Seebruck – Der geplante Neubau einer zweiten Alzbrücke in Seebruck erhitzt die Gemüter: Jetzt holten sich die Projekt-Gegner vom Bürgerforum Münchens Alt-OB Christian Ude nach Seebruck. Er gilt als erfahren in solchen Entscheidungen und ist der Region privat eng verbunden. Dieser Tage war der frühere Münchner OB und ehemalige Städtetagspräsident Christian Ude auf Einladung des Bürgerforums zu Besuch in Seebruck, um sich über den aktuellen Sachstand zum geplanten Neubau einer zweiten Alzbrücke 200 Meter nördlich zur bisherigen Bestandsbrücke zu informieren.
Alzauen speichern große Mengen CO2
Wie schon mehrfach berichtet, steht die bisherige Überquerung der Alz an der Staatsstraße 2095 zur Disposition, da sie in desolatem Zustand ist und deshalb für den Durchgangsverkehr bereits auf zwölf Tonnen Last beschränkt werden musste. Eine Kernsanierung ohne sicheren Rad- und Gehweg würde einem „Schildbürgerstreich“ gleichen, so der Sprecher des Bürgerforums Seebruck, Toni Mayer.
Die Crux an der geplanten neuen Trassenführung flussabwärts sei, so die Initiatoren des Forums, dass sie in Bereiche der streng geschützten Alzauen und des sensiblen Hochmoors „Gramsenfilzen“ eingreifen würde. Dieses Eiszeitrelikt, geschützt durch EU- und nationale Verordnungen, wurde bereits 2002 gekauft und renaturiert; es gilt als hochwertiger CO2-Speicher auf über 45 Hektar und wurde als Ausgleichsfläche für spätere Baumaßnahmen geschaffen, so Mayer.
Christian Ude, der dieses Gebiet bereits von Kindesbeinen an kennt, steht diesem Projekt mit gemischten Gefühlen gegenüber. Seiner Ansicht nach könnte hier unter Umständen anstatt der Entlastungsspange eine „Belastungsspange“ entstehen, äußerte er sich nachdenklich beim Treffen in Seebruck. Ganz abgesehen davon handele es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in ein ökologisch wertvolles Gebiet, so der ehemalige Oberbürgermeister von München.
Man könne nicht „jeden Baum pressewirksam umarmen“, trotzdem sollen ein ökologisch wertvolles Umfeld und die Attraktivität des Ortes nicht aus den Augen verloren werden, so der Gast weiter über das Verkehrsprojekt.
Die Abstände zur Wohnbebauung seien bei der bisherigen Alzbrücke und der neuen Trassenführung in etwa identisch, schätzte Ude, nur dass die bisherige Straße saisonal und die geplante Trasse ganzjährig belastet wäre.
Mayer gab in der anberaumten Seebrucker Gesprächsrunde zu Bedenken, dass mit einer zweiten Alzbrücke eine mautfreie Querverbindung mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zwischen München und Salzburg entstehen würde –und somit mehr Durchgangs- und besonders Schwerlastverkehr sowie Lärm mit sich bringe. Auf der einen Seite wolle der Landkreis Traunstein die Mittel zum Schutz von Hochmooren und dergleichen verdoppeln, zum anderen würde man mit einer neuen C1-Trasse über die Alz ein wertvolles Schutzgebiet angreifen, in das bereits Fördermittel geflossen sind. Im Raum stehe auch, dass Seebruck seinen Status als Luftkurort durch das 1,4 Kilometer lange, 13 Meter hohe und 15 Millionen Euro teure – diese Kostenschätzung stammt vom Staatlichen Bauamt Traunstein – Projekt verlieren könnte.
Udes Rat an die Trassen-Gegner
Man müsse den „Verkehr dem Ort“ anpassen, nicht den „Ort dem Verkehr“, resümierte Mayer. Das Bürgerforum strebt mittlerweile eine Bürgerbefragung an, nachdem ein Ratsbegehren wie berichtet wegen der anstehenden Kommunalwahl nicht stattfinden kann. In einer solchen Bürgerbefragung können Bürger allerdings lediglich mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, somit kommt es auf eine exakte Fragestellung seitens der Initiatoren an. Christian Ude ließ die Trassengegner in dieser Hinsicht nicht ohne einen Rat zurück: Eine Minimalforderung der Bürgerinitiative für eine Bürgerbefragung könnte sein, dass mitbetroffene Fraktionen sich den Bürgern gegenüber detaillierter zum Für und Wider der Alz-Trasse äußern. Dafür würde ihnen nach Gesetzeslage die Hälfte der Textmenge zustehen.