Kummertelefon für Pflegekräfte

von Redaktion

Überseer Heilpraktiker Peter Baumann möchte seinen Beitrag in Corona-Krise leisten

Übersee –Die Schilderung einer Bekannten, die auf einer Covid-19-Station arbeitet, traf Peter Baumann zutiefst. So beschloss der Überseer Heilpraktiker für Psychotherapie spontan, die Pflegekräfte mit einem eigenen kostenlosen Angebot zu unterstützen: Er richtete ein Beratungstelefon ein.

Berichte in Medien seien etwas ganz anderes, als wenn einer, den man persönlich kennt, von seinen extrem belastenden Erfahrungen berichtet. Etwa davon, dass die Schutzanzüge einem gefühlt die Luft abschnüren und ein enormes Schwitzen verursachen, das die gewohnte Arbeit zur Tortur macht.

Körperliche Belastung
löst psychische
Belastung aus

„Meine Bekannte, die mir das erzählte, ist jung und total fit. Dann muss das wirklich heftig sein“, sagt Peter Baumann. Die körperliche Belastung löse dann oft eine psychische Belastung aus, „wenn man merkt, wie schnell man am Ende ist“. Andere Einsatzkräfte wiederum litten unter ihrer Angst vor dem Virus und vor Ansteckung aufgrund fehlender Schutzausrüstung.

Baumann musste an die Aussage einer Berliner Krankenschwester denken, die andere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung für das Pflegepersonal forderte. Er fragte sich: „Was könnte ich da machen?“ Er kennt aus dem Zivildienst beim Roten Kreuz die aufreibende Arbeit der Rettungskräfte. Da Baumann aufgrund der Corona-Krise selbst gerade mehr Zeit hat, als ihm lieb ist – er kann seine praktischen Ausbildungstätigkeiten derzeit nicht ausüben – entstand die Idee eines Beratungstelefons für Pflegekräfte. „Ich möchte einen Beitrag leisten für die, die an vorderster Front im Einsatz sind.“ Er will für alle da sein, die auf der Intensivstation, aber auch auf Normalstationen mit Corona-Patienten arbeiten. Zu dieser Arbeit mit zumeist extremen, schweren Fällen seien nicht viele Menschen in der Lage. „Dadurch sind die Pflegekräfte unter einem unglaublichen Druck. Sie sind nicht so leicht ersetzbar.“ Daheim könnten sie sich oft nicht aussprechen, da „das eigene Umfeld das Thema nicht mehr hören kann“. Geweint, teils mehrmals am Tag, werde meistens heimlich.

Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Behandlung von Traumata und als Gestalt- und Hypnosetherapeut möchte Baumann diese Menschen in ihrer aufreibenden Arbeit schnell und kostenlos unterstützen. „Sie können anrufen und müssen sich um nichts kümmern. Ich höre ihnen zu, egal was sie loswerden wollen.“ Anrufen kann man rund um die Uhr. Wenn Peter Baumann nicht sofort ans Telefon kommen kann, ist es möglich, eine Nachricht zu hinterlassen.

Sein Angebot richtet sich an Krankenschwestern und -pfleger im gesamten deutschsprachigen Raum. Innerhalb der EU und in die Schweiz ruft er auch zurück, falls die Ratsuchenden keine Flatrate für Deutschland haben.

Moralische
Unterstützung tut
offenbar vielen gut

Seit Montag hat er die Aktion, nach positivem Feedback seiner Bekannten, über seine Website, sein Umfeld, seinen Newsletter und per Whatsapp bekannt gemacht. Seither erhielt er bereits viel begeisterte Resonanz. „Auch Pflegekräfte, die ich nicht kenne, haben geschrieben und sich bedankt.“ Die moralische Unterstützung tue offenbar vielen gut: „Zu wissen: Jemand denkt an uns. Und wenn ich Not habe, kann ich mich melden.“

Der Heilpraktiker ist schon gespannt, wie das Kummertelefon angenommen wird. Auch wenn es natürlich eine Überwindung sei, „jemand Fremden anzurufen“.

Die Hotline

Die Telefon-Hotline für Covid-19-Pflegepersonal lautet 08642/5978909. Nähere Infos auch im Internet unter www,pbaumann.de.

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