Rottau – Gegründet wurde er aus einer Not heraus: Torf war nach dem Ersten Weltkrieg ein rarer Brennstoff, da die Kohle knapp war. Vor 100 Jahren wurde daher der Rottauer Torfbahnhof gegründet.
Bei Streckenkilometer 33,6 an der Eisenbahnlinie Rosenheim – Salzburg errichtete die private und kommunale Torfwirtschaft eine sogenannte Privatladestelle. Hier sollte Kohleersatz aus den Kendlmühlfilzen auf Waggons der Bayerischen Staatsbahn verladen und versendet werden. 1927 wurde dann an dieser Stelle zusätzlich eine Torfstreufabrik errichtet, um Aufarbeitung und Verladung des Torfes an einer Stelle zu bündeln. Dieses erste Fabrikgebäude brannte im Dezember 1931 vollständig ab und wurde 1932 wieder aufgebaut.
Gefangene
verrichteten
Schwerstarbeit
Die damalige Gefangenenanstalt Bernau übernahm 1940 den Betrieb. Mit einer Unterbrechung von Juli 1945 bis April 1949 war die heutige Justizvollzugsanstalt bis ins Jahr 1971 der alleinige Betreiber der Torfstreufabrik und damit des Torfbahnhofs Rottau.
Unzählige Gefangene mussten schwerste körperliche Arbeit beim Abbau des Torfes im Moor verrichten. Anfang der 70er-Jahre ging die Nachfrage nach Brenn- und Streutorf in Bayern stark zurück und führte 1971 aus wirtschaftlichen Gründen zur Einstellung des Betriebs durch die JVA.
1976 pachtete die niederbayerische Firma Samen-Maier die Anlagen und Abbaugebiete im Moor von der JVA und mechanisierte den Torfabbau zur Herstellung von in Kunststoff verpackten Torfgartenerden. 1988 endete der Torfabbau durch dieses Unternehmen auch durch zunehmenden Druck aus der Bevölkerung hinsichtlich des Naturschutzes in der Kendlmühlfilzen.
Nun sollte die gesamte Anlage abgerissen werden. Hier schlug nun die Stunde von Claus Dieter Hotz aus Grassau und seiner damaligen Mitstreiter. Mit großem persönlichen Einsatz konnte im August 1988 eine Aufnahme des Ensembles Torfbahnhof mit den Gleisanlagen der Feldbahn in die Landesdenkmalliste erreicht werden.
Dazu wurde am 6. Juli 1989 unter Claus Dieter Hotz als Erstem Vorsitzenden der „Verein für Industrie- und Technikgeschichte im südlichen Chiemgau e.V.“ in Grassau gegründet. Trotz teils erheblicher Widerstände aus den Rathäusern in Grassau und Übersee gelang es, den Abbruch zu verhindern und mit der Deutschen Bahn einen Pachtvertrag abzuschließen. 1991 bekam der Verein erhebliche Zuschüsse für den Erhalt der Gebäude vom Landkreis Traunstein und später auch von anderen staatlichen Stellen.
1997 öffnete das „Bayerische Moor- und Torfmuseum“ erstmals seine Türen.
Die immer zahlreicher werdenden Mitglieder des Vereins leisteten in ihrer Freizeit unzählige unbezahlte Stunden ehrenamtlicher Arbeit zum Erhalt und Ausbau des Museums und der Feldbahn, unterstützt durch private Spender und öffentliche Zuschüsse.
Inzwischen heißt der Verein „Museumsverein Torfbahnhof Rottau“ und hat mittlerweile 125 Mitglieder. 15 besonders aktive Mitglieder widmen sich unter der Leitung des jetzigen Vereinsvorstands Erik Baugut in ihrer Freizeit dem Erhalt, der Pflege und Weiterentwicklung der Gesamtanlage Torfbahnhof und natürlich dem Betrieb des bei Besuchern äußerst beliebten Museums. Dabei kommt es schon mal vor, dass sich bei der Landschaftspflege ein vermeintlicher Ast als Kreuzotter oder eher harmlose Schlingnatter entpuppt.
Bahngleise werden
ertüchtigt
Die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie haben auch vor dem Museum Torfbahnhof nicht halt gemacht: Die für Juli geplante Feier zum 100. Jubiläum musste auf 2021 verschoben werden. In diesem Jahr ruht der Museumsbetrieb. Auch ein Wasserschaden durch die Starkregenfälle Anfang August beeinträchtigt den Betrieb. In der Zwischenzeit nutzten die Aktiven die Zeit für eine Erweiterung und Ertüchtigung der Feldbahngleise und eine behutsame Neugestaltung der Ausstellung im Museum.