Eine grüne Lunge ohne Chemie

von Redaktion

Der Naturgarten von Anna Stief in Ruhpolding ausgezeichnet

Ruhpolding – 15 Gärten haben im Landkreis Traunstein dieses Jahr die Auszeichnung „Naturgarten-Bayern blüht“ erhalten. Einige davon stellen wir Ihnen in den nächsten Wochen näher vor. Los geht es mit dem Garten von Anna Stief in Ruhpolding.

Wasser, das Lebenselixier für Pflanzen und Tiere, ist in einigen Regionen Deutschlands ein knappes Gut geworden. Im Chiemgau eher nicht, schon gar nicht im Garten von Anna Stief in Ruhpolding, durch den ganzjährig ein Bach rauscht.

Unkraut oder
willkommener Gast
im frischen Grün?

Der frische Boden ist auch der Grund, warum im Frühjahr im Rasen unzählige Knabenkräuter blühen. „Die haben wir erst, seit wir die Wiese im Frühjahr einfach länger wachsen lassen. Dazu musste ich meinen Mann schon überreden, weil es zwischendurch nicht so ordentlich aussieht. Aber plötzlich war dann das Knabenkraut da und wurde immer mehr, ganz herrlich. Es ist von ganz allein gekommen“, freut sich Anna Stief.

Überhaupt ist die leidenschaftliche Gärtnerin begeistert, wenn wieder ein Pflänzchen von selbst zu ihr gefunden hat. „Ich lasse alles aufkommen“, sagt sie, „und dann schaue ich, ob ich es behalten will und kann. Das Meiste darf bleiben und viel verschenke ich auch. Ich kann ja nichts wegschmeißen.“ Und so wachsen in ihrem Garten gesäte und gepflanzte Arten in schönster Eintracht mit Pflanzen, die sich selbst ausgesät haben.

Gehegte und gepflegte Fuchsien und Buchskugeln geben sich ein Stelldichein mit wilden Kräutern wie Herzgespann und Schafgarbe. Zitronengelbe Nachtkerzen und himmelblaue Wegwarten wetteifern in einer Gartenecke darum, wer strahlender und größer ist.

Anna Stief befolgt keine dogmatischen Regeln beim „Garteln“, aber sie düngt nur organisch, auch mit Brennnesseln und Beinwell, und verwendet keine chemischen Pflanzenschutzmittel. Zwei von einigen Voraussetzungen, um die Auszeichnung „Naturgarten-Bayern blüht“ vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V. zu erhalten. Krankheiten und Schädlingen beugt sie durch Mischkultur vor: „Seit ich Zwiebeln neben das Weißkraut setze, habe ich viel weniger Probleme mit dem Kohlweißling“, berichtet sie.

Und wenn doch einmal ein Pflänzchen kränkelt? Dann behandelt es Anna Stief mit Gesteinsmehl. Damit hat sie gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel bei Befall mit Mehltau und den Raupen des Buchsbaumzünslers, und auf diese Weise schon einige sterbenskranke „Patienten“ wieder kuriert – etwa den alten Klarapfelbaum, der bereits Anfang August reife Äpfel trägt. Den hatte ein Bieber schon fast gefällt. Anna Stief hat die große Wunde in der Rinde „mit einer Mischung aus Lehm, Joghurt und Steinmehl eingestrichen und dann mit Mullbinden wie einen Menschen einbandagiert.“ Anschließend hat sie ihn stark zurückgeschnitten, dieses Jahr trägt er schon wieder viele saftige Früchte.

Eine zweite
Chance für viele
Pflanzen und Blumen

Das Aufpäppeln von pflanzlichen Patienten macht Anna Stief die größte Freude. „Wenn dann so eine arme Pflanze wieder strahlend blüht, das ist der schönste Lohn beim Gärtnern. Diese Rose zum Beispiel, die lag schon auf dem Kompost beim Gärtner. Ich habe sie mitgenommen und schauen Sie, wie hübsch die wieder blüht, manchmal bis in den November hinein.“ Vieles beim Gärtnern sei ein Lernprozess, meint sie. Ans Mulchen zum Beispiel habe sie sich gewöhnen müssen, schon rein optisch. Aber aufgrund eines Rückenleidens kann sie sich nicht mehr so gut bücken und soll es auch nicht. Das Mulchen erspart ihr das Ausgrasen. Gleichzeitig muss man nicht so viel Düngen und das Bodenleben profitiert ebenfalls davon. Dass man in einem Garten nicht so viel anstellen muss, um ihn insektenfreundlicher zu gestalten, kann man bei Anna Stief sehen: Offene Blüten statt gefüllter, etwa bei Dahlien und Rosen, eine große Vielfalt an Pflanzen, die Wiese länger stehen lassen, Blumen und Kräuter zwischen das Gemüse setzen und schon brummt es allerorten.

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