Grassau – Was tun, wenn ein älterer Angehöriger nach einem überstandenen Oberschenkelhalsbruch aus der Rehaklinik entlassen wird und dringend einen Platz in einem Seniorenheim braucht? Was tun, wenn ein Heim einen bereits zugesagten Platz wieder absagt mit der Begründung, es gebe wegen Corona einen Aufnahmestopp? Vor diesem Dilemma stehen derzeit Hans-Peter Lohrmann und seine Frau, zwei Rentner aus Grassau.
Tante sucht nach
Betreuungsplatz
Die Tante der Ehefrau ist 93 Jahre alt und noch bis Gründonnerstag in einer Rehaklinik in Bad Bocklet in der Rhön. Noch kurz vor Ostern soll sie entlassen werden. In ihre Wohnung im oberfränkischen Coburg kann sie nicht zurück, da sie sich nach ihrer Verletzung nicht mehr selbst versorgen kann. Außerdem liegt die Wohnung im zweiten Stock, das Haus hat keinen Aufzug. „Bis dato war sie gut zu Fuß“, sagt Lohrmann, aber jetzt schaffe sie die Treppen nicht mehr.
Ursprünglich habe das Coburger Seniorenheim St. Josef der Dame einen Platz zugesagt, erklärt Lohmann weiter. Unter Verweis auf die Corona-Pandemie sei der Platz zu Beginn der Karwoche wieder abgesagt worden. „Letzte Woche war alles in trockenen Tüchern, dann kam die Absage“, sagt Lohrmann.
Lorenz Freitag, der Leiter des Seniorenheims, bestätigt, dass er keine Neuzugänge mehr aufnehmen darf: „Das ist eine Allgemeinverfügung der Bayerischen Landesregierung vom vergangenen Samstag. Es gibt einen Aufnahmestopp in allen Pflegeeinrichtungen“. Das sei hochproblematisch, aber es gehe darum, „alles, was nur irgendwie geht, aus den Heimen draußen zu halten“, so Freitag weiter. Er verweist auf die vielen coronabedingten Todesfälle in anderen Altenheimen, etwa in Wolfsburg oder Würzburg.
„Neuaufnahmen in Pflegeeinrichtungen in Bayern sind untersagt“, teilt das Ministerium für Gesundheit und Pflege gegenüber unserer Zeitung mit. Ausnahmen gebe es nur, wenn eine Einrichtung gewährleisten könne, „dass neue Bewohner für einen Zeitraum von 14 Tagen in Quarantäne untergebracht werden können, wenn das zuständige Gesundheitsamt zustimmt.“ Sofern eine Versorgung zu Hause nicht möglich sei, müssten die Betroffenen für den Zeitraum von 14 Tagen in anderen Einrichtungen untergebracht werden, die zur pflegerischen Versorgung geeignet seien. „Dies können zum Beispiel geriatrische Reha-Einrichtungen sein, die Kurzzeitpflege anbieten“, schreibt das Ministerium weiter. Hans-Peter Lohrmann erklärt, dass die Tante seiner Frau tatsächlich auch noch weiter in der Rehaklinik bleiben könne, allerdings als Selbstzahler. Das würde 200 Euro pro Tag kosten, dafür reicht aber die Rente der Dame nicht.
Wie Lohrmann aus dem Dilemma wieder herauskommt? Wie sieht es im Landkreis Traunstein aus, gäbe es hier Alternativen? Michael Reithmeier, der Sprecher des Gesundheitsamtes Traunstein, verweist auf die Ausnahmeregelung: Wenn ein Altenheim nachweisen kann, dass es einen Bewohner 14 Tage separieren könne, dann wäre die Aufnahme eines Neuzugangs möglich. „Wir im Landkreis fahren die Linie, das dann möglich zu machen“, sagt Reithmeier. „Alle Einrichtungen sind dazu aufgerufen, die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen, wenn es möglich ist“.
Problem: Fehlende
Schutzkleidung
Das scheint nun auch die Linie von Stadt und Landkreis Coburg zu sein. Lohrmann hatte gestern einen Anruf des Heimleiters Lorenz Freitag bekommen. Der habe zugesagt, dass die 93-Jährige am heutigen Gründonnerstag im Seniorenheim St. Josef aufgenommen werde. Die Separierung der Seniorin für 14 Tage war offenbar nicht das Problem, sondern die Schutzkleidung für das Pflegepersonal, so Lohrmann. Diese konnte offenbar noch beschafft werden. „Wir sind jetzt wirklich sehr erleichtert“, sagt ein glücklicher Hans-Peter Lohrmann. Die Sache habe viele Nerven gekostet, vor allem auch seiner Frau. „Manchmal wendet sich doch noch alles zum Guten!“