Schleching/Kössen – Der Schmugglerweg zwischen Bayern und Tirol ist bei Wanderern sehr angesagt. Jetzt ist die beliebte Verbindung zwischen Schleching und Tirol um ein spektakuläres Bauwerk reicher. In 25 Metern Höhe ist eine neue, zweite Hängebrücke über die Klobensteinschlucht entstanden. Die Gemeinden Schleching und Kössen haben zusammen mit dem Tourismusverband (TVB) Kaiserwinkel aber noch mehr vor.
In luftiger Höhe trafen sich jetzt die Verantwortlichen, um die Fertigstellung der rund 30 Meter langen Brücke nach etwa acht Monaten Bauzeit zu feiern. Entstanden war die Idee 2013. Damals hatte das Hochwasser die alte Hängebrücke zerstört. Als die Beteiligten darüber nachdachten, wie sie schnell erneuert werden kann, entstand die Idee eine zweite Brücke zu bauen und den Schmugglerweg mit weiteren Attraktionen aufzuwerten.
„Symbol, das zwei Regionen verbindet“
Schlechings Bürgermeister Josef Loferer nannte die neue Brücke ein „Symbol, das zwei Regionen grenzüberschreitend verbindet“. Die interkommunale Zusammenarbeit, die hier im Kleinen so gut funktioniert, zeige, dass der Europa-Gedanke gelebt werden könne. Loferer würdigte auch das gute Miteinander der Beteiligten.
Gerd Erharter, der Obmann vom TVB Kaiserwinkel, erinnerte an das verheerende Hochwasser 2013, das die alte Hängebrücke zerstörte. Damals sei das Wasser in der Schlucht bis zu sieben Meter über den normalen Pegelstand gestiegen. Bei den Überlegungen zur Widerherstellung der alten Brücke habe man sich an Pläne erinnert, die schon lange in der Schublade schlummerten. Sie beinhalteten den Bau einer zweiten Hängebrücke mit der Möglichkeit, die „einmaligen Gletschertöpfe“ an dieser Stelle in den Schmugglerweg einzubinden.
Das sei nun sehr gut gelungen. Wenn der Wanderer von bayerischer Seite die neue Brücke überqueren, führt der Weg genau zu den Gletschertöpfen. Daneben entsteht noch ein Rastplatz mit Blick auf die spektakuläre Entenlochklamm. Neben weiteren Highlights, wie einer Aussichts- und einer Panoramaplattform, entstehen zusätzliche Rast- und Infoplätze. Auch sei nach der Fertigstellung ein Rundweg über beide Brücken möglich.
Auf Schlechinger Seite werden jetzt neue Bänke aufgestellt und im nächsten Frühjahr wird ein Weg hinunter ans Ufer der Ache entstehen.
Der Obmann berichtete von den vielen Auflagen, die bei der „ressourcenschonenden Erschließung“ der Klobensteinschlucht erfüllt werden mussten und von einigen Stolpersteinen, die sich von geologischer Seite auftaten. Viele Fachleute wurden eingebunden, vorrangig das Planungsbüro Revital. Von manchem Traum habe man sich verabschieden müssen, zum Beispiel von einem Radweg am Schmugglerweg, der nicht umsetzbar sei.
Der Kössener Bürgermeister Flörl erinnerte daran, dass das Projekt ohne die vielen Fördermittel nicht hätte bewerkstelligt werden können. Die rund 1,3 Millionen Euro Gesamtkosten werden zum überwiegenden Teil aus EU- und aus Ländermitteln aufgebracht. Für die drei örtlichen Partner bleiben rund 500000 Euro übrig, die aufgeteilt werden.
„Zwei bis drei Jahre nur Papier wälzen“
Professor Walter J. Mayr (Euregio Marien-Wege) und Kolja Zimmermann (Leader-Aktionsgruppe) würdigten das Durchhaltevermögen der Beteiligten bei den vielen Anträgen und das „zwei bis drei Jahre nur Papier wälzen“, um die Förderungen zu erhalten. Der Schmugglerweg ist in den Pilgerweg „Euregio Marien-Wege“ eingebunden.
Trotz gebotener Rücksichtnahme bei den Bauarbeiten auf die Bedürfnisse der Tier- und Pflanzenwelt zu den verschiedenen Jahreszeiten sind die drei Partner Kössen, Schleching und TVB Kaiserwinkel zuversichtlich, das „Natur- und Kulturerbe Klobensteinschlucht/Schmugglerweg“ im nächsten Jahr zwischen April und Juni mit der zweiten Hängebrücke als „Herzstück“ der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Bis dahin bleibt sie noch gesperrt.