„Man sieht nur mit dem Herzen gut“

von Redaktion

Eine Ereignisreise 2019 haben die Kinder und Erzieherinnen des Kinderhorts „Wirbelwind“ in Prien hinter sich: Sie verarbeiteten Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der Kleine Prinz“ in einem Bilderbuch und einem Hörspiel. Die Ergebnisse können sich sehen und hören lassen.

Prien – Schon beim Betreten des Caritas-Kinderhortes „Wirbelwind“ am Priener Bahnhofsplatz springen die bunten und aufwendig gestalteten Planetenkugeln sowie die mit blauen Tüchern und Lichterketten gebaute Himmelskulisse ins Auge. Mitten drin sitzen Stofffiguren wie der kleine Prinz selbst oder sein Freund, der Fuchs. Die Hortkinder erklären stolz, dass sie die Planeten, die in der Erzählung „Der Kleine Prinz“ vom französischen Autor Antoine de Saint-Exupéry eine zentrale Rolle spielen, alle selbst gebastelt haben.

Luftballons,
Pappmaché und Farbe

„Wir haben dafür Luftballons und Pappmaché verwendet und die Planeten anschließend mit leuchtenden Acrylfarben in unserer Bastelwerkstatt angemalt. Die jeweiligen Bewohner der Planeten sind dann später oben drauf befestigt worden“, ergänzt Hortleiterin Brigitte Mrasek. Das große Projekt rund um den kleinen Prinzen beschäftigte den Hort ein ganzes Jahr. Anfangs seien die 20 Kinder erst einmal an die Geschichte des französischen Schriftstellers herangeführt worden, und zwar mit der Leseratte „Rudi Ratz“. „Die Buben und Mädchen lieben ihren Rudi. Wir Erzieherinnen haben das Stofftier benutzt, um den Einstieg in die Geschichte zu erleichtern und den Kindern den Anfang interessanter zu machen“, erläutert Erzieherin Andrea Koerner. „Wir haben als Überraschung eine kleine Bühne aufgebaut, ein Bühnenbild angefertigt und die notwendigen Figuren gekauft. Dann wurde den Hortkindern jede Woche ein Kapitel aus dem „Kleinen Prinzen“ von uns vorgelesen und vorgespielt.“ Das hat der achtjährigen Denise aus Prien besonders gut gefallen. „Andrea und Brigitte haben das sehr gut gemacht“, befindet sie.

Die Giftschlange
wurde weggelassen

Danach spielten die Kinder mit den Figuren und Requisiten die Geschichte selbst nach und schossen dabei Fotos. „Begleitend zur Geschichte haben wir dann die Planeten angefertigt und sie in der Garderobe ausgestellt“, so Mrasek. Aus den Fotos ihrer Schützlinge sei dann ein Bilderbuch entstanden. Die Texte für das Buch und die Hintergrundlayouts hat die Hortchefin selbst erstellt. Allerdings habe sie die Begegnung des kleinen Prinzen mit der Giftschlange – sowohl im Bilderbuch als auch im Hörspiel – weggelassen. „Wir haben im Team beschlossen, diese Begegnung und letztendlich den tödlichen Biss der Schlange zu streichen. Die Entscheidung des Prinzen für seinen Tod soll nicht die Botschaft an die Kinder sein, sondern es soll ihnen Freundschaft und Menschlichkeit vermittelt werden.“

Anschließend wurde das Büchlein in einer lokalen Druckerei gedruckt und gebunden. Jedes Kind hat eines mit nach Hause bekommen. Der neunjährigen Emma aus Prien hat das Projekt gut gefallen. „Ich mag es, lange an etwas zu arbeiten und wir haben uns wirklich oft damit beschäftigt“, sagt sie.

Im Hort hat man viel Erfahrung mit Großprojekten. „Wir haben schon immer viel mit den Kindern gemacht“, berichten Koerner und ihre Kollegin Mrasek. Die beiden sind seit den Anfängen des Kinderhorts im Frühjahr 1991 als Erzieherinnen dabei.

