Schleching – Josepha Töpfer wohnt seit 1924 in Schleching und feierte ihren 95. Geburtstag. Sie ist hier zur Schule gegangen und hat in der Jugend die harte Kriegszeit miterlebt. Sie erinnert sich, dass ihr Vater bei der Post gearbeitet hat und sie auch zur Post gehen musste. Mit dem Rad wurden die Briefe austragen und im harten Kriegswinter zu Fuß. Bis auf den Achberg musste sie laufen, hat dabei ihre Skier geschultert und konnte den Rückweg bergabwärts fahren. Überhaupt war das Skifahren ihr liebstes Hobby.
Nach dem Pflichtjahr hat Josepha erst in Marquartstein und dann in Grassau in einem Arzthaushalt gearbeitet. 1948 wurde ihr Sohn Günther geboren, den sie die ersten zehn Jahre allein aufzog. Als älteste von drei Schwestern musste sie sich auch lange Zeit um ihre kranke Mutter kümmern.
Die weitere Berufsstation führte sie als Bedienung in den Gasthof Zur Post in Schleching. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als ihr späterer Mann eines Tages in den Gasthof kam. Sie sah ihn von der Küchenluke aus und sagte zu ihrer Kollegin, dass sie ihn kennenlernen will. Das hat auch geklapp. Geheiratet wurde 1959 in Maria Eck. Ihr Mann stammte aus Sachsen und ist nach dem Krieg nicht mehr in seine Heimat zurückgegangen. Josepha wechselte ihre Arbeitsstelle und war lange Zeit im Gasthof Zellerwand beim Birner als Bedienung tätig. Oft arbeitete sie bis lange nach 24 Uhr und hat trotzdem ihrem Mann jeden Morgen um 5.30 Uhr das Frühstück gemacht. „Das konnte ich mir gar nicht anders vorstellen“, erinnert sie sich. Vor 20 Jahren ist ihr Mann verstorben und seitdem lebt Josepha allein. Als ihr Enkel Günther Bauer, der bekannte Motorrad-Eisspeedway- Rennfahrer, seine großen Erfolge feierte, wollte sie zu Beginn nicht zusehen, weil sie den Sport für sehr gefährlich hielt. Später fand sie dann doch großes Interesse daran, bei den Wettkämpfen zuzusehen und viele Menschen kennenzulernen. In Josephas Flur hängen etliche Siegerkränze und unzählige Trophäen vom Enkel stehen auf Regalen. 1998 wurde Urenkel Luca geboren, der heute bereits in die Fußstapfen seines Vaters tritt und Rennen fährt. Josepha selbst war früher auch sportlich, wenn sie mit ihren Freundinnen im Winter mit den Skiern zur Wuhrsteinalm gefahren ist. Im Sommer ist sie gern zum Bergwandern gegangen und kennt somit alle Berge und Gipfel im Umkreis. Heute lebt Josepha in ihrer Wohnung im ersten Stock allein und versorgt sich selbst. Jeden Tag wird eingekauft und frisch gekocht, die Wäsche wird penibel gebügelt, denn sie hat es gern ordentlich. Überhaupt sieht Josepha Töpfer nicht aus wie eine 95-Jährige. Glänzende lange Haare hat sie zu einem Zopf zusammengefasst und im Gesicht sind fast keine Falten zu sehen. Sie lacht über das Kompliment und meint dazu: „Man darf sich nicht gehen lassen“.
An ihrem Ehrentag freute sie sich über viel Besuch und auch Bürgermeister Josef Loferer kam am Morgen zum Gratulieren vorbei. wun