwischen 0,9 Prozent und 5 Prozent vom Grenzwert. Im Maximum würden 15,4 Prozent vom Grenzwert im Osten von Hinterwössen erreicht. Die mittlere Betrachtungsweise für die Ortsteile Ober-, Hinterwössen und Brem steigt auf 1,2 Prozent bis 6,7 Prozent vom Grenzwert.
Ringen um Einhalten der Grenzwerte
Dagegen werden die deutschen Grenzwerte für alle vier Standorte am Sonnenbichl mit Sicherheitsabstand eingehalten. Sogar die strengen Schweizer und Österreicher Vorsorgewerte in Höhe von fünf Volt/Meter an der nächsten Bebauung halten die Masten Alternativen durchgängig ein. Der Sachverständige empfiehlt, die Anlagen so einzurichten, dass sowohl die höchsten Werte wie die der mittleren Betrachtungsweise an der nächsten Bebauung von Hinterwössen aber auch Oberwössen deutlich reduziert werden.
Das gehe zwar zum Teil zulasten des Ortsteils Brem. Dessen Emissionsbelastung bliebe noch unter der der anderen Ortsteile. Nach Auskunft der Gemeinde ist die Erschließung für den Standort am Spielplatz und den Alternativstandort am Flurstück 591 gesichert.