Marquartstein – Wer Taler für die Schützen- oder Fischerkette benötigt, Ehrenmedaillons für Altbürgermeister, Medaillen fürs Trachtenmieder, für Taufe, Kommunion, Hochzeit, der bekommt sie in der Münzmanufaktur in Marquartstein. Dieses Handwerk betreiben nur noch wenige Werkstätten in der althergebrachten Form. Unsere Zeitung besuchte Inhaberin Franziska Dögerl und ihren Mann, den Bildhauer und Medailleur Christian.
Seit einem dreiviertel Jahr ist Franziska Dögerl stolze Inhaberin der Münzmanufaktur. Die war vorher nur wenige Kilometer entfernt in Schleching beheimatet. Weil die langjährigen, befreundeten Inhaber die Fertigung aus eigener Entscheidung heraus nicht mehr fortführen, übernahm die Marquartsteinerin. Die Entscheidung traf sie nicht alleine. Ihr Mann arbeitete 30 Jahre lang als freischaffender Medailleur für die vorherigen Besitzer und er steht seiner Frau natürlich auch in Zukunft tatkräftig zur Seite.
Franziska Dögerl führt die Tradition weiter
„Was hier über Jahrzehnte geschaffen wurde, ist mehr als nur ein Lebenswerk“, sagt Franziska Dögerl über das Erbe, das sie angetreten hat. „Es sind große Fußstapfen, in die ich steige.“ Es mache ihr Freude, neue Ideen zu entwickeln, Traditionen zu wahren und Erschaffenes wertzuschätzen.
Die Taler aus echtem Gold und Silber sind noch Traditionshandwerk. Diese Art der Fertigung abseits industrieller Massenproduktion gibt es nicht mehr oft. Christian Dögerl erlernte den Beruf des Bildhauers an der Fachschule in Berchtesgaden. Sein erstes eigenes Atelier bezog der 54-Jährige im Jahr 1986 am Wuhrbichl in Marquartstein. Seit 2012 hat er seine Werkstatt in der Oed. Dort lebt er mit seiner Familie und dort befindet sich jetzt auch der Sitz der Münzmanufaktur seiner Frau. Er arbeitet vor allem mit den Materialien Holz, Bronze und Gips. Die Ritter-Marquart-Figur auf dem Brunnen im Ortszentrum, die Figurengruppe „Der richtige Weg“ auf dem Gelände der Chiemgau Klinik und verschiedene kreative Arbeiten in den Märchenparks Ruhpolding und Marquartstein stammen zum Beispiel von ihm.
Seit 1992 kamen die Arbeiten als Medailleur dazu. Dögerl entwirft die Motive mit Bleistift auf Papier und schneidet sie dann spiegelverkehrt, also negativ, in Alabastergips. Danach wird daraus wieder ein Modell in positiv abgegossen, welches nochmals überarbeitet wird. Davon entsteht ein sogenanntes Hartmodell. Eingespannt in die Reduktionsmaschine wird das Motiv mechanisch abgetastet und in weichen Stahl übertragen. Dieser Prozess kann je nach Modellgröße einige Tage dauern. „Der Positivstempel wird im Härteofen auf bis zu 1200 Grad erhitzt, um anschließend im Ölbad abgekühlt zu werden. Danach kommt er zum Anlassen nochmal in den Härteofen“, schildern Franziska und Christian Dögerl den Vorgang. Die Produktion erfordert vom Bildhauer große Präzision, denn handwerklich gefertigte Medaillen beziehungsweise Taler heben sich von industrieller Fertigung durch ihre Schärfe, Brillanz und detailliert ausgearbeiteten, scharfen Konturen ab.
Dögerl hat in den vergangenen Jahrzehnten an die 800 Motive kreiert. So fertigte er zum Beispiel das Modell für die Einweihung des Posttowers in Bonn und für namhafte Firmen weltweit. Seit 2016 wird er regelmäßig zu ausgewählten Münzwettbewerben des Bundes eingeladen, darauf ist er sichtlich stolz.
In der Münzmanufaktur lagern an die 3000 Prägestempel, die insgesamt vier Bildhauer über die Jahre hinweg entworfen haben. Die Motive sind historisch, kirchlich oder individuell. Eine Gravur rundet den Taler auf Wunsch mit persönlichen Worten oder Daten ab. Taler für besondere Anlässe stehen als Erinnerungsstück, Schmuck oder Auszeichnung hoch im Kurs.