Wie die Höfe zu ihren Namen kamen

von Redaktion

Breitbrunn sammelt historische Daten, um Hofschilder erzählen zu lassen

Breitbrunn – Dieser Tage konnte Bürgermeister Anton Baumgartner zusammen mit Dorfarchivar Franz Burghardt im Beisein vieler Besucher die Vernissage zur Ausstellung „Schilder mit den Hofnamen und Besitzergeschichten“ eröffnen. Burghardt zeigte die Entstehungsgeschichte des „Hofschilder-Projekts“ auf.

Im Jahr 1829 wurde eine umfassende „Instruktion“ zur Errichtung unter anderem von „Stundensäulen zur Wegstreckenbemessung, Wegweisern und Ortstafeln im Königreich Bayern“ erlassen. Einige dieser Ortstafeln sind heute noch erhalten, so zum Beispiel in den Ortsteilen Mooshappen (Hofname Sassauer), Unterkitzing (Spreng), Kämpfenthal (Kämpfe), Urfahrn (Löxen) und eine sogar mit Originaltext in Breitenloh (Raben).

43 interessierte
Hofbesitzer

Im Rahmen eines Leader-Programms wurde bereits 2014 in Obing der Grundstein für die Ortsgeschichten der Gemeinden der Chiemgauer Seenplatte gelegt. Bezuschusst würden Hofschilder, historische Ortstafeln, Legenden zu Straßennamen und geschichtliche Info-Tafeln, wie es damals hieß. Da die anfängliche Resonanz „eher überschaubar“ war, so Burghardt, habe er sich mit einem Musterdruck von der Breitbrunner „Mahlerkapelle“ daran gemacht, die Hofbesitzer für die Idee zu gewinnen.

Das Ergebnis von 43 interessierten Hofbesitzern konnte sich sehen lassen und so gab es vom Gemeinderat „grünes Licht“. Zur Beschriftung der Hofschilder wurden aus der Dorfchronik die Eckdaten der betroffenen Gehöfte entnommen und aufs Wesentliche zusammengefasst aufgedruckt. Meist leiten sich die Hofnamen von den Vor- oder Nachnamen früherer Besitzer oder einem Gewerk, wie etwa „Schmied“, ab, erklärte der Dorfarchivar. Erste Erwähnungen dieser Personen- und Ortsnamen ohne Bezug auf ein Gebäude gab es schon um 1100 nach Christus. Ab 1400 konnten dann schon Personennamen den Grundhaltern eines Gehöfts zugeschrieben werden, so Burghardt weiter. Nachdem Maximilian I. Joseph im Jahr 1799 Kurfürst und später König von Bayern wurde, trat Graf von Montgelas als Staatsreformer auf den Plan.

So konnten ab 1803 Bauern, die bis zur Säkularisation nur Grundhalter waren, den vom Kloster auf den Staat übertragenen Hof als „Obereigentum“ ablösen. Für die Steuerberechnung galt künftig: zum Beispiel ein ganzer Hof oder ein halber Hof. Mit der Verfassung für Bayern (1808) wird dieBayerische Uraufnahme (spätere Landesvermessungsämter) und das Steuerrecht aufgebaut, der Besitz erfasst und ab 1812 das Ur-Kataster (Steuerregister) geschaffen. Es entstehen Flur- und Hausnummern und Liegenschaften, also Wiesen, Wälder, Äcker und dergleichen. Um die Namenshintergründe von Straßen, Wegen und Plätzen zu erläutern, kann die Gemeinde sogenannte „Legendenschilder“ unterhalb der Straßennamen-Schilder anbringen. Im Rahmen des Leader-Programms wurden bisher Legenden-Schilder für die Ehrenbürger Pfarrer Johann Baptist Kratzer (Erbauer der Pfarrkirche), den langjährigen Bürgermeister Anton Ganterer, der sich für Bauland für Einheimische einsetzt, und für den früheren Trachtenvorsitzenden Sepp Obermeier (Förderer der Jugend in Tracht, Brauchtum und Sitte) angebracht, die auf der Vernissage vorgestellt wurden.

Dass Namensdeutungen auch schwierig sein können, machte der Dorfarchivar unter anderem an einem Beispiel fest. Um die Deutung des Hofnamen „Schöfmann“ zu ergründen, kam ihm der Zufall zu Hilfe, schildert Burghardt. In einem – auf dem Flohmarkt entdeckten – alten Buch waren detaillierte Schilderungen zum Namen vermerkt, die zur Klärung beitrugen.

Heute letztmalig alle beieinander

Letztmalig besteht morgen, Sonntag, die Chance, die Breitbrunner Hofschilder auf einen Schlag zu besichtigen. Von 14 bis 16 Uhr sind die Infotafeln im Haus des Gastes zu sehen. Dorfarchivar Franz Burghardt erklärt den Besuchern Hintergründe zu den Schildern. Diese werden jetzt dann an die Hausherren der Höfe übergeben.

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