Die Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren kommen nach der Schule, erhalten ein warmes Mittagessen sowie Hausaufgaben- sowie Freizeitbetreuung. Sie dürfen draußen spielen und viele verschiedene Projekte mitgestalten, wie zum Beispiel die Abenteuerkrimikomödie, die sie zusammen mit ihren Erzieherinnen vor einiger Zeit gedreht haben.

Das Bilderbuch mit dem kleinen Prinzen ist nicht das einzige, was in diesem Jahr im „Wirbelwind“ Kinderhort kreiert wurde. Zusätzlich wurde ein Hörspiel mit der Geschichte angefertigt. „Nachdem die Kinder mit der Geschichte vertraut waren, haben wir Arbeitsgruppen gebildet und Sprechproben gemacht. Dann wurde das Ganze mit Mikros aufgenommen. Wir haben zwei CDs produziert, damit jedes Kind auch eine Sprechrolle bekommt“, führt Mrasek aus. Die Aufnahmen seien anschließend mit einem speziellen Computerprogramm von ihr mit der passenden Musik zusammengeschnitten worden. Als nächstes wird im Frühjahr 2020 ein Schattenspiel mit der Geschichte des kleinen Prinzen einstudiert und den Eltern vorgespielt.

„Die Gruppe hat die Geschichte wirklich verstanden und daraus etwas mitgenommen. Das hat man besonders bei den Hörspielaufnahmen gemerkt. Die Kinder haben den Sinn der Erzählung erfasst, sonst hätten sie die Texte nicht auf diese Weise sprechen können“, freut sich die Chefin.

Freundschaft und
Menschlichkeit zählt

Kollegin Koerner fügt hinzu, dass beide Erzieherinnen „mächtig stolz“ auf ihre Schützlinge seien. „Das war schon sehr toll“, meint sie. Dieser Meinung ist auch die Prienerin Laura. Die Siebenjährige, die bei den Aufnahmen den Laternenanzünder gesprochen hat, findet die Geschichte des kleinen Prinzen schon an sich „sehr schön“. Außerdem habe sie die Freundschaft des Prinzen mit dem Fuchs an ihre eigenen Freunde erinnert.

Die Auseinandersetzung mit Dingen wie Freundschaft und Menschlichkeit war für Hortleiterin Mrasek besonders bedeutend. „Es war uns wichtig, dass wir den Kindern einige der Lebensweisheiten aus dem Buch auf ihren Weg mitgeben können.“ Eines der schönsten Beispiele für solch eine Weisheit ist diese sehr bekannte Lehre aus dem „Kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

„Der Kleine Prinz“

„Der Kleine Prinz“ ist eine mit eigenen Illustrationen versehene Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry. Sie erschien zuerst 1943 und wird oft als modernes Kunstmärchen bezeichnet sowie als Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit interpretiert. Im Buch muss ein Pilot in einer Wüste notlanden, wo er dem kleinen Prinzen begegnet. Dieser erzählt dem gestrandeten Piloten von den Stationen seiner Reise auf dem Weg zur Erde. Er hatte auf der Suche nach Freunden sechs Planeten besucht, von denen jeder das Lebensfeld eines ichbezogenen Menschen darstellt. So trifft er zum Beispiel einen König, der ein fiktives Reich beherrscht und einen Eitlen, der den Prinzen als seinen Bewunderer sieht. Auf der Erde trifft der Prinz am Schluss eine Giftschlange, die ihm bei der Rückkehr in seine Heimat helfen möchte, und einen Fuchs, der ihm seine Freundschaft schenkt. Die Erzählung endet mit dem Tod des kleinen Prinzen durch den Biss der Schlange und der Rückkehr zu seinem Planeten. Der Pilot fliegt ebenfalls in seine Welt zurück.

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