Eine Krippe aus Keramik und viel Liebe

von Redaktion

Dass noch bis Heilige Drei Könige zwei Keramik-Krippen der besonderen Art in Bernau zu bewundern sind, ist Karin Rengers Leidenschaft für Tonarbeiten zu verdanken. Sie fertigte die Figuren mit Charme.

Bernau – Liebevoll bewachen Maria und Josef ihr Jesuskind in der Krippe, auf der Heiligen Familie ruhen die Blicke von Hirten, Kindern und den drei Königen aus dem Morgenland. Eine Szenerie wie in vielen Krippen, und doch ist an dieser, die in Bernau im Schaufenster der Bäckerei Obermeier steht, etwas anders: Sie ist getöpfert, in jahrelanger Handarbeit aus Keramik entstanden.

Ein Schicksalsschlag
veränderte ihr Leben

„Sie ist nach und nach gewachsen“, erzählt Karin Renger aus Bernau. Die 64-Jährige hat die Krippe in der Bäckerei, genauso wie die zweite ihrer Art, zu sehen im „Sportivo“ im Tennisheim, gefertigt. Auf Wunsch von Thomas Schneider, dem Leiter des Tennisheims, wie sie betont. Und, dass es eigentlich eine Teamarbeit war, denn Schreiner Lothar Mehnert und Josef Feuersteiner, der seine Holzarbeiten beisteuerte, waren auch mit von der Partie. Aber den Löwenanteil, den hat die begeisterte Keramikerin dazu beigetragen.

Sagen würde sie das selbst so nicht: Wer Karin Renger kennenlernt, dem begegnet eine freundlich lächelnde, bunt gekleidete Frau, die sich nicht anmerken lässt, dass sie das Schicksal stark gebeutelt hat. Zehn Jahre führte sie mit Leidenschaft und großer Kreativität ihr kleines Keramikatelier in Bernau, die „Zauberhafte Keramik“. Dort verwirklichte sie ihre Ideen aus Ton, denen sie mit ihren Händen und viel Farbe Leben einhauchte: „Am liebsten habe ich verrückte und lustige Tiere gemacht“, erzählt Renger. Sie zeigt ein dickes Fotoalbum: Kunterbunte Hühner grinsen einem von den Bildern entgegen, mit Ringelsocken und frechen Frisuren; aber auch Gebrauchskeramik wie die von ihr erfundene „Pelikan-Kanne“.

Auch Auftragsarbeiten hat sie angefertigt, am liebsten aber ließ sie ihrer eigenen Fantasie freien Lauf. „Meine Arbeiten stehen heute in den USA, auch in Italien und England“, freut sie sich: Touristen haben Lieblingsstücke mit in die Welt genommen. 2015 musste Renger ihr Atelier schweren Herzens aufgeben: „Mein Mann, der mir all die Jahre ermöglicht hat, meine Leidenschaft auszuüben, starb überraschend.“

Mit knapp 60 Jahren musste sich Renger, Mutter dreier erwachsener Kinder, noch mal beruflich neu orientieren und kehrte zurück in ihren ursprünglich gelernten Beruf der Erzieherin. „Ich arbeite auch sehr gern mit Kindern“, sagt sie, und dass es eine Entscheidung gewesen sei, die nun einmal getroffen werden musste. Da aber leuchten ihre Augen schon wieder, denn sie will ihre kreative Ader nun auch in die Arbeit mit den Kleinen einfließen lassen. „Da fällt mir schon eine Menge ein.“ Zugegeben, die Arbeit als Keramikerin sei nichts für Menschen, die es gern sauber und ordentlich haben, lacht sie: „Es fällt dabei ziemlich viel Staub und Dreck an.“ Und körperlich sei das Werken mit Ton auch nicht leicht: „Ton vor dem Verarbeiten zu kneten, ist ganz schön schwer und kann ordentlich auf den Rücken gehen.“

Wenn sie so ihre Fotos ansieht, scheint es Renger doch in den Fingern zu jucken: Vor allem die vielen Farben haben es ihr immer noch angetan: „Bei mir ist Keramik immer schön bunt“, beschreibt sie ihr Markenzeichen. So sind auch die Krippenfiguren nicht eintönig – im wahrsten Sinne des Wortes, sondern bestechen durch ihre fröhlichen Farben.

Ein paar witzige Details hat sich Thomas Schneider bei seiner ersten Anfrage, das ist schon einige Jahre her, gewünscht: zum Beispiel schwarze Raben als „Engerl“ und eine strickende Oma als weitere Krippen-Figur. Renger hat sie ihm erfüllt. Auch, wenn die Bernauerin nicht mehr zurückkehren wird zur freischaffenden Tätigkeit als Keramikerin, den Brennofen hat sie noch und eine Vision, die sie vielleicht – „wenn ich dann doch mal in Rente gehen sollte“ – in die Tat umsetzt: „Noch mehr lustige Tiere.“

